Debatte um Sandabbau

+
Für die Firmenchefs Martin (links) und Peter Weiß (rechts) dreht sich alles um Kies. Sie hoffen, dass ihre Erweiterungspläne, die zur Sicherung des Betriebs notwendig sind, nicht wie Sand zwischen den Fingern zerrinnen.

Nieder-Roden - (bp) Zu gegensätzlichen Empfehlungen kamen die Ortsbeiräte Dudenhofen und Nieder-Roden nach einer Ortsbesichtigung im Kieswerk. Bei vier Enthaltungen der CDU stimmte der Ortsbeirat Dudenhofen mit den SPD-Stimmen für einen Antrag der Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern.

Die Nieder-Röder Beiräte votierten mit sechs Stimmen (CDU) gegen vier (SPD und Grüne) gegen diesen Antrag. Er formuliert gegen die weitere Auskiesung am Badesee „grundsätzliche Bedenken“ und will den künftigen Abbau nur in einem weit geringeren Maß gestatten, als die Firmeninhaber der Kaspar Weiss GmbH & Co. KG dies wünschen. Ausgenommen sein soll insbesondere der Wald am Heusenstammer Weg.

Die Exkursionsteilnehmer studierten während des Rundgangs gleich mehrere Pläne.

Das Unternehmen möchte den Abbau von Quarzsand und -kies um 23,69 Hektar ausdehnen. Damit würde sich die Seefläche in den nächsten 40 Jahren fast verdoppeln. Der Magistrat schlägt hingegen vor, die Erweiterung des Tagebaus auf zwei kleine Teilstücke nahe der Kreisquerverbindung zu beschränken. Die Entscheidung darüber, wie groß die Bevorratungsfläche ausfallen wird, fällt im Regierungspräsidium Darmstadt. Was genau in der Stellungnahme der Stadt Rodgau stehen soll, entscheidet der Haupt- und Finanzausschuss morgen in einer Sondersitzung um 19.30 Uhr im Rathaus.

Der Nieder-Röder Ortsvorsteher Steffen Hartmann sagte, der Kooperationsantrag schränke die Firma Weiss zu sehr ein. „Dann lohnt sich der Abbau nicht mehr.“ Auch die in dem Antrag geforderte Verlagerung der Sandaufbereitungsanlage sei praxisfern. Den Politikern stehe es nicht zu, zu sehr in „Betriebsabläufe“ einzugreifen. Hartmanns Dudenhöfer Kollege Karl-Heinz Kühnle argumentierte hingegen, der umstrittene Antrag enthalte „in Teilen keine schlechten Dinge“. Nur bestehe noch Klärungsbedarf. Deshalb habe sich die CDU bei der Abstimmung enthalten.

Die Firmeninhaber nachmen sich gut zwei Stunden Zeit

Während der Ortsbesichtigung hatten die Firmenchefs Martin und Peter Weiß an zehn Jahre alte Zusagen der Stadt bezüglich einer möglichen Erweiterung erinnert. Auch stellten sie klar, dass alles andere als das von ihnen gewünschte Ausmaß an Erweiterungsfläche unwirtschaftlich sei. Sollten die Abbauflächen beschränkt und außerdem die Aufbereitungsanlage in diese ohnehin zu kleinen Zonen verlagert werden müssen, „lohnt es nicht mehr“, sagte Peter Weiß. Es bleibe dann einfach zu wenig Auskiesungsfläche übrig.

SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Kaiser widersprach dem. Andere Teilnehmer wiesen darauf hin, dass der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis zu den Erweiterungsplänen Bedenken geäußert habe. Die Qualität des regionalen Grundwasserangebots und die Grundwasserneubildung könnten gefährdet sein. Das Regierungspräsidium muss diese Einwände noch bewerten.

Die Ortsbeiräte hatten gut zwei Stunden Zeit, um sich zum Beispiel die Aufbereitungsanlage anzusehen.

Die auskunftsfreudigen Firmeninhaber nahmen sich gut zwei Stunden Zeit für ihre Gäste. Stationen der Besichtigung waren die Aufbereitungsanlage und eine Messstation zur Berechnung der Wasserverdunstung auf der Seeoberfläche. Peter Weiß bezeichnete das Nieder-Röder Sandvorkommen als „sehr hochwertig“. Ein hoher Quarzanteil mache die abgebauten Rohstoffe sogar für die Spezialindustrie (Glas, Bauchemie) interessant. Bedient würden aber auch Bauunternehmen und Kläranlagen (Biofilter aus Sand). Das Unternehmen beschäftige 15 Mitarbeiter vor Ort. Abhängig seien von dem Betrieb aber mehr als 300 Arbeitsplätze.

Die Kunden lägen im Umkreis von 30 bis 40 Kilometer. 2008 habe die Firma einen Umsatz von etwa 1,5 Millionen Euro erreicht. Und das bei 250 000 bis 300 000 Tonnen abgebautem Material. Die bereits genehmigten Abbauflächen sicherten den Betrieb bei 500 000 Tonnen Jahresleistung noch sechs bis acht Jahre. Um aber längerfristig investieren und Kunden binden zu können, benötige man weitere Bevorratungsflächen als Sicherheit. Das Unternehmen habe diese benachbarten Äcker größtenteils bereits gekauft.

Quelle: op-online.de

Kommentare