Peter Stein im Interview

„Die Kerb stirbt nicht“

+
Peter Stein ist mit der Kerb in Rodgau zufrieden.

Jügesheim - In einem Jahr der Fußballweltmeisterschaft und eines kurzen, aber heftigen Sommers stellt sich Schausteller Peter Stein im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Peter Petrat den Fragen zur aktuellen Situation und Entwicklung des bunten Rummels mit den Buden und Fahrgeschäften in Jügesheim.

Peter Stein ist Schausteller in dritter Generation, seit über 40 Jahren selbst in dem Gewerbe tätig und der Generalpächter für ausgewählte Standorte in der Region, unter anderem in Rodgau, Rödermark, Heusenstamm und Urberach.

Wie beliebt ist die klassische Budenkerb mit ihren Schaustellern und Fahrgeschäften noch? Was merken Sie davon als Schausteller davon?

Die Kirchweih, die früher nur aus Gaststätten und Schaustellern, später dann auch Vereinen bestand, ist noch immer sehr beliebt. Vielerorts engagieren sich viele Vereine und Gruppen, es gibt Kerbburschen und alte Bräuche und Traditionen werden gepflegt und sogar wieder neu zum Leben erweckt. Und die Buden und Fahrgeschäfte gehören da einfach mit dazu.

In den vergangenen Jahren wurde in Jügesheim versucht, die Kerb durch Vereinsaktivitäten zu beleben, leider ohne Erfolg. Gibt es doch ein Kerbsterben?

Ein Kerbsterben gab es vor einigen Jahren bei den Veranstaltungen, die nicht im Ort selbst gefeiert wurden. Inzwischen sind die Kirchweihen im Kreis Offenbach alle mitten in die Stadt gezogen, zuletzt in Heusenstamm vor drei Jahren.

Die Kerb in Jügesheim befindet sich mit ihrem Standort zwischen Kirche und Rathaus an einem ganz zentralen Platz. Allerdings können wir hier unsere Buden und Fahrgeschäfte nicht besser stellen, der Platz ist zu beengt. Für dieses Mal hatten wir sogar ein großes neues Fahrgeschäft geplant, leider fehlten am Ende zehn Zentimeter. Auch der beliebte Autoscooter oder ein anderes großes Fahrgeschäft findet leider keinen Raum. Aber dieser Standort ist immer noch besser, als die Kerb nach außerhalb zu verlegen. Dann hätte sie keine Chance. Für die Schausteller lohnt es sich, jedes Jahr nach Jügesheim zu kommen. Das heißt für mich, dass die Kerb trotz der kleinen Größe angenommen wird. Wenn es sich für die Schausteller nicht mehr rechnen würde, dann würden sie dort keinen Stellplatz mehr mieten. Von einem Kerbsterben in Jügesheim kann also aus unserer Sicht überhaupt keine Rede sein.

Es ist nur Schade, dass sich dort so wenige Vereine einbringen. Die Kerb in „Orwisch“ ist vielen ein Begriff, in Urberach haben die Vereine mit einem bunten Rahmenprogramm die Kirchweih zu einem großen Stadtfest gemacht. Für uns ist das die mit Abstand beste Kerb in der ganzen Region. Und auch Jügesheim hätte sicherlich eine Menge Potenzial, trotz beengter Platzverhältnisse.

Kerb 2014 in Hainhausen

Kerb in Hainhausen

Wie zufrieden sind Sie denn mit den Kerbveranstaltungen in ganz Rodgau?

Unterm Strich sind in Rodgau die Kirchweihen gut. In Weiskirchen sind dank der Vereine viele Menschen auf der Straße, besonders zur Kerbborschverbrennung. In Hainhausen haben wir zwar auch nicht viel Platz, dafür beleben Vereine und Kerbburschen. In Jügesheim kommen die Leute trotz wenig Platz. Bei der Kerb in Dudenhofen haben wir wegen des späten Termins oft mit dem Wetter zu kämpfen, dennoch wird sie gut angenommen, auch ohne Vereine. Nieder-Roden glänzt mit seinem Zeltfest und den aktiven Kerbburschen und Kerbmädels.

Was hat sich bei der Kerb noch verändert? Ist es für die Schausteller schwieriger geworden?

Wir als Schausteller haben mit immer mehr Dingen zu kämpfen, zum Beispiel dem Wetter. Die Besucher sind verwöhnt und mobiler als früher. Wenn es regnet fahren sie einfach eine Woche später woanders hin. Ist es besonders warm, bekommt das Schwimmbad den Vorzug. In diesem Jahr machen uns auch die Ferien zu schaffen. Diese sind deutlich später als sonst, die Leute also noch in Urlaub und nicht auf den Kerbveranstaltungen. Das wird auch nächstes Jahr wieder so sein.

Dazu kommt, dass Kinder und Jugendliche heute viel Geld für andere Dinge ausgeben, etwa Handy oder Computer. Jetzt direkt nach den Ferien kommen Wandertage und Klassenausflüge, auch da fehlen uns junge Besucher. Die WM-Spiele haben wir zwar auch gemerkt, aber das gehört dazu. Vor langer Zeit hatten Kinder früher Schulschluss und bekamen keine Hausaufgaben wenn Kerb war, heute ist das nicht mehr so. Ganz im Gegenteil, die Ganztagsschule wird uns besonders hart treffen und sicher auch sehr schwer zu schaffen machen.

Kerb 2014 in Weiskirchen

Kerb 2014 in Weiskirchen

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare