„Datterich“ gefiel Zuschauern auch beim zweiten Mal

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Mit seiner Prahlerei weiß der Datterich (Hans Bär, rechts) den Drehergesellen Schmitt (Matthias Ott) zu beeindrucken. Kellnerin Lisette (Bettina Hartmann) blickt skeptisch: Sie kennt ihren Pappenheimer genau.

Jügesheim - (pep) Im Wirtshaus sitzen und sich mit dreisten Reden und Gaukelei durch den Tag schnorren: Genau das ist das Leben des Datterich. Der Aufschneider, der vor seiner Trunksucht Finanzbeamter war, findet schnell wieder ein Opfer. Drehergeselle Schmidt, verliebt in die Tochter seines Lehrherrn, fällt sofort auf Datterichs Geprahle herein.

Die Theatergruppe Großes Welttheater nahm das Publikum in der Aula der Georg-Büchner-Schule mit in das biedermeierliche Darmstadt. Für die Mundartkomödie von Ernst Elias Niebergall standen 20 Akteure auf der Bühne. Sie spielten das Stück in originaler Länge von rund drei Stunden. Vor der Aufführung konnten die Gäste sich im eigens eingerichteten Biergarten einstimmen.

Geboren wurde Ernst Elias Niebergall 1815 in Darmstadt. Er wurde nicht alt, sondern starb bereits im Jahr 1843. Nach dem Gymnasium in Darmstadt studierte der Sohn eines Musikers Theologie in Gießen. Nie ber gall ließ sich für sein Theaterstück durch die Wirklichkeit inspirieren. Den Spitznamen Datterich entlieh er von dem im Juli 1839 wegen Trunkenheit entlassenen Darmstädter Kanzleigehilfen Friedrich Hauser. Erst am 2. August 1862, also lange nach Niebergalls Tod, erlebte der „Datterich“ seine Uraufführung in Bessungen.

Das Große Welttheater steht seit über zwölf Jahren für anspruchsvolles Amateurtheater in Nieder-Roden. In den letzten Jahren wurden neben dem „Datterich“ auch Carl Zuckmayers „Schinderhannes“ und Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ aufgeführt.

Zuspruch der Besucher nicht so groß wie erwartet

Begonnen hatte die Gruppe 1996 mit der Interpretation von Calderón de la Barcas „Großem Welttheater“. Finanzielle Überschüsse investiert der Verein in gemeinnützige Projekte. Nachdem die Gruppe im vergangenen Jahr in Nieder-Roden gespielt hatte, startete sie diesmal eine kleine Theatertournee unter dem Titel „Eher wie net“ mit dem „Datterich“. Stationen waren die Kelterscheune in Urberach und eine Freilichtaufführung in Riedstadt-Goddelau.

Für nächstes Jahr plant die Theatergruppe ein Jugendstück. Welches, ist noch nicht festgelegt. Es soll um den 3. Oktober herum aufgeführt werden.

In Rodgau war der Zuspruch an Besuchern nicht so groß wie erwartet, bedauert Frank Bichtemann, der Vorsitzende der Theatergruppe. Im Vorverkauf für den Freitag waren nur 40 Karten abgesetzt worden. Bei bis zu 270 Plätzen hoffte man zumindest auf etwa 150 Zuschauer. Die Ursache für den schwachen Besuch sieht Bichtemann zum Einen in dem ungewohnt frühen Termin der Aufführung vor den Sommerferien, zum Anderen aber auch darin, dass das Stück bereits letztes Jahr in Nieder-Roden mehrfach aufgeführt wurde. „Das ist besonders schade für die Schauspieler“, erklärte der Vorsitzende: „Es macht einfach weniger Spaß, vor nur einer Hand voll Zuschauern zu spielen.

Das Stück ist bei den Rollen und Figuren wieder sehr männerlastig. Das sei schade, meint Bichtemann, gebe es doch genug Frauen im Verein, die gerne auf der Bühne stehen würden.

Quelle: op-online.de

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