Dealer-Duo vor Gericht

Rodgau/Darmstadt (eh) ‐ Als Drogenhändler müssen sich zwei Männer aus Jügesheim und Nieder-Roden (25 und 26 Jahre alt) seit gestern vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Am ersten Verhandlungstag räumten sie sechs Drogengeschäfte ein.

Sie hatten einen Umfang von etwa fünf Kilogramm Haschisch, einigen hundert Ecstasy-Tabletten sowie kleine Mengen Amphetamin und Kokain. Die Straftaten liegen vier Jahre zurück.

Der Hanauer Hauptbahnhof diente als Umschlagplatz. Von Oktober 2005 bis Februar 2006, so die Anklage, sollen dort Rauschgift und Geld im Turnus von zwei bis drei Wochen die Besitzer gewechselt haben. Aufgeflogen war das Rodgauer Duo, als die Abnehmer geschnappt wurden und bei der Polizei aussagten. Die Kunden verbüßen derzeit ihre Freiheitsstrafen; sie treten im Prozess als Zeugen auf.

In der Verhandlung vor der ersten Strafkammer legten die Angeklagten ein Geständnis ab und nannten den Namen ihres Lieferanten - eines Marokkaners aus Dietzenbach, der bereits wegen Drogendelikten verurteilt sei.

Allerdings gaben die beiden Rodgauer nicht alle elf Taten zu, die ihnen die Staatsanwaltschaft zur Last legt. Bei manchen Treffen hätten sie lediglich Geld erhalten. An einem weiteren Termin seien sie in Skiurlaub gewesen.

„Mehr als ein Kilo war es nie“

Die beiden jungen Männer waren nach eigenen Angaben durch ihren damaligen Freundeskreis an Haschisch und Marihuana geraten. „Wir haben ein bisschen Gras geraucht, nicht mehr und nicht weniger“, sagte der Jüngere aus. Sein Konsum habe sich innerhalb eines Dreivierteljahres auf einen Joint am Tag gesteigert. Nach der Entdeckung durch die Polizei habe er schlagartig mit dem Kiffen aufgehört.

Immerhin kannte der heute 25-Jährige eine Bezugsquelle - auch für größere Mengen. Als sein Freund im Oktober 2005 als Bundeswehr-Rekrut einen Abnehmer kennen lernte, wurde der erste Deal eingefädelt. Laut Anklageschrift sollen zunächst 500 Gramm Haschisch am Hauptbahnhof den Besitzer gewechselt haben, ein paar Wochen später ein ganzes Kilogramm. „Mehr als ein Kilo war es nie“, betonte das Dealer-Duo.

Der Käufer habe ständig an der Qualität des Stoffs herumgemäkelt und härtere Drogen gefordert, sagten die Angeklagten aus. Einmal habe der Mann 300 Gramm Haschisch mit der Bemerkung zurückgebracht, derart schlechter Stoff sei unverkäuflich. Zudem habe er nur lückenhaft bezahlt.

Wenn man kiloweise mit Haschisch handelt, ist das ein großes Risiko“, gab der Vorsitzende Richter Marc Lüders zu bedenken, „das muss sich schon lohnen.“ Der Beschaffer der Ware bezifferte die Gewinnmarge auf bescheidene 70 Cent je Gramm. Es sei mit 21 Jahren schwer genug gewesen, 2 300 Euro für ein Kilo Haschisch vorzufinanzieren: Der Lieferant verlangte offenbar Bargeld, der Abnehmer bekam den Stoff in Kommission. „Wir haben im Endeffekt nichts davon gehabt“, sagte der 25-Jährige zurückblickend. Das konnte der Vorsitzende Richter nur bestätigen: „Nein, das hat sich wirklich nicht gelohnt.“

Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

Quelle: op-online.de

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