Druck bis zu 880 Tonnen

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Die haushohen Feinschneidpressen wurden speziell für die Firma Henkel KG gebaut. Bei einem Mitarbeiterfest am Samstag waren sie in Aktion zu sehen.

Weiskirchen - Zwei Spezialmaschinen zur Herstellung hoch präziser Metallteile hat die Friedrich Henkel Feinmechanik KG in Betrieb genommen. Von Ekkehard Wolf

Gewaltige Kräfte wirken im Inneren der haushohen Kästen: Mit dem unvorstellbar hohen Druck von bis zu 880 Tonnen wird fingerdicker Edelstahl in exakt geformte Teile gestanzt.

„Feinschneiden“ heißt das Stanzverfahren, das 1920 in der Schweiz erfunden wurde. „Die Teile werden in gespanntem Zustand ausgeschnitten“, erklärt Wolfgang Diether, der Technische Leiter des Unternehmens. Das Ergebnis: Die Stanzteile sind auf hundertstel Millimeter genau und besonders eben. Die Metallteile, die über ein Förderband in den Kasten klimpern, sehen durch den hohen Druck fast wie poliert aus.

Hinter dieser Glasscheibe drücken 880 Tonnen auf das Werkstück: Auch der kleine Lukas durfte auf Papas Armen einen Blick in das technische Wunderwerk werfen.

Die beiden hydraulischen Feinschneidpressen besitzen eine Presskraft von 700 und 880 Tonnen. Sie ergänzen den Maschinenpark. Mit jetzt sieben Feinschneidpressen verfügt Henkel über rund 30 Prozent der inländischen Kapazität für dieses Fertigungsverfahren.

Das 1945 von Friedrich Henkel gegründete Familienunternehmen produziert jährlich 22 Millionen Bauteile aus verschiedenen Metallen für Kunden in aller Welt, vor allen für die Automobilzulieferindustrie. In fast jedem gängigen Autofabrikat befinden sich Teile aus Weiskirchen. Typischerweise finden sie sich in Getrieben, Turboladern oder Doppelkupplungen wieder.

Aber auch namhafte Hersteller der Medizintechnik, Messtechnik und Haushaltsgeräte werden von Henkel Feinmechanik beliefert.

„Wir sind eben ein Nischenanbieter“

Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben in der Branche gut positioniert. Viele der 125 Mitarbeiter blicken auf eine lange Firmenzugehörigkeit zurück. Die kontinuierliche Ausbildung eigener Fachkräfte trägt zu dem hohen technischen Standard des Betriebs bei. Damit ist es möglich, die hohen Qualitätsansprüche der Automobilindustrie zu erfüllen. Das Qualitätsmanagement ist nach der Norm ISO/TS 16949 zertifiziert, wie Geschäftsführer Peter Henkel erklärt.

Stichproben der Produktion werden bereits an der Maschine auf ihre Maßhaltigkeit geprüft. Eine eigene Abteilung für Qualitätskontrolle wertet die Messungen aus. Bevor ein Werkzeug ausfällt, halten die Werkzeugbauer schon Ersatz parat.

Jede der beiden neuen Feinschneidpressen hat einen siebenstelligen Betrag gekostet, wie Peter Henkel berichtet. Für das Unternehmen sei das eine Investition, wie man sie nur alle zehn Jahre tätigt. Beide Maschinen sind Spezialanfertigungen. Bei der einen wird das Metall von der Vorratsrolle mit doppelter Genauigkeit plan gerichtet, bei der anderen kann man sogar ein Stück Blech von Hand einlegen - wer weiß, wann man’s braucht. Wolfgang Diether: „Wir sind eben ein Nischenanbieter.“

Quelle: op-online.de

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