„Quattro Cantores” präsentieren sich erstmals offiziell in Rodgau bei Garten-Atmosphäre im Gewächshaus

Drei Fünftel Deichmann und mehr

Die „Quattro Cantores“ bei ihrer Heimspiel-Premiere im Gewächshaus der Gärtnerei Fischer (von links): Rüdiger Vogl, Karlheinz Kühnle, Harald und Helmut Deichmann. Auch Barbara Deichmann als Moderatorin war eine gute Besetzung. Foto: mecora

Dudenhofen - Auf jeder Premiere lässt sich aufbauen. Auch auf dieser. So musste bereits beim Rahmen des offiziellen Rodgau-Debüts der „Quattro Cantores” am Samstag umdisponiert werden. Von Manfred Meyer

Aus dem geplanten Open-Air mit wohl 400 Leuten wurde aufgrund des unbeständigen Wetters am Wochenende eine Art Outdoor-Veranstaltung für drinnen; mit 270 Zuhörern war sie ausverkauft.

Denn wer bei der Gärtnerei Fischer in Dudenhofen im Glashaus sitzt, befindet sich auch inmitten prächtiger Natur, nur eben indoor. Aber für beides - außer- oder innerhalb eines sehr atmosphärisch hergerichteten Gewächshauses - ist bei einer Musikdarbietung eine Verstärkeranlage vonnöten.

Das ist vor allem bei einem Kammerkonzert nicht unproblematisch, noch dazu bei einem vierstimmigen, jeweils einstimmig besetzten Sangesensemble. So sagte ein anwesender Chorleiter im Pausengespräch seinem Gegenüber, er würde den 1. Tenor der Gruppe zu wenig hören.

Das lag aber nicht an jenem, an Rudolf Vogl, sondern zunächst an der Aussteuerung des Equipments, das zwar auf das Gewächshaus abgestimmt war, aber, klar, im leeren Zustand. Mit Publikum müssen dann die ersten Programmstücke genutzt werden, um die Anlage auf die Akustik der gefüllten Location auszurichten. Einer Frau vor der Bühne war das Klavier zu präsent. Dabei begleitete Kurt Herdt die im Fokus stehenden Vokalisten zurückhaltend und stellenweise so einfühlend, dass man fast meinen konnte, sie sängen a cappella.

Also, Vogl und Herdt waren nicht zu leise/laut, sondern der Höreindruck hängt auch davon ab, wo man im Auditorium sitzt. Es war und ist wie bei der heimischen Stereoanlage. Nur wer ideal an einem Punkt zwischen den Boxen sitzt (was Hunderte Leute in einem Raum natürlich nicht können), kann die Musik optimal wahrnehmen.

Von solchen technischen Fragen abgesehen, war die Blumenau als anheimelnder Vorstellungsort von den „Vier Sangesbrüdern” prima gewählt. Die echten Brüder der Gruppe, Gründer Harald sowie Helmut Deichmann, legten das klangliche Fundament mit Bariton und Bass. Zweiter Tenor des Quartetts ist Karl-Heinz Kühnle. Für die Erstpräsentation wurde die ganze Bandbreite des erarbeiteten Repertoires genutzt.

Dabei zeigte sich, dass gerade die Darstellung von so genannter leichter Muse wie Evergreens der „Comedian Harmonists” besonders heikel und diffizil ist - zumal die jede(r) kennt. Als es dann zum ersten Mal „ernst” wurde, wie die schön be-stimmte Moderatorin Barbara Deichmann sagte, konnten die „Sangesbrüder” ihre wahren Trümpfe ausspielen.

Diese Trümpfe sind Getragenes, Schwebendes, Anrührendes, Balladeskes, (in der doppelten Bedeutung des Wortes) Romantisches, Antikes. Gänsehaut-Momente in Serie folgten - mit dem Anno-1200-Madrigal „Komm du schöne Liebe mein”, einer Orazio-Vecchi-Canzona aus dem 16. Jahrhundert und Felix Mendelssohn-Bartholdys „Der Jäger Abschied” als Höhepunkten.

Nach der Pause wurden noch mal „Comedian Harmonists” gereicht sowie Mozart, Schubert, Liebes- und Filmsongs. Das Ende: ein durchaus polarisierendes Mark-Hayes-Arrangement des Arlen-Klassikers „Over The Rainbow”. Die geforderten zwei Zugaben: erneut Gefühlvolles - ebenso vorgetragen.

Nicht nur standortmäßig die Eckpfeiler des Ensembles, sondern auch stimmlich und phrasierend: Helmut Deichmann, kultiviert knorrig und mit reichlich Tieftöner-Reservoir, sowie Rudolf Vogl. Er legte seinen Gesang wie eine warme, immer weiter führende Spur über den Akkord-Unterbau der Kollegen. All das wusste das kundige Publikum zu würdigen. An dessen Reaktionen war nicht nur abzulesen, wie die jeweiligen Interpretationen gefallen hatten, sondern auch wie deren Qualität war. Die Spannweite reichte von festem Applaus bis zu regelrechtem Beifall-Getöse. Hausherr Ralf Fischer überreichte schließlich ein Blumen-Arrangement an Barbara Deichmann. Sie hatte zwischen den thematisch und stilistisch sortierten Liedgut-Blöcken viel Information geboten. Ein Honoratior auf dem Heimweg: „,Quattro Cantores’ - eine Bereicherung für die Rodgauer Musikszene.”

Quelle: op-online.de

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