Chancen am Rand der Autobahn

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Weite Flächen des Gewerbegebiets Weiskirchen-Ost sind noch unbebaut. Das größte Einzelgrundstück wird mit 27.000 Quadratmetern angeboten. Trotz Autobahnnähe könnte die Verkehrsanbindung besser sein.

Weiskirchen (eh) - Neue Chancen für das Gewerbegebiet Weiskirchen-Ost erhofft sich die Stadt Rodgau von einem Pilotprojekt des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main.

Im Dialog mit Unternehmern und Grundeigentümern soll ein Planungsbüro ein Konzept für die Neuausrichtung des Gewerbegebiets erarbeiten. Die Kosten trägt der Regionalverband.

Näher an der Autobahn geht es nicht: Die A3 liegt nur 40 Meter Luftlinie von den beiden nördlichsten Gebäuden an der Boschstraße entfernt. Eigentlich sei das Gebiet ja eine Top-Lage, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) gestern vor der Presse, „aber auf der letzten Meile ist die Situation ziemlich verworren“. Mehrere Unternehmen hätten in den letzten Jahren Interesse an einer Ansiedlung gezeigt, „aber als sie versucht haben, dort hineinzufahren, haben sie sehr schnell davon Abstand genommen.“

Eine Haarnadelkurve ist zu bewältigen

Zu eng für große Laster: Die Spitzkehre von der Brücke Daimlerstraße in die Boschstraße.

Eine Haarnadelkurve ist zu bewältigen, wenn man von der Brücke Daimlerstraße in die Boschstraße fährt. Bei Atlas Rhein-Main müssen die Fahrer der Tieflader kräftig kurbeln, um weder Zaun noch Leitplanke einzureißen. Innerhalb des Gewerbegebiets sehen die Straßen nicht besser aus: Sie sind zu schmal, die Kurvenradien zu eng, der Parkraum für Laster und Autos ist knapp. Schwächen der Infrastruktur zeigen sich auch bei der Internetanbindung. Die Datenleitungen sind auf dem Stand von vor zehn Jahren.

Dennoch gibt es etliche Unternehmen, „die sich hier wohlfühlen“, wie Bürgermeister Hoffmann sagt. Auch der städtische Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze will den Standort nicht schlechtreden: „In den letzten Jahren gab es durchaus Investitionen, durch die das Gebiet gewonnen hat.“ Für Schanze kommt es darauf an, genau die Nutzer zu finden, die zur vorhandenen Struktur passen. Er denke dabei unter anderem an Produktionsbetriebe und Handwerker. Eine Patentlösung für das ganze Gebiet werde es nicht geben: „Wir kriegen keinen Masterplan, aber wir haben die Chance, eine Entwicklungsperspektive zu bekommen.“

Auch Jutta Lusert vom städtischen Fachdienst Stadtplanung sieht darin eine Chance: „Ich finde es sehr spannend, wenn ein Berufskollege sich das anschaut, der die ganzen Interna nicht kennt.“ Das Ziel sei nicht, den Eigentümern und Unternehmern einen neuen Bebauungsplan überzustülpen, sondern ihre Bedürfnisse einzubeziehen.

„Möglichkeiten finden, wie wir vielleicht noch gar nicht sehen“

Diesen Weg des Dialogs gehe Rodgau zum ersten Mal, betont Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Dabei könne man „Möglichkeiten finden, wie wir vielleicht noch gar nicht sehen“. Für Ende Mai sei ein Gespräch mit allen Betroffenen geplant.

Gegen „Prachtbauten, die keiner bezahlen kann“, spricht sich Gewerbevereinsvorsitzender Michael Hügel aus. Gerade Kleingewerbetreibende hätten in jüngster Zeit in Weiskirchen-Ost ihre Nische gefunden.

Für das „Pilotprojekt Innenentwicklung Gewerbe“ hat der Regionalverband drei Gewerbegebiete ausgewählt. Die beiden anderen Pilotstandorte sind in Groß-Gerau und Kronberg. Das beauftragte Planungsbüro Günter Baasner (Berlin) verfügt über langjährige Erfahrungen der Gewerbeentwicklung.

Quelle: op-online.de

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