Beitrag zur Völkerverständigung

Cricketspieler der SG Hainhausen sind Sportler des Jahres

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Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft kannte der Jubel unter den Hainhäuser Cricket-Assen bei der Pokalübergabe natürlich keine Grenzen.

Rodgau - Die Stadt macht Vertreter einer – zumindest in Deutschland – Randsportart zu Sportlern des Jahres: die Cricketabteilung der Sportgemeinschaft Hainhausen (SGH). Der Preis wird mit Bedacht ausgerechnet dieser Gruppe verliehen. Von Bernhard Pelka 

Denn sie integriert in ihr Sportangebot Flüchlinge und verschafft ihnen damit fern der Heimat ein bisschen Normalität. In Deutschland genießt Cricket den Charme des Exotischen. In Pakistan, Indien oder England ist Cricket hingegen National- und Volkssport. Die Starspieler sind dort so umschwärmt wie hierzulande die Fußballer der Nationalmannschaft. Und sie verdienen genauso viel Geld. Davon sind die Mitglieder der Cricketabteilung der SGH zwar weit entfernt. Aber sie gehen mit genauso viel Spaß und sportlichem Ehrgeiz an die Sache wie ihre großen Vorbilder.

Vorbildlich ist das, was die Cricketabteilung nicht nur sportlich, sondern auch in Sachen Integration leistet. Deshalb verleiht die Stadt den Sportlern um Abteilungsleiter Adil Tahir-Ahmad den Titel Sportler des Jahres. Der zu diesem Anlass am 11. März im Bürgerhaus Dudenhofen zu vergebende Pokal wird bereits die siebte Trophäe sein, die Tahir-Ahmad und seine Landleute in der erst kurzen Zeit ihres Spielbetriebs errungen haben. Erst im März 2016 gegründet, sicherte sich die Mannschaft bereits den Hessentitel in der T-20-Variante und gewann die deutsche Meisterschaft in der One-Day-Variante. Dabei setzten sich die Hainhäuser Cricket-Asse gegen 13 Mannschaften durch. Dieses Jahr müssen sie sich dann schon 18 Mannschaften stellen.

Ihr Aufstieg wäre ohne Unterstützung nicht denkbar gewesen. Zuerst ist da Erwin Kneißl zu nennen. Der Integrationsbeauftragte des Sportkreises Offenbach und frühere Vorsitzende von TGM SV Jügesheim hatte das Projekt „Integration Direkt“, das Zuwanderern die Brücke zum Sport baut, angestoßen. Seitdem gibt es in Hainhausen einen festen Cricket-Trainingstag, bei dem in Deutsch und Arabisch kommuniziert wird. Werfer und Schlagmänner stehen sich samstags im Sportzentrum in Hainhausen gegenüber.

Dass die Cricketspieler dort auf offene Arme und Ohren stießen, haben sie auch Jochen Pommer und Egon Laux vom früheren SKV zu verdanken. „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft. Wir sind sehr dankbar“, lobt Tahir-Ahmad das Engagement dieser drei Förderer. Vor 17 Jahren kam der Pakistani nach Deutschland, spielte für den inzwischen inaktiven Rodgau-Cricket-Club, in Mörfelden-Walldorf und in Hattersheim. Die Abteilung in Hainhausen bezeichnet der frühere Nationalspieler im Deutschen Cricketbund als „Zusammenschluss von Freunden“. Ein Freund war es auch, der zu Erwin Kneißl den Kontakt knüpfte. „Der frühere Kapitän des Rodgau-Cricket-Clubs wohnt in Hainhausen. Er hat uns an Erwin Kneißl vermittelt.“ Die Hainhäuser Mannschaft besteht aus 17 Aktiven. Einige kommen aus Rodgau, andere aus Obertshausen, Hanau, dem Main-Kinzig-Kreis. Sogar aus Wiesbaden, Mainz und Darmstadt stoßen Spieler zur Truppe. „Wir sind im Cricket wie der FC Bayern im Fußball. Wir holen von überall her die Besten“, scherzt Tahir-Ahmad schmunzelnd. Deshalb spielen sie nun auch für die Hessische und die Deutsche Cricket-Union ganz oben mit in ihrer Liga.

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Dass die Stadt Rodgau sie auszeichnet, empfinden der Hanauer Taxiunternehmer und seine Mannschaft als eine „große Ehre“. „Das hätten wir nie gedacht.“ Und sie begreifen dies zugleich als große Chance. „In Deutschland weiß kaum jemand, was Cricket überhaupt ist. Vielleicht können wir diesen herrlichen Sport populärer machen.“

Auf dem Weg, bekannter zu werden, ist Cricket schon jetzt. 2015 gab es in Deutschland 70 Vereine. Heute sind es mehr als 100. Vor sechs Jahren waren es 1500 Spieler, derzeit sind etwa 5000 gemeldet. Vor allem Inder und Pakistani, aber auch Flüchtlinge aus Afghanistan üben ihren geliebten Sport in der neuen Heimat aus. Trotz religiöser und politischer Konflikte bilden sie auf dem Feld eine Einheit: Sport als Beitrag zur Völkerverständigung.

Quelle: op-online.de

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