Demonstration der Bürger

Diskussion über Verkauf einiger Spielwiesen

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Mit Plakaten machten die Bürger aus Nieder-Roden (links) und Jügesheim (rechts) vor Beginn der Stadtverordnetenversammlung auf ihre Interessen aufmerksam.

Rodgau - So viel friedlichen Bürgerprotest auf einmal gab es vor einer Sitzung des Stadtparlaments schon lange nicht mehr. Zwei Gruppen wetteiferten am Montagabend mit gegensätzlichen Zielen um die Aufmerksamkeit der Kommunalpolitiker und der Medien.

Die einen möchten den Bau eines Doppelhauses in Jügesheim verhindern, die anderen fordern ein neues, großes Wohngebiet in Nieder-Roden. Letztere verbuchten zumindest einen kleinen Erfolg.

Ist es richtig, große Flächen von Bauerwartungsland westlich von Nieder-Roden für die Zukunft als Grünland festzuschreiben? Diese Frage beschäftigt erst noch den Ortsbeirat und den Bauausschuss, bevor das Stadtparlament entscheidet. Diesen Aufschub erreichte die CDU mit einem Antrag zur Geschäftsordnung. Ihre Begründung: Es sei ein falsches Zeichen, ein so wichtiges Thema einfach durchzuwinken.

Ein Teil der großen Grünfläche zwischen der S-Bahn-Strecke und dem Forschheimer See ist das 4,8 Hektar große Gebiet N 39, für den das Stadtparlament im Herbst 2007 einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen hat.

Bebauungsplan J 26.1 in Jügesheim

Nur einen Bruchteil so groß, nämlich knapp 0,06 Hektar, ist die Fläche des künftigen Bebauungsplan J 26.1 in Jügesheim. Genauer gesagt geht es um ein einzelnes Grundstück an der Eugen-Roth-Straße mit 597 Quadratmetern. Dort soll nach dem Willen der regierenden Kooperation (SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler) ein Doppelhaus errichtet werden. Zwei Anwohnerfamilien versuchen das seit Herbst letzten Jahres zu verhindern. Bisher erfolglos: Das Bebauungsplanverfahren ist jetzt eingeleitet, der Entwurf gebilligt.

Das Projekt ist Teil eines umfassenden Spielplatzkonzepts, welches das Stadtparlament im Dezember 2011 beschlossen hat. Demnach sollen von früher 62 Spielplätzen im Stadtgebiet noch 50 bleiben. Zwölf Grundstücke will die Stadt als Bauplätze verkaufen. Einige waren zwar früher als Spielplätze vorgesehen, wurden aber nie mit Geräten ausgestattet. Dazu zählt das Grundstück an der Eugen-Roth-Straße, nur 60 Meter vom Spielplatz auf dem Gelände der Wilhelm-Busch-Schule entfernt.

Generalabrechnung mit dem Spielplatzkonzept

Diese Wiese an der Eugen-Roth-Straße war im Bebauungsplan J 26 ursprünglich als Spielplatz vorgesehen. Nun will die Stadt dort die Voraussetzungen zum Bau eines Doppelhauses schaffen. Der Spielplatz an der Wilhelm-Busch-Schule ist nur 60 Meter entfernt. Der blaue Pfeil weist auf den Zugang zum Spielplatz. Der Bolzplatz an der Schule ist allerdings vom Wohngebiet nicht zugänglich.

Die CDU-Fraktion nutzte die Gelegenheit zu einer Generalabrechnung mit dem Spielplatzkonzept. Lars Neumann sprach gar von einem „Spielplatzvernichtungskonzept“. Fraktionsvorsitzender Clemens Jäger erinnerte daran, die Union habe zahlreiche Änderungen angeregt und das Konzept einer „bespielbaren Stadt“ dagegen gesetzt. Wenn die Stadt ohne Not Freiflächen in den Wohngebieten aufgebe, so sei das der falsche Weg.

Die Wiese an der Eugen-Roth-Straße sei „die einzige Grünfläche in diesem eng bebauten Gebiet“, betonte Karlheinz Hackel von „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB). Der Spielplatz an der Schule sei an schulfreien Tagen geschlossen. Durch das geplante Doppelhaus werde die Straße mit ihrem „ständig fließenden Verkehr“ unübersichtlich. Für Kinder stelle dies eine Gefahr dar.

Heiko Stenzel (Linke) teilte die Bedenken gegen das Doppelhaus, weil es in dem dicht besiedelten Wohngebiet an Freiflächen mangele. Grundsätzlich sei das Spielplatzkonzept jedoch sinnvoll.

Angespannte Finanzsituation der Stadt

Die Enge im Wohngebiet J 26 sei von der damals regierenden CDU-Mehrheit so gewollt, rief Heino Reckließ (FDP) in Erinnerung: „Nach meinem Dafürhalten hätte man es so nicht bauen dürfen.“ Dennoch sei es in der angespannten Finanzsituation der Stadt geboten, sich von einigen nicht benötigten Grundstücken zu trennen.

Der Verkaufserlös soll nicht ganz im bodenlosen Fass des städtischen Haushaltsdefizits versinken. Die Hälfte des Geldes steckt die Stadt in eine bessere Ausstattung anderer Spielplätze – auch das steht im Spielplatzkonzept. Sogar die CDU-Fraktion hat dieser Aufteilung zugestimmt, wie sie nach einem Einwurf von Bürgermeister Jürgen Hoffmann zugab. Mit dem Verkauf des Bauplatzes Eugen-Roth-Straße 7 will die Stadt rund 245 000 Euro einnehmen.

Frühlingsbilder unserer Leser

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eh

Quelle: op-online.de

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