Methoden der Stressbewältigung

Kinder chillen gegen den Schulstress

+
Philipp, Sven, Marina und Luisa (von vorne nach hinten) beginnen mit der Entspannungsübung.

Hainhausen (ma) - Stress, lass nach! Diesen Stoßseufzer hört man schon längst nicht mehr nur von überarbeiteten Managern. Auch Schulkinder sind immer häufiger von Stress geplagt, Eltern klagen über die Folgen hoher Belastung.

Um dem entgegen zu wirken, bietet die Geschwister-Scholl-Schule (GSS) in Hainhausen seit September erstmals die Arbeitsgemeinschaft „Chill doch mal“ für Fünftklässler des Realschul- und Gymnasialzweigs an.

Mit ihrem gleichnamigen Programm für Kinder von zehn bis zwölf Jahren vermittelt Gesundheitsmanagerin Petra Gruschka den teilnehmenden Schülern in zehn Doppelstunden kindgerecht Methoden zur Stressbewältigung. Wie der stellvertretende Schulleiter Matthias Demeter erklärt, wollte die Schule schon länger in dieser Richtung aktiv werden. Gerade bei den Jüngsten zeigten sich Stresssymptome deutlich, so Demeter. Es sei aber schwierig, bezahlbare Fachleute für ein solches Projekt zu gewinnen.

Entspannung in der Schule

Entspannen und abschalten: Unter dem Motto "Chill doch mal" lernen Schüler in der Geschwister-Scholl-Schule in Rodgau in einer AG wie sie ihren Stress bewältigen.

Zum Video

„Beim Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule stehen die Kinder vor großen Herausforderungen. Schulwechsel, neue Mitschüler, höhere Anforderungen, mehr Unterricht und mehr Lehrer. Das belastet die Fünftklässler sehr“, bestätigt auch Torsten Schäfer. Er ist in der GSS für die Nachmittagsbetreuung zuständig und koordiniert die Arbeitsgemeinschaften. Als Petra Gruschka mit ihrem Angebot auf die Schulleitung zukam, rannte sie quasi offene Türen ein. Der Kontakt zwischen Stressmanagerin und Schule war über den Seligenstädter Veranstalter „Tour Extrem“ zustande gekommen, mit dem die Gesamtschule im Bereich der Erlebnispädagogik erfolgreich zusammenarbeitet.

Die Nachfrage war so groß, dass sogar zwei Gruppen mit insgesamt 19 Schülern gebildet wurden, die nun jeweils montags und freitags in der siebten und achten Stunde lernen, dem Stress ein Schnippchen zu schlagen.

Programme nicht nur für Kinder und Jugendliche

Gruschka bietet ihre Programme nicht nur für Kinder und Jugendliche an, sondern auch für Erwachsene. „Wir haben allgemein verlernt mit Stress umzugehen, die Fähigkeiten dazu stecken aber in uns allen. Wir müssen nur wieder lernen, sie einzusetzen“, erklärt die Fachfrau für gesünderes Leben.

Und so machen es sich neun Fünftklässler, in bunte Decken gehüllt, in einem Turnraum auf Matten bequem und lassen sich von ihr auf eine gedankliche Reise durch den Körper schicken. Mit Hilfe der progressiven Muskelentspannung nach Edmund Jacobson soll die Körperwahrnehmung gestärkt und Entspannung geübt werden. „In der ersten Stunde ging das so gut wie gar nicht, die Kinder kamen kaum zur Ruhe und nach zehn Minuten war schon wieder Schluss“, berichtet Gruschka. „Inzwischen gelingt das schon deutlich besser, sie lassen sich darauf ein und spüren die Entspannung auch.“

So wie Lisa, Jenny, Luisa und Mimi empfinden es die Jungen und Mädchen als angenehm, ohne Leistungsdruck einmal locker zu lassen und in Ruhe miteinander zu reden. Auch Phantasiereisen, Atementspannung und Visualisierungsübungen sollen den Schülern dabei helfen, sich selbst besser wahrzunehmen, persönliche Stressfaktoren zu identifizieren und besser mit ihnen umzugehen. Sie übernehmen auch kleine „Zauberformeln“ („Ich schaffe das“), mit deren Hilfe sie in belastenden Situationen den Stresspegel abbauen können. Gespräche sollen das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl steigern.

„Der Druck kommt oft gar nicht von außen, sondern von innen“

„Der Druck kommt oft gar nicht von außen, sondern von innen“, erläutert die Kursleiterin. „Die Kinder sind geprägt vom Wissen um die Wichtigkeit guter Noten und setzen sich häufig selbst stark unter Druck. Die größte Herausforderung sind für sie der Umgang mit den Mitschülern oder Ärger und Streit in Schule und Familie.“ Diese Auffassung bestätigen auch die Äußerungen von Jana, Sven, Philipp, Marina, Celine und ihren Schulkollegen im Gespräch nach der Entspannungsrunde. Streit, schlechte Noten, Klassenarbeiten, Störer im Unterricht, genervte Lehrer und Hänseleien von Mitschülern stehen auf ihrer Negativliste ganz oben.

Am Ende der Arbeitsgemeinschaft sollen die Teilnehmer verinnerlicht haben, wie sie diese so genannten Stressoren kompensieren oder mithilfe von Anti-Stress-Gedanken positiv verändern können. Finanziert wird das Programm durch Mittel aus dem Fonds des Kreises für die Nachmittagsbetreuung an Schulen und einen Elternbeitrag von 15 Euro pro Kind. Matthias Demeter und Torsten Schäfer wollen den Kurs auch zum Start des nächsten Schuljahres 2013/14 für die Fünftklässler anbieten.

Quelle: op-online.de

Kommentare