Eine glückliche Hand für verlassene Tiere

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Der Kontakt mit Tieren bringt Freude: Denise Böhm füttert ein Stinktier mit Karotten.

Dudenhofen (eh) - Der gemeinnützige Verein „Wildtierarche Rodgau“ und die Tierauffangstation von Petra Simon haben gute Erfahrungen mit dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) gemacht. Jetzt bieten sie eine zweite Stelle an.

Putzen, Füttern, Gehege saubermachen: Die täglichen Aufgaben von Denise Böhm in der Exoten-Auffangstation klingen nicht gerade aufregend. Doch die junge Frau ist glücklich: „Ich freue mich jeden Tag hier zu sein.“ Seit Dezember arbeitet sie für ein Taschengeld plus Sozialversicherung in der Auffangstation in der Kronberger Straße. Zuvor hatte sie dort bereits ehrenamtlich ausgeholfen.

„Ich habe hier mit Tieren zu tun, die ich früher nie gekannt hatte“, erzählt die 25-Jährige. Sie kümmert sich um Geckos, Bartagamen, Kornnattern und Stinktiere, als wären es ganz normale Haustiere. Kaum tritt sie durch die Eingangstür, tönt ein durchdringender Schrei aus der Papageienvoliere: Der Kakadu krächzt ihr ein lautes Willkommen entgegen. Nicht mit allen Tieren in der Exotenstation konnte sich die junge Frau so schnell anfreunden. „Gegenüber Schlangen und Spinnen musste ich schon eine Hemmung überwinden“, gibt sie zu.

Die Stinktiermutter und ihre Kinder ziehen in ein neues, größeres Gehege um. Die BFDlerin hat im Raiffeisenmarkt vier große Säcke Einstreu besorgt. Jetzt kippt sie das aus Stroh gepresste Granulat in den neuen Lebensraum der Stinktierfamilie. Die neugierigen Tiere sind in wenigen Sekunden zur Stelle. Sie beschnuppern die Brocken und beginnen mit ihnen zu spielen. „Stinktiere können beißen!“, steht auf einem Warnschild am Gehege. Doch als Denise Böhm auf Bitte des Fotografen mit einer Handvoll Karotten ins Gehege steigt, machen sich die Tiere nur über die Karotten und nicht über ihre Finger her. Die schwarz-weißen Allesfresser kennen ihre Pflegerin und wissen, dass sie nicht auf dem Speiseplan steht.

Der Bundesfreiwilligendienst ist für Denise Böhm ein Sprungbrett zur beruflichen Neuorientierung. Die gelernte Restaurantfachfrau möchte Biologielaborantin werden, hatte bisher aber mit ihren Bewerbungen wenig Erfolg. An Zielstrebigkeit und Einsatzfreude fehlt es ihr nicht: Neben ihrem Freiwilligendienst ist sie im Abendgymnasium auf dem Weg zum Abitur, am Wochenende jobbt sie als Kellnerin.

Zuschuss von der Stadt

„Es ist eine Super-Zusammenarbeit“, lobt Petra Simon, die „Chefin“ der Tierauffangstation. Am liebsten würde sie ihre „Bufdi“ sofort als feste Mitarbeiterin einstellen. Doch die finanzielle Ausstattung erlaubt keine großen Sprünge. Tierschutz bedeutet in erster Linie ehrenamtliche, also unbezahlte Arbeit. Im Klartext: Die Kosten für Futter, Medikamente, Heizung und Strom erwirtschaftet Petra Simon durch ihre Vortragstätigkeit zum Thema Tierschutz.

Der städtische Zuschuss von 6 000 Euro im Jahr deckt gerade mal einen Teil der Miete. Dafür nimmt die Auffangstation verletzte und elternlose Tiere auf und päppelt sie auf. Wildtiere werden wieder in die Natur zurückgeführt („ausgewildert“), sobald sie stark genug sind. Schwieriger ist das mit Exoten, die von überforderten Tierhalter abgegeben oder einfach ausgesetzt werden. Sie werden oft über Jahre durchgefüttert, manche bis an ihr Lebensende.

Allein in diesem Jahr hat Petra Simon rund 150 Wildtieren ein Zuhause auf Zeit gegeben. Darunter waren Füchse, Marder und Eichhörnchen, ein Dachs, neun Waschbären, mehrere junge Turmfalken und eine kleine Schleiereule. Die noch besetzten Freigehege und Volieren leeren sich allmählich: „Im Juli sind schon viele Tiere ausgewildert.“ In 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit hat sich die engagierte Tierschützerin ein Netz an Gleichgesinnten aufgebaut. Das erlaubt eine fachliche Spezialisierung. Während sich Petra Simon auf Wildtiere, Raubvögel und Exoten konzentriert, kümmert sich Irmgard Rebhan in Weiskirchen um verletzte und verlassene Singvögel. Auch sie hat seit Januar schon etwa 150 Tiere versorgt.

Das klingt nicht nur nach viel Arbeit – das ist es auch. Einem tierliebenden Menschen wird es als „Bufdi“ bestimmt nicht langweilig. Ein Beispiel: „Die Leute sagen nur: Ach was für ein süßes Reh“, sagt Petra Simon. „Sie wissen aber nicht, dass ein Rehkitz in den ersten vier Monaten jede Stunde sein Fläschchen braucht, Tag und Nacht.“ Auch junge Füchse seien schön anzuschauen: „Aber schon beim Einatmen kann man sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren.“

Quelle: op-online.de

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