Kreis gibt Fehler zu

Chaos bei Ankunft der Flüchtlinge

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Runder Tisch im Rathaus: Wo sonst Kooperation und Opposition um den besten Weg für Rodgau streiten, herrschte ausnahmsweise Einigkeit, als sich Anfang März das Flüchtlingsnetzwerk gründete.

Rodgau - Viel Improvisation war bei der Ankunft der Flüchtlinge am Aschermittwoch in Rodgau gefragt. Erster Stadtrat Michael Schüßler kritisiert unzulängliche Informationen und fehlende Begleitung der Menschen durch den Kreis Offenbach.

Sein Fazit: „Es kam genau so, wie wir es nicht wollten.“ Nur durch Zufall liefen die ersten drei Neuankömmlinge gleich dem Sozialdezernenten in die Arme. Schüßler hatte gerade ein Brötchen gekauft, als ein Taxi mit drei dunkelhäutigen Passagieren vorfuhr. Die drei holten ihre Tüten aus dem Kofferraum und fragten Schüßler, ob hier das Rathaus sei. Obwohl die Männer aus einer Gemeinschaftsunterkunft in der Nähe kamen, kannte niemand ihre Ankunftszeit. Ähnlich chaotisch ging es weiter, wie der Erste Stadtrat berichtet: „Der Letzte kam nachmittags um halb fünf aus Offenbach. Für ihn gab es offenbar keine Fahrgelegenheit.“

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Aus dem Kreishaus habe die Stadt nur dürftige Informationen erhalten, kritisiert der Sozialdezernent. In der Zuweisung stünden nur vier Daten pro Person: Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Herkunftsland. Diese Angaben seien absolut unzureichend. Ein Beispiel: „Wir sind mit einer Frau konfrontiert worden, die uns in Kenntnis gesetzt hat, dass sie schwanger ist. Da haben wir eine erhöhte Fürsorgepflicht.“

Andere Flüchtlinge hätten erklärt, in ihrem Kulturkreis sei es nicht üblich, dass Frauen dieselben Toiletten benutzten wie Männer. Zu einem würdevollen Umgang mit den Menschen gehöre es auch, wichtige Informationen an die aufnehmende Stadt zu übermitteln. Nur dann könne diese die Wohnungen entsprechend ausstatten, so Schüßler: „Wenn ich diese Informationen nicht habe, dann geht die Übergabe natürlich schief.“ Für die Betroffenen sei es eine sensible Angelegenheit, aus der Gemeinschaftsunterkunft an einen Ort umzuziehen, an dem sie niemanden kennen. Dabei seien sie auf eine gute Betreuung angewiesen, die Ehrenamtliche allein nicht leisten könnten.

„Natürlich ist nicht alles ganz reibungslos gelaufen“, gibt Kreis-Pressesprecherin Ursula Luh zu. In den nächsten Monaten werde sich die Verteilung der Flüchtlinge sicher einspielen. Luh: „Wir werden in Zukunft versuchen, auch Besonderheiten wie Erkrankungen oder die familiäre Situation mitzuteilen. Das war ja erst die erste Runde. Wir werden daraus lernen.“ Die Betreuung durch Sozialarbeiter laufe ohne Unterbrechung weiter. Acht der 16 Flüchtlinge, die am Mittwoch in Rodgau ankamen, sind nach Kenntnis der Stadt schon wieder weg. Wo sie sich aufhalten, weiß der Erste Stadtrat nicht: „Ich kann ja nicht nach ihnen fahnden lassen.“

(eh)

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Quelle: op-online.de

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