Eine feste Burg des Glaubens

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Eine Mädchengruppe aus Klein-Auheim beim Kartoffelnschälen. Die Aufnahme entstand in den 50er Jahren in der Küche der Jugendherberge.

Rodgau - Die Zeit nach der Jahreswende dient traditionell der Inventur - nicht nur in Geschäften. Auch der 1923 als Träger der Jugendarbeit auf Burg Breuberg gegründete Kreis der Breubergfreunde durchforstet derzeit sein Archiv. Von Bernhard Pelka

Schriftführerin Christina Major aus Jügesheim sichtet Hunderte Akten. Dabei fallen ihr alte Dokumente in die Hände. Sie belegen: Rodgau, die Stadt Offenbach und der Landkreis sind Keimzellen der katholischen Jugendbewegung und der christlichen Bildungsarbeit.

Die Burg Breuberg im Odenwald mit ihrer langen Geschichte gehört zu den größten Burgen im süddeutschen Raum. Sie war Vogteiburg, Residenz gräflicher und fürstlicher Familien, aber auch Landratsamt, Lager für Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg und sogar Sitz einer Spielzeugfabrik.

Es erschließt sich der heutigen Generation nicht mehr, wie emotional die Bindung an die gewaltige Versammlungsstätte im Odenwald war. Diese Herzenssache erklärt sich nur aus der Wucht der intellektuellen Erneuerungsbewegung nach dem 1. Weltkrieg und aus dem sehnsüchtigen Streben nach Gemeinschaft und Glaube. Diese Bewegung beförderte der Kreis der Breubergfreunde mit seiner Bildungsarbeit in Jugendherberge und Jugendheim auf der Burg über Jahrzehnte hinweg. In diesem fruchtbaren Milieu christlicher Begegnung wirkten charismatische Jugendpfarrer wie der legendäre Albert („Abeé“) Münch, der in St. Paul (Offenbach) Kaplan war. Zusammen mit Kaplan Wilhelm May („Bischi“) aus Offenbach und Kaplan Franz Krug aus Schweinheim bildete er ein Dreigestirn, das sich der Jugend auf Burg Breuberg väterlich widmete. „Abeé Münch genoss so etwas wie einen Heiligenstatus“, beschreibt Christina Major die Verehrung und Ehrfurcht, die dem Geistlichen begegneten. Er war ein begeisternder Prediger und standhafter Katholik unter dem Druck der Nazi-Herrschaft. Mehrfach verhaftet - wie viele andere Pfarrer auch - schaffte ihn zum Schutz ein früherer Schulfreund mit Einfluss schließlich nach Italien.

Im Krieg beschlagnahmten die Nazis die Burg

Im Krieg beschlagnahmten die Nazis die Burg. Verbunden war dies mit der Schändung des kirchlichen Inventars. Überdies verheizten einkasernierte Zwangsarbeiter im Winter 1942 alles Brennbare. Und in der Burgkapelle wurde gekocht. Nach dem Krieg erhielt der Kreis der Breubergfreunde erneut einen Pachtvertrag und setzte die Jugendherberge von 1950 bis 1953 mit viel Eigenarbeit wieder instand. Zuvor hatte sich die segensreiche Gemeinschaft zum 1. Juli 1949 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Offenbach eintragen lassen. Erster Vorsitzender war Wilhelm May, zweiter Vorsitzender Ludwig Walter aus Offenbach-Bieber.

Allein von 1950 bis 1980 zählte die Jugendherberge 600.000 Übernachtungen. Heute sind es 30.000 im Jahr.

Nicht mehr unter der Regie des Vereins

Dies geschieht zwar nicht mehr unter der Regie des Vereins - aber er hat den Impuls dafür gesetzt. Seit 1983 leitet das Deutsche Jugendherbergswerk die Jugendherberge. Die Freie Musikschule Rodgau ist in den alten Mauern regelmäßig zu Gast. Und natürlich viele Schulklassen und Kindergruppen aus den örtlichen Pfarrgemeinden, die sich auf die Erstkommunion vorbereiten.

Nach Ablauf des Mietvertrags mit dem Land Hessen 1981 setzte sich der Vorstand, besonders Pfarrer Joseph Klein aus Offenbach-Bieber, für die Gründung der Breuberg-Stiftung ein. Verein und Stiftung haben ihren Mittelpunkt seither im Pfarrzentrum Neustadt in eigenen Räumen und unterstützen die christliche Bildungsarbeit mit etwa 20.000 Euro im Jahr. Kontakt: Telefonnummer 06106 4740.

Quelle: op-online.de

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