Dicke Luft bei Turnern

Jügesheim - Der Beschluss des TGS-Vereinsrats, die Turnabteilung in fünf Sparten aufzuteilen, stößt auf Kritik. Etliche Mitglieder sind in den letzten Wochen aus der TGS Jügesheim ausgetreten. Von Ekkehard Wolf

Jetzt kommt neuer Ärger auf die Vereinsoberen zu: 56 Mitglieder der aufgelösten Turnabteilung werfen Vorstand und Vereinsrat vor, gegen die eigene Satzung verstoßen zu haben.

Dicke Luft herrschte am Dienstag in der Bauernstube der TGS. Mehr als 50 Unzufriedene drängten sich in dem kleinen Raum. Eigentlich sollte an diesem Abend die jährliche Hauptversammlung der Turner sein, doch der neue Vereinsvorstand hatte sie via Presse abgesagt. Der Grund: Wenige Tage zuvor hatte der Vereinsrat die Abteilung aufgelöst. Der Vereinsrat ist eine Art erweiterter Vorstand, dem auch alle Abteilungsleiter angehören.

Bei seiner Wahl am 6. Mai hatte der neue TGS-Vorsitzende Ronny Voland ein neues Konzept für die Turnabteilung angekündigt. Dass bereits so rasch Fakten geschaffen wurden, stößt viele Turner vor den Kopf. Nach ihrer Ansicht wäre es fairer gewesen, die Abteilungsversammlung abzuwarten und dort zu diskutieren. Dass das nicht geschah, empfinden manche als Bevormundung. „Wir sind doch keine kleinen Kinder“, war am Dienstag zu hören.

Einen Verstoß gegen die Statuten sehen die Kritiker in der Tagesordnung des Vereinsrats. Bei der „Situation der Turnabteilung“ habe man zwar eine Diskussion, aber keine derart weit reichende Entscheidung erwartet. Außerdem sei der Antrag nicht, wie üblich, eine Woche vor der Sitzung versandt worden. Der Vorsitzende gibt diesen formellen Lapsus zu: „Auch ich mache Fehler und lerne daraus“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Die neue Struktur sei im Vereinsrat auf sehr deutliche Zustimmung gestoßen. Vor der Sitzung habe er mit den meisten Mitgliedern der Turnabteilungsleitung gesprochen, um deren Meinung zu hören.

Eine solche Veränderung führe immer zu Unruhe, so Ronny Voland. Dennoch sei sie unvermeidbar. Eine Abteilung mit rund 1000 Mitgliedern könne man ehrenamtlich kaum führen. Bereits vor seiner Wahl zum Vorsitzenden habe er erklärt, „dass die Turnabteilung für mich eine Struktur hat, die ich nicht verantworten kann. Es kann hier nicht der Schwanz mit dem Hund wedeln.“ Die neuen Sparten hätten künftig fünf Stimmen im Vereinsrat, nicht nur eine. Der Betrieb laufe weiter, für die Mitglieder ändere sich fast nichts. Ab Juli biete die TGS aber kein Spinning mehr an, „da fast die gesamte Trainingsgruppe mit ihrer Übungsleiterin ausgetreten ist.“

Wie viele Turner der TGS bisher den Rücken gekehrt haben, kann der Vorsitzende derzeit nicht sagen. Zum Kündigungstermin Ende Juni verliere die TGS üblicherweise etwas mehr als 100 Mitglieder aller Abteilungen. Diesmal seien im Mai 125 Austritte erklärt worden. „Das ist schade, aber es war auch ein anstrengendes Halbjahr für den Verein“, so Voland: „Mir tut es um jeden Lleid, der geht.“ Die Tür zur Rückkehr stehe jedem offen.

Aber manche wollen gar nicht zurückkehren. Unter Protest ausgetreten sind so bekannte Leute wie Michael Lindner, Patrick Deckert (hatte sich zwei Mal als Abteilungsleiter beworben) und Frank Eser. Eser sprach am Dienstag von einer „Hexenjagd“, die nun vorbei sei.

„Wir wollen einfach nur gemeinsam Sport machen. Wir sind es Leid, in Machtspielchen verwickelt zu sein.“ Damit sprach Michael Lindner am Dienstag vielen Anwesenden aus der Seele. Nun müsse man überlegen, wo und wie ausgeschiedene Übungsleiter eine neue Heimat finden könnten.

„Für einen neuen Verein brauchen wir sieben Leute“, sagtte eine Frau in der Runde. Die Austrittserklärung ihrer Familie hatte sie gleich dabei.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare