130 Drachenpiloten begeistern am Badesee

Guter Wind beim Drachenfest

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Luftige Kühe hinter dem Weidezaun: ein lustiger Blickfang auf der Drachenwiese.

Nieder-Roden - Sonne, blauer Himmel und gleichmäßiger Wind: Beim 25. Drachenfest des Drachenclubs Aiolos stimmte einfach alles. Etwa 130 Drachenpiloten ließen ihre schönsten Flugobjekte steigen - vom Kastendrachen bis zum rotierenden Riesenrad. Das Größte: ein 60 Meter langer Tintenfisch.

„Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen“, jubelte Moderator Jürgen Schneider am Samstag. So viele Teilnehmer, so guten Wind und solche Vielfalt am Himmel sieht man bei den Aiolos-Festen nicht immer. Kaum jemand störte sich daran, dass der Wind von Osten wehte: Fast alle Drachen sehen auch von hinten gut aus. Nur die drei rosafarbenen Schweine drehten dem Publikum die Ringelschwänze zu.

Die Drachenpiloten kamen aus der ganzen Bundesrepublik und angrenzenden Ländern. Viele von ihnen hatten mehrere hundert Kilometer Anreise auf sich genommen, um dabei zu sein. Unter den Teilnehmern waren auch Berühmtheiten der Szene wie Bernhard Dingwerth aus Kassel, der auch zu internationalen Drachenfesten von Irland bis Malaysia eingeladen wird. Er gilt als Erfinder des fliegenden Krokodils, eines Großdrachens ohne Innenstäbe. Nach seinem Bauplan sind ganze Krokodil-Familien entstanden. Eine davon schwebte am Samstag über den Wiesen am Badesee.

Oft ist auch Tempo drin

Muskelkraft und Ausdauer sind notwendig, um die Drachen wieder auf den Boden zu holen.

Das Drachensteigenlassen ist nicht nur eine ruhige, meditative Beschäftigung. Oft ist auch Tempo drin. Die Zuschauer am Wochenende sahen pfeilschnelle Lenkdrachen und rotierende Riesenräder („Bol“) mit bis zu 13 Metern Durchmesser. Diese Ringe sind so genäht, dass die durchströmende Luft sie in Drehung versetzt. Dann darf ihnen niemand zu nahe kommen – Verletzungsgefahr.

Wie viel Kraft der Wind hat, zeigte auch der größte Drachen des Wochenendes, ein 60 Meter langer Oktopus. Drei Männer mussten an den Leinen ziehen, um das schwarze Ungetüm vom Himmel zu holen. Ein spezieller Zusatzdrachen („Lifter“) sorgte für mächtig Auftrieb. „Zwei Beaufort reichen schon, damit er fliegt“, erzählt Peter Buder aus Bad Dürrheim, der stolze Eigentümer des fliegenden Riesen. Er besucht 20 bis 25 Drachenfeste im Jahr, etwa jedes zweite Mal kann der Oktopus in die Luft gehen. „Aber ich habe für jeden Wind den passenden Drachen dabei“, berichtet Buder. Er genießt es, auf den Drachenfesten nette Leute zu treffen, die die Liebe zu seinem Hobby teilen. Einer von ihnen ist Andreas Ernst aus Pforzheim. Er ist immer dabei, wenn der Oktopus fliegt. Als freier Drachenflieger hat Ernst auch ein ganzes Sortiment an Flugobjekten im Gepäck. Sein ganzer Stolz ist ein 30 Meter langes Krokodil nach dem Design von Peter Lynn aus Neuseeland. Die beiden Drachenfreunde aus Baden-Württemberg finden es schön, dass sich auch ihre Partnerinnen gut verstehen. Sie fahren oft mit zu den Drachenfesten. Peter Buder: „Dann sitzen die Mädels nachmittags bei einem Glas Sekt und wir dürfen auf die Wiese spielen gehen.“

Bilder zum Drachenfest in Rodgau

Drachenfest 2013 am Badesee

Ein Video zum Drachenfest in Rodgau aus dem Jahr 2011 finden Sie in unserem Youtube-Kanal

Eine Reise um die Erde in 45 Minuten erlebten die Zuschauer der Nachtflugshow mit Stationen wie Ägypten, Sibirien, China, Neuseeland und Amerika. Rund 70 reflektierende Drachen leuchteten im Licht der Taschenlampen zur Musik. Beim Stichwort Australien ließ der amtierende Bumerang-Europameister Bruno Müller leuchtende Wurfhölzer im Kreis wirbeln. Ein Highlight waren sieben Drachen zum Thema Las Vegas mit bunt blinkenden LED-Lichteffekten: ein Feuerwerk ganz ohne Pyrotechnik. Perfekte Lenkdrachen-Piloten ließen ihre Flieger dicht über die Köpfe hinwegsausen. Und Kinder in der ersten Reihe kreischten, als ihnen an einer langen Angel ein leuchtendes Gespenst vor Augen schwebte. Eine neunköpfige Gruppe der „trommelnden Drachenkinder“ hatte die Zuschauer zuvor im Fackelschein rhythmusstark eingestimmt.

eh

Quelle: op-online.de

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