Schleichweg durch den Matsch

Ärger um illegale Zufahrt zum Gewerbepark

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Zwischen dem VGP-Gewerbepark und der Blumenau haben Autofahrer eine Abkürzung in die Wiese gefurcht. Der Fahrer des schwarzen Audi in der Bildmitte macht vor, wie es nicht sein sollte. Denn erwünscht oder gar legal ist dieser Schleichweg nicht. Die Stadt fordert die VGP-Gruppe auf, ihn zu unterbinden.

Dudenhofen - Die Blumenau entwickelt sich zunehmend zur Ausweichstrecke für Autos auf der Kreisquerverbindung: Wer den Stau umgehen will, fährt an der Gärtnerei Fischer vorbei. Jetzt ist ein neuer unerwünschter Schleichweg entstanden. Er führt mitten durch den VGP-Gewerbepark. Von Ekkehard Wolf 

Die Elisabeth-Selbert-Straße innerhalb des Gewerbeparks ist mit Absicht als Stichstraße angelegt: Der Verkehr soll ausschließlich über die Kreisquerverbindung (L 3121) fließen. Von der Blumenau gibt es lediglich eine Notzufahrt für die Feuerwehr. Die Realität sieht anders aus: Zwischen dem Wendekreis des VGP-Parks und der Blumenau herrscht ein reger Schleichverkehr. Unzählige Autos haben breite Pisten in die Erde gefurcht. Von der Wiese, die sich eigentlich sein soll, ist nur noch wenig zu sehen.

Diese illegale Zufahrt habe „bald die Dimensionen einer Autobahnauffahrt erreicht“, kritisiert die FDP-Stadtverordnetenfraktion in einer Pressemitteilung. Der Zustand sei nicht länger tragbar. Fraktionsmitglied Jan Böttcher erinnert an die Zusage der Stadtverwaltung: „Die Feuerwehrzufahrt, so wurde es uns und dem Ortsbeirat versprochen, sollte gegen illegale Nutzung gesichert werden und nur für den Notfall durch die Feuerwehr nutzbar sein.“ So lauteten auch die Beschlüsse des Ortsbeirats und der Stadtverordnetenversammlung.

Autofahrer aus Seligenstadt nutzen die Blumenau als Abkürzung zur S-Bahn-Station Dudenhofen (grüne Linie). Sie ersparen sich dadurch vier Ampeln auf der Kreisquerverbindung (rote Linie, rote Punkte). Nicht erlaubt ist der Schleichweg durch den VGP-Gewerbepark (blaue Linie).

Nach Angaben der FDP-Fraktion benutzen nicht nur Autofahrer diesen Hintereingang, sondern auch Fahrer von Lastwagen. Erschwerend komme hinzu, „dass dort in der Blumenau wohl auch Lkw-Fahrer ihre Ruhezeiten verbringen und die Straße allmählich zugemüllt wird“. „Das ist so nicht im Sinne des Erfinders“, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler auf Anfrage unserer Zeitung: „Hier ist Abhilfe zu schaffen.“ Das müsse nicht die Stadt, sondern die VGP-Gruppe tun. Schüßler: „Wir sind bestrebt, das Thema im Einvernehmen mit den Eigentümern zu lösen.“ Auch VGP habe sicher kein Interesse an „Sandeinfahrten und Pfützenpisten“. Der Erste Stadtrat erinnert daran, dass die Bauherren noch nicht alle Verpflichtungen erfüllt hätten: „Die Rad- und Fußverbindung ist noch herzustellen.“ Nach dem Winter seien Tiefbauarbeiten jetzt wieder möglich.

Die Fahrspuren im Matsch führen vom Gewerbepark in beide Richtungen: nach Westen zur Ortsmitte und nach Osten in Richtung Seligenstadt. „Es scheint so, dass die Blumenau für Autofahrer aus Seligenstadt in den Morgenstunden eine gewisse Attraktivität entfaltet“, sagt Schüßler: „Wir sind dabei, das mit Zahlen zu unterlegen.“ Der Autoverkehr auf dieser Nebenstraße hat unterschiedliche Ziele. Die drei größten Anlieger sind die Gärtnerei Fischer, die Kompostierungsanlage und die Firma Noor. Für Autofahrer aus Seligenstadt bietet sich die Blumenau auch als kurzer Weg zur S-Bahn-Station Dudenhofen an. Wer diese Abkürzung fährt, erspart sich knapp 200 Meter und vier Ampeln.

Ein gefährlicher Arbeitsplatz: Mitten auf der Autobahn

Ein Nadelöhr auf dieser Strecke ist die Brücke über die Bundesstraße 45. Dort ist die Fahrbahn nur 4,40 Meter breit. Die Brücke hat links und rechts je einen schmalen Schrammbord. Darüber hinaus fehlen Wege für Fußgänger und Radfahrer. Arbeiter aus dem Gewerbepark sind zum Schichtwechsel dort in Grüppchen unterwegs. Anfang Februar hat unsere Zeitung darüber berichtet. Eine sichere Lösung gibt es noch nicht. „Wir werden das Thema des Fußgänger- und Radfahrerverkehrs im Auge behalten“, verspricht Erster Stadtrat Michael Schüßler. Aktionismus sei aber fehl am Platz. Zuerst gelte es Daten über die Nutzung zu ermitteln und eine Gefährdungsanalyse zu erstellen. Auf dieser Grundlage könne man dann Maßnahmen entwickeln, beispielsweise ein Tempolimit oder einen markierten Schutzstreifen am Fahrbahnrand. „Wir sind auch daran, das Thema der Beleuchtung zu überdenken“, bestätigt Schüßler auf Nachfrage.

Sehr zurückhaltend äußerte sich Bürgermeister Jürgen Hoffmann kürzlich gegenüber der CDU-Stadtverordnetenfraktion, die sich des Themas in einer Anfrage an den Magistrat angenommen hatte. Fußgänger und Radfahrer seien außerorts „eigenverantwortlich angehalten, reflektierende Kleidung oder Warnwesten zu tragen“, heißt es in der Antwort. Einen sicheren Geh- und Radweg gebe es bereits, aber an der Kreisquerverbindung. Eine zusätzliche Beleuchtung der Blumenau sei zurzeit nicht geplant. Eine Bushaltestelle am Gewerbepark sei zwar bei der Planung berücksichtigt worden, die Kreisverkehrsgesellschaft beabsichtige „jedoch nicht, die Linienführung der OF-99 auf diese Haltestelle abzustimmen“.

Quelle: op-online.de

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