Burg-Apotheke kapituliert vor Bürokratie und hohen Kosten

Erster Stadtteil ohne Apotheke

+
Apotheken-Ausverkauf in Hainhausen: Jetzt gibt es im Stadtteil keine Apotheke mehr.

Hainhausen - Das Apothekensterben ist in Rodgau angekommen. Hainhausen ist der erste Stadtteil, in dem es keine Apotheke mehr gibt. „Wir geben auf“, verkündet ein handgeschriebenes Plakat im Schaufenster.

Ein weiteres Plakat macht unter anderem die Gesundheitsreform und hohe bürokratische Auflagen für das Aus verantwortlich. Als dritten Grund nennt das Plakat steigende Kosten für Energie, EDV und Betriebsmittel.

Vor allem für ältere Menschen ist es nun schwieriger, sich mit Arzneimitteln zu versorgen. „Jetzt sind wir gewissermaßen Notstandsgebiet“, sagt Hubert Fecher (88). Er hatte im August durch Zufall davon erfahren, dass die Burg-Apotheke zum Monatsende schließen sollte.

Herber Verlust für die Infrastruktur

Patienten des einzigen Arztes am Ort, Dr. Walter Hildebrand, müssen nun in einen anderen Stadtteil fahren, um Rezepte einzulösen. Anderswo findet man oft eine Apotheke in der Nähe der Arztpraxis; falls ein Medikament nicht vorrätig ist, kann man einen Lieferservice nutzen.

Einen „herben Verlust für die Infrastruktur“ sieht auch der Grünen- Stadtverordnete Winno Sahm aus Hainhausen: „Eine Apotheke gehört zur Grundausstattung eines Stadtteils.“

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt der Arzt

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Der langjährige Ortsvorsteher Ewald Simon verweist auf die Konkurrenz durch Versandapotheken im Internet: „Ich hab’ den Leuten gesagt, um die Apotheke zu erhalten, müsst ihr in Hainhausen kaufen.“

Beim Versuch, Apothekerin Elisabeth Mattern ans Telefon zu bekommen, hatte unsere Redaktion kein Glück. Ihr privater Anrufbeantworter verweist auf die Burg-Apotheke - aber dort meldet sich auch nur die elektronische Sprachbox.

(eh)

Quelle: op-online.de

Kommentare