„Die Pfosten müssen wieder weg“

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Sondersitzung des Ortsbeirats wegen Ärger um einen gesperrten Weg.

Weiskirchen (eh) - Ein Streit um zwei rot-weiß-lackierte Metallpfosten stand am Mittwoch im Mittelpunkt einer Sondersitzung des Ortsbeirats Weiskirchen. Die Pfosten stehen auf dem schmalen Sträßchen zwischen Werra- und Hainhäuser Straße, so dass man nicht mehr durchfahren kann.

Auf Antrag der CDU beschloss der Ortsbeirat mit 9 : 0 Stimmen: Die Pfosten müssen weg.

Von „erheblichem Unmut“ in den beiden angrenzenden Straßen berichtete Dr. Thomas Kilz (CDU). Auch Eltern des katholischen Kindergartens seien erbost. Der Verbindungsweg werde seit Jahrzehnten ohne Probleme genutzt – und nun habe ihn die Stadt gesperrt. Die Folge seien riskante Wendemanöver vor dem Kindergarten. Zudem, so Jurist Kilz, hätte die Verwaltung erst den Ortsbeirat anhören müssen: „Das ist nicht in Ordnung, wie das gelaufen ist.“

Auch betroffene Bürger ließ der Beirat zu Wort kommen. Von einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ sprach Michael Hügel als Anwohner der Werrastraße. Der Verbindungsweg sei kein Gefahrenpunkt. Statt ihn gleich zu sperren, könne man auch eine Einbahn- oder eine Spielstraße einrichten. „Es ist für niemanden besser geworden“, berichtete auch Anwohnerin Bettina Kühn. Andere Straßen würden nun stärker belastet, besonders die gefährlich zugeparkte Hainhäuser Straße und die enge Karl-Sattler-Straße.

Pfosten für die Verkehrssicherheit

Die Straßenverkehrsbehörde habe ihre Entscheidung nicht aus heiterem Himmel getroffen, erläuterte Elfi Ziebold von der Stadtverwaltung. Auf einen Antrag von 21 Bürgern am 10. Mai habe man sich die Situation vor Ort angesehen und die Argumente und Alternativen geprüft. „90 Prozent der Fälle in der Straßenverkehrsbehörde sind Abwägungssache“, so Ziebold. In diesem Fall habe man unter anderem berücksichtigt, dass die Kindertagesstätte von 7.30 bis 16.30 Uhr geöffnet sei und dass 70 bis 80 Prozent der Kinder mit dem Auto gebracht würden. Eine Rolle habe auch gespielt, dass die Verbindung im Gegensatz zu einer normalen Straße nicht 6,50 Meter, sondern nur vier Meter breit sei. Ergebnis der Abwägung: „Die Fahrt durch dieses Gässchen muss nicht sein.“ Mit Blick auf die Verkehrssicherheit habe sich die Behörde für die Pfosten entschieden. Eine Einbahnstraße wirke eher beschleunigend und ein verkehrsberuhigter Bereich sei wegen des vorhandenen Gehwegs nicht zulässig.

Ortsbeirat forder alten Zustand

Die Stadtverwaltung habe Fakten geschaffen, ohne den Ortsbeirat zu fragen, bedauerte die CDU-Stadtverordnete Anette Schweikart-Paul. Nun gelte es eine Lösung zu finden, die allen Interessen gerecht werde. Der Ortsbeirat forderte den Magistrat auf, den alten Zustand wiederherzustellen oder bis zur nächsten Sitzung Alternativen vorzuschlagen.

Jede Sperrung einer Straße belaste Bürger an anderen Stellen, gab Stefan Wolf (CDU) zu bedenken: „Das finde ich einfach nicht fair.“ Helmut Trageser (CDU) sprach von einer „reinen Gefälligkeitsentscheidung“. Sonst müsse die Stadt bald auch andere schmale Durchfahrten sperren, etwa die Verbindung von der evangelischen Kirche zur Wohnsiedlung August-Schärttner-Weg. Anette Schweikart-Paul ergänzte, im Stadtteil Nieder-Roden habe die Stadt sogar eigens Grundstücke angekauft, um solche Querverbindungen zu ermöglichen.

Quelle: op-online.de

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