„Druckbetankung ist nicht erlaubt“

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Friedliches Zuprosten: Gegen 11 Uhr waren erst wenige Gruppen auf dem Gelände.

Jügesheim - (eh) Einen friedlichen 1. Mai erlebten mehr als 1 000 junge Leute an der Waldfreizeitanlage Jügesheim. Die üblichen Schlägereien am späten Nachmittag blieben aus, die Zahl der „Schnapsleichen“ hielt sich in engen Grenzen.

Erstmals hatte die Stadt einen kommerziellen Sicherheitsdienst engagiert, um extreme Besäufnisse zu verhindern. 20 Wachmänner kontrollierten Ausweise und Taschen. Zu dritt oder mit dem Schäferhund gingen sie Streife auf der Waldfreizeitanlage und im Wald. In der Nacht zum 1. Mai war das Gelände sogar komplett gesperrt.

Die Polizei musste nur selten einschreiten. Sie nahm einen Fahrraddieb fest und sprach einige Platzverweise aus. Ein volltrunkener Jugendlicher wurde von seinen Eltern abgeholt.

Zur größten Stehparty des Jahres treffen sich Jugendliche aus der Region am 1.Mai an der Waldfreizeitanlage Jügesheim. Ein Sicherheitsdienst sollte Alkohol-Exzesse und Schlägereien verhindern.

Rund 5 000 Euro hat die Stadt Rodgau für den Sicherheitsdienst bezahlt. Stadtrat Michael Schüßler, zog am Wochenende in einer ersten Stellungnahme eine positive Bilanz: „Nach dem, was ich bisher weiß, hat sich die Maßnahme rentiert.“ Mit einer einmaligen Aktion sei es nicht getan: „Ich denke, dass man das einige Jahre konsequent durchhalten sollte.“

Feuchtkaltes Wetter hatte den Ordnungskräften eine ruhige Walpurgisnacht beschert. „Wir haben Eichhörnchen beobachtet, das war‘s“, berichtete ein Security-Mann am Morgen des Maifeiertags. Auch an den anderen Waldfestplätzen und auf den Wiesen am Badesee wollte bei der unfreundlichen Witterung niemand feiern. Mehrere Polizeistreifen kurvten durch Rodgau, um einschlägige Treffpunkte zu kontrollieren.

Auch am Freitag startete die große Stehparty an der „Waldi“ verhalten. Gegen 11 Uhr waren erst fünf Grüppchen auf dem Platz. „Für diese Uhrzeit ist verdammt wenig los“, meint Daniel Zinngrebe aus Dietzenbach, der mit seinen Kumpels seit Jahren den Maibeginn in Jügesheim feiert. „Ich find‘s gut, dass hier verstärkte Kontrollen sind“, sagt Eva Bäse aus der gleichen Gruppe, „in den letzten Jahren gab es immer wieder Schlägereien.“

Ab ein Uhr wird‘s voll, ab fünf Uhr ziehen dann die meisten ab, weil es hier stressig wird“, erzählt ein Jugendlicher. Zu Schlägereien komme es meist am Rand, etwa an der Straße zum Wasserwerk. „Ich find‘s einfach nur traurig, dass es in den letzten Jahren so ausgeartet ist“, meint ein Junge, der mehr als 40 Gleichaltrigen durch den Wald nach Jügesheim geradelt war. Dass ein Wachdienst vor Ort sein würde, hatte sich bis nach Dietzenbach herumgesprochen.

Ich finde es gut, dass sie die Minderjährigen kontrollieren“, lacht ein junger Mann Anfang 20: „Zum Glück haben sie‘s damals nicht gemacht, als wir noch minderjährig waren.“ Aber auch kritische Stimmen werden laut: „Wir sind alt genug und können auf uns selbst aufpassen“, sagt etwa Daniel Herrmann (23). Kontrollen sollten sich seiner Ansicht nach auf Minderjährige beschränken.

Doch die Security-Männer weisen auch junge Erwachsene in ihre Schranken, die sich mit Trichter und Schlauch abfüllen wollten. „Druckbetankung ist nicht erlaubt“, erklärt ein Wachmann, „da ist eine Flasche Bier in fünf Sekunden weg.“

Einfühlungsvermögen gehört offenbar nicht zur Ausbildung der Sicherheitsleute, die auch vor Diskotheken, Fußballstadien, bei Musikfestivals oder Messen eingesetzt werden. „Rucksack aufmachen, los, los“, werden vier, fünf harmlos wirkende Schüler angeraunzt. „Da sind Klamotten drin“, antwortet der Rucksackträger. Doch unter den Textilien findet sich ein Partyfässchen Bier. Es wird konfisziert. „Was die alles in ihren Rucksäcken haben, das hätten wir uns früher nicht getraut“, sagt einer der Schwarzgekleideten, der selbst nicht älter als Mitte 20 sein dürfte. Ein junges Mädchen will unterdessen die Flasche Wodka abholen, die sie vor einer Stunde abgeliefert hat. Da hat sie Pech: An Minderjährige geben die Wachleute keinen Alkohol heraus - nur an die Eltern.

Quelle: op-online.de

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