Magistrat schlägt Baugrundstücke vor

Drei Orte für Flüchtlinge

+
Christbäume bevölkern derzeit den Festplatz am Feuerwehrhaus Süd. Die meiste Zeit des Jahres steht der Platz aber leer.

Rodgau - Drei Grundstücke schlägt der Magistrat als mögliche Standorte für Flüchtlingsunterkünfte vor. Gestern Abend wurde die Eilvorlage im Haupt- und Finanzausschuss erstmals öffentlich vorgestellt.

Die Stadtverordnetenversammlung soll am 9. oder 10. Dezember darüber entscheiden. „Die Verwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht“, sagte Erster Stadtrat Michael Schüßler gestern vor der Presse. Mehr als 15 mögliche Baugrundstücke seien überprüft worden. Drei Flächen hätten sich schließlich herauskristallisiert:

  • Sportplatz am Bürgerhaus Nieder-Roden: kreiseigene Fläche 4 544 m², städtische Fläche 3 430 m².
  • Festplatz am Feuerwehrhaus Süd: 4 456 m².
  • Fläche zwischen Mainzer Straße und Kleingärtnerverein Dudenhofen: 1800 m².

Bürgermeister Jürgen Hoffmann spricht von einer „kleinen Auswahlliste“ an Grundstücken, deren Bebauung gut umsetzbar sei. Darüber hinaus gebe es stadt- oder kreiseigene Flächen in allen Stadtteilen, die allerdings weniger geeignet seien. Alle drei Standorte erfüllen die Voraussetzungen, die der Kreis Offenbach vorgegeben hat. Der Kreis will Gemeinschaftsunterkünfte für je 60 bis 80 Menschen bauen. Die Grundstücke sollen mindestens 1 000 bis 1 500 Quadratmeter groß sein. Die Stadtverwaltung hat laut Schüßler weitere Kriterien angelegt. Zum Einen sollen die Flächen nicht schon anderweitig überplant sein, damit der Bau der Flüchtlingsunterkünfte die städtebauliche Entwicklung nicht behindert. Zum Anderen müssen Einkaufsmöglichkeiten in erreichbarer Nähe sein.

Verantwortung für Flüchtlinge und Einwohner

Um den sozialen Frieden zu erhalten, sei eine Abwägung erforderlich, so Michael Schüßler: „Wir sehen uns in der Verantwortung, für die Flüchtlinge unseren Beitrag zu leisten im Rahmen dessen, was wir können. Wir haben aber auch Verantwortung gegenüber den 45.000 Einwohnern, die sich bereits in Rodgau wohlfühlen.“ Die drei ausgewählten Standorte werden nach Auffassung des Magistrats beiden Seiten gerecht: sowohl der einheimischen Bevölkerung als auch den erwarteten Asylbewerbern. Darüber hinaus hat jeder Standort seine Besonderheiten. Der Sportplatz hinter dem Bürgerhaus Nieder-Roden ist die größte der drei Flächen. Mehr als die Hälfte davon gehört dem Kreis Offenbach. Wenn die Flüchtlingsunterkunft eines Tages nicht mehr benötigt wird, könnte das Gebäude zur Erweiterung des Betreuungsangebots der Grundschule am Bürgerhaus dienen.

Das Reststück des Festplatzes am Feuerwehrhaus Süd eignet sich nicht nur wegen der guten Einkaufsmöglichkeiten. Seit dem Bau der Feuerwehr steht der Festplatz die meiste Zeit des Jahres leer. Selbst für ein kleines Zirkusunternehmen ist er zu klein. Einen technischen Vorteil hingegen hat das Grundstück in Dudenhofen, das hinter dem Hähnchengrill-Wagen zwischen Mainzer Straße und Kleingärtnerverein liegt. Dort stand bis zur etwa zehn Jahren ein Containerdorf der S-Bahn-Bauleitung und der Baufirmen. Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser sind bereits vorhanden.

Lampedusa: Flüchtlingselend in Italien

Lampedusa: Flüchtlingselend in Italien

Sobald das Stadtparlament sich für diese oder andere Standorte ausgesprochen hat, ist der Kreis Offenbach am Zug. Der Kreis ist sowohl für Bau und Betrieb der Flüchtlingsunterkünfte als auch für die Baugenehmigung zuständig. Nach Einschätzung des Magistrats dürften noch Monate bis zum Baubeginn vergehen. Erster Stadtrat Schüßler: „Das kann zügig gehen, wenn man es denn von beiden Seiten will. Wir sind da sicherlich zu allem bereit.“ Der Magistrat werde dem Kreis selbstverständlich auch frei werdende Wohnungen melden. Derzeit seien alle 178 städtischen Wohnungen (darunter 110 Sozialwohnungen) vermietet.

Die Eilvorlage des Magistrats unterstreicht auch die Notwendigkeit, dass der Kreis eine angemessene soziale Betreuung der Flüchtlinge gewährleistet. „Das ist für uns fundamental“, betont Michael Schüßler: „Man kann diese Menschen nicht sich selbst überlassen.“ Bürgermeister Jürgen Hoffmann spricht in diesem Zusammenhang von einer „Wohlfühlkultur“. Gemeinsam mit Kirchen und sozialen Organisationen wolle er ein Netz der Unterstützung knüpfen.

(eh)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion