Geschichte

Dudenhofen: Das Geheimnis der Silberbibel aus dem Heimatarchiv

Die „Augsburger Silberbibel" erinnert mit ihrem versilberten Buchdeckel an eine Evangelienhandschrift aus dem Mittelalter.
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Der versilberte Buchdeckel erinnert an eine Evangelienhandschrift aus dem Mittelalter.
  • Ekkehard Wolf
    vonEkkehard Wolf
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Ein Erbstück aus dem Heimatarchiv in Dudenhofen hat eine ganz besondere Geschichte: Die Silberbibel.

Dudenhofen – Der versilberte Buchdeckel erinnert an eine Evangelienhandschrift aus dem Mittelalter, doch der jüngste Neuzugang des Heimatarchivs Dudenhofen ist weder alt noch selten. Die „Augsburger Silberbibel“ wurde 1989 in einer Auflage von 10 000 Stück gedruckt. Was dieses Buch so besonders macht: Der Heimatverein hat es von einer treuen Unterstützerin geerbt.

Sonja Kratz, die im vergangenen Jahr mit 88 Jahren starb, hatte die Bibel in ihrem Testament ausdrücklich dem Heimatverein zugedacht. Aus Wertschätzung zu ihr nahm der Verein das Erbstück an, obwohl es weder historisch ist noch etwas mit Dudenhofen zu tun hat.

Das Heimatarchiv hat Sonja Kratz viel zu verdanken. Zu Lebzeiten öffnete sie ihre Fotoalben für die Heimatforscher. Außerdem half sie, Fotos in der Bilddatenbank mit Personennamen zu versehen.

„Sie hat uns immer wieder angerufen und gesagt: Ich hab’ ein schönes Foto für euch gefunden“, erinnert sich Walter Erb vom Verein Heimat, Geschichte und Kultur in Dudenhofen (HGKiD). Ihre Hilfe bei der Identifizierung abgebildeter Personen vermisst er jetzt schon: „Es ist schade, dass es kaum noch jemanden gibt, den ich fragen kann.“

„Die Sonja“, wie Erb sie nennt, hatte nicht nur zum Heimatverein einen guten Draht: „Die Hälfte des Orts hat sie gekannt.“ Kein Wunder: Die Tochter aus dem früheren Drogerieladen an der Frankfurter Straße (heute: Friedberger Straße) arbeitete lange Jahre bei der Volksbank in Dudenhofen. Außerdem war sie im Vorstand des Frauenchors und stand bei der „Narrisch Singstunn“ auf der Bühne. Eben eine echte Dudenhöferin.

Bereits vor einiger Zeit hatte sie dem Heimatverein das Kriegstagebuch ihres Großvaters Ludwig Fengel aus dem Jahr 1915 überlassen. In mühsamer Kleinarbeit arbeiten die ehrenamtlichen Heimatforscher daran, die in Sütterlinschrift festgehaltenen Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg zu entziffern.

In den elf Jahren seines Bestehens hat der Heimatverein schon viel Material bekommen, aber Schriftstücke wie das Kriegstagebuch sind selten. Dankbar denken die Mitglieder an alle Einwohner, die ihr Wissen mit dem Heimatarchiv teilen. Namen wie Helmut Fünkner und Hilde Kratz stehen für alle, „die uns ein bisschen in ihr Privatleben reingucken ließen“, wie Walter Erb sagt.

Manchmal landet eben auch ein Stück wie die Augsburger Bibel im Archiv – ein Werk, das an sich nichts mit Dudenhofen zu tun hat und dennoch eine Geschichte erzählen kann.

Die Bibel steht nun in einem der drei Vitrinenschränke, die der Verein vor einiger Zeit geschenkt bekam. Ebenfalls hinter Glas befinden sich unter anderem zwei Schulranzen aus den 50er-Jahren, eine Eisenbahner-Lampe und ein kleiner Koffer aus Holz, wie er für Kriegsheimkehrer nach dem Zweiten Weltkrieg üblich war. Walter Erb: „Wir wollten nie ein Museum sein, aber ab und zu bekommen wir solche Sachen.“

(Von Ekkehard Wolf)

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