Bunte Figuren auf Wellblech

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Kulturpreisträger Gerd Steinle verschönert derzeit die Metallfassade an der Rußfabrik. Gerd Steinle bei der Arbeit vor dem Riesenbild an der Alfred-Delp-Straße. 

Hainhausen - Plaudernde Paare, Musiker, Menschen am Fenster, ein Baby im Kinderwagen, ein Auto und ein Motorrad: Diese Figuren und manches Vehikel tummeln sich auf der etwa 92 Meter langen Metallverkleidung der Rußfabrik an der Alfred-Delp-Straße. Von Simone Weil 

In der dritten Woche ist Gerd Steinle mit Unterstützung von Matthias Meisser dort zugange und sprüht seine „Skurrilen Typen“ auf die ehemals langweilig wirkende dunkelgrüne Wellblechwand. Er darf das. Denn der Rodgauer Künstler hat den Zuschlag fürs Projekt „Kunst vor Ort“ bekommen, das die Sparkasse Langen-Seligenstadt mit 15.300 Euro fördert. Art, Stil und Material sind Sache der Künstler. Bedingung: Die Arbeit muss wetterbeständig sein.

Weil vor der Metallwand ein Fuß- und Radweg entlangführt, gibt es allerlei Bemerkungen von den Passanten, die vorbeikommen. In der Regel sind die Betrachter des Werks jetzt schon begeistert. Nur einige wenige haben was zu mosern: „Gebt denen doch mal was zu essen, die sind ein bisschen dünn geraten“, kommentiert ein älterer Mann auf dem Fahrrad die gerade entstandenen Figuren.

Auch auf der Straße löst das überdimensionale Kunstwerk reges Interesse aus: „Viele Autofahrer knipsen das Bild mit dem Handy“, erzählt Matthias Meissner. Dabei hätten allerdings auch schon einige Male die Reifen gequietscht.

Gespräche zwischen Passanten und Künstler

Die Begegnung und das Gespräch zwischen Künstler und Passanten ist durchaus gewünscht, denn die Bürger sollen ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen können: Das lässt sich bei Kunst im öffentlichen Raum, noch dazu an einer so stark befahrenen Durchgangsstraße und einem gern genutzten Radweg, auch gar nicht vermeiden.

Mit Kreide werden die Figuren auf dem gewellten Metalluntergrund vorgezeichnet. Die Personen sehen zum Teil wirklich schrill aus, haben auch mal blaue Lippen oder ein Hiphop-Bärtchen. Es ist eine entspannte Szene. Menschen unterhalten sich, feiern, lauschen der Musik. „Das könnte auch hier sein“, meint Steinle. Auch sein neunjähriger Sohn Leon hat sich bereits auf dem Wandbild verewigt: Er hat einen kleinen Vierbeiner gesprüht und im Halsband seinen Namen hinterlassen.

Zweites Projekt der Aktion „Kunst vor Ort“

Zunächst hatte übrigens der gelbe Strich, der für den Sockel aufgetragen worden war, für üble Befürchtungen bei der Bevölkerung gesorgt. Weil es noch gar nicht so lange her ist, dass die Fassade der Hainhäuser Rußfabrik aufgehübscht worden war, glaubten einige Beobachter, die Wellblechwand, die das alte Mauerwerk verbirgt, sei einfach nur beschmiert und verunstaltet worden.

Doch es war ganz anders: „Die Grundierung musste dreimal gestrichen werden, damit die Farbe auf dem dunkelgrünen Untergrund auch deckt“, erklärt der gebürtige Offenbacher und Wahl-Rodgauer, der im Jahr 2007 mit dem Kulturpreis der Stadt Rodgau geehrt worden war.

Das großformatige Gemälde an der Fabrikfassade ist das zweite Projekt der Aktion „Kunst vor Ort“ in Rodgau. Bei der ersten Aktion wurde eine Holzskulptur im Jügesheimer Rodau-Park erstellt. Die Auswahl unter den Bewerbern trifft eine Jury, der Vertreter des Kreises, der Sparkasse, der Stadt Rodgau und der Chemischen Werke Brockhues angehören.

Quelle: op-online.de

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