Dachschaden wird beseitigt

Jügesheim - Das undichte Dach der evangelischen Kindertagesstätte Jügesheim wird voraussichtlich im Frühsommer saniert. Kinder, Erzieherinnen und Eltern warten darauf schon lange. Von Ekkehard Wolf

„Wir erstellen jetzt ein Leistungsverzeichnis und steigen in die Sanierung der maroden Dachfläche ein“, kündigt Stadtrat Michael Schüßler an. Der Auftrag könne im Mai oder Juni erteilt werden. Er rechne mit Kosten in fünfstelliger Höhe.

Dass etwas getan werden muss, ist schon seit Jahren klar. Der letzte Winter stellte alle Beteiligten vor eine besonders große Geduldsprobe. Ein Gruppenraum und die Bewegungsbaustelle waren zeitweise nicht nutzbar, weil es hineinregnete. Vor Weihnachten musste die Kita-Leitung sogar zwei Gruppenräume schließen. Plastikwannen fingen die „Regengüsse“ auf.

Flachdächer halten nicht ewig – das ist bekannt. Aber die Dachlandschaft der Kita Berliner Straße ist etwas Besonderes. Sie besteht aus mehreren Ebenen, die zu unterschiedlichen Zeiten erbaut und saniert wurden. Das älteste Stück stammt von 1973.

Noch komplizierter wird die Lage dadurch, dass sich der evangelische Kindergarten in einem städtischen Gebäude befindet. „Dass das Dach saniert werden muss, ist unstrittig“, sagt Stadtrat Michael Schüßler, der als Hochbau- und Sozialdezernent gleich doppelt gefragt ist. Doch Abstimmungsprobleme und Diskussionen haben die notwendigen Bauarbeiten lange Zeit verzögert. Auf der einen Seite musste der Kirchenvorstand entscheiden, auf der anderen Seite der Magistrat.

Aufstockung ist der Stadt zu teuer

Parallel zur Dachsanierung war seit 2008 auch eine Aufstockung des Hauses im Gespräch, um 14 weitere Betreuungsplätze für Kleinkinder unter drei Jahren (U 3) zu schaffen. Baukosten: mindestens 750 000 Euro. Doch das ist der Stadt jetzt zu teuer: In Dudenhofen könne man mit einer vergleichbaren Summe mehr als doppelt so viel erreichen, rechnet Schüßler vor.

Noch im April 2009 hatten Stadtrat Schüßler und der damalige Jugendabteilungsleiter Johannes Bosten die Rodgauer Kirchengemeinden gebeten, in ihren Kindergärten mehr Plätze für die Kleinsten zu schaffen. Die Emmausgemeinde reichte daraufhin im Rathaus ihre Vorstellungen eines Raumprogramms ein. „Und dann blieb es einfach liegen“, sagt Pfarrer Andreas Goetze. Irritiert reagierte die Gemeinde auf die Mitteilung Anfang 2010, dass U 3-Umbauten nun an anderer Stelle geplant waren.

Trotzdem rechnete die Kirchengemeinde weiterhin mit einer Erweiterung ihres Kindergartens. Das geht aus einem vierseitigen Brief an alle Magistratsmitglieder hervor, in dem Goetze vor drei Monaten seiner Verärgerung Luft machte. Darin heißt es: „Leider wurde bis zum heutigen Tage nicht veranlasst, die schon 2008 zugesagte Prüfung durch einen Architekten durchzuführen.“ Für Stadtrat Schüßler war die Aufstockung abgehakt. Der Kirchenvorstand beauftragte einen eigenen Architekten.

Situation drohte zu eskalieren

Unterdessen tropfte das Wasser. Eine Fachfirma entfernte die Dachbegrünung und den Kies, um die Lecks zu flicken. Vier Mal stiegen die Dachdecker dem Kindergarten aufs Dach, bis es provisorisch dicht war. Solange die Frage der Aufstockung nicht endgültig geklärt war, wollte die Stadt wenig Geld ausgeben. Stadtrat Michael Schüßler im März: „Wenn ich jetzt saniere und wir kommen zu dem Schluss, dass wir doch aufstocken, dann war das alles für die Katz.“ Es gelte, mit den sehr begrenzten Haushaltsmitteln verantwortungsvoll umzugehen.

Kurz vor der Kommunalwahl drohte die Situation zu eskalieren. Der Elternbeirat des Kindergartens erinnerte an die unzumutbaren Zustände und forderte endlich eine Dachsanierung. Bis zum 24. März, drei Tage vor der Wahl, sollte sich der Magistrat dazu erklären. Die Antwort kam pünktlich, fiel aber nur unverbindlich aus. Der Grund: Der Architekt der Kirchengemeinde hatte erst nach der Wahl einen Termin für Pfarrer Andreas Goetze frei. Davon wussten aber die Eltern nichts. Goetze sagt gegenüber unserer Zeitung, der Kirchenvorstand habe den Elternbeirat bewusst nicht in alle Phasen der Gespräche eingebunden, um keine unnötige Unruhe auszulösen.

Beide Seiten, Pfarrer wie Stadtrat, berichten von einer schwierigen Verständigung. Auch die personellen und politischen Verflechtungen waren unübersichtlich. Kein Wunder: Viele Kommunalpolitiker engagieren sich auch in anderen Ehrenämtern. Sozialdezernent Michael Schüßler, gleichzeitig Vorsitzender der FDP Rodgau, sitzt im Magistrat an einem Tisch mit der ehrenamtlichen Stadträtin Gisela Schmalenbach (SPD), die zwar ebenfalls von der Vierer-Kooperation getragen wird, aber auch den Gemeindeaufbauverein der Emmausgemeinde repräsentiert. Elke Tomala-Brümmer hat sogar drei Karten im Spiel: Die ehrenamtliche CDU-Stadträtin ist Vorsitzende der evangelischen Dekanatssynode und beim Kreis Offenbach als „Aufsichtsbehörde“ für Kindertagesstätten zuständig.

Quelle: op-online.de

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