Edelgitarren für den Weltmarkt

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E-Gitarren „made in Germany“ sind weltweit gefragt: Nik Huber spielt im großen Konzert der Musikinstrumentenhersteller mit. Fünf Schichten Lack lassen seine Edelgitarren glänzen. Auch Intarsien aus Perlmutt oder Onyx zieren die Instrumente.

Nieder-Roden - Markenartikel aus Deutschland erobern seit Jahrzehnten den Weltmarkt. Neben Massenproduktion mit enormen Werbeetats behaupten sich aber immer wieder filigrane Arbeiten gepaart mit handwerklichem Können. Von Andreas Pulwey

Die Gitarren von Nikolaus „Nik“ Huber gehören in diese Kategorie. Versteckt hinter Bäumen wird in der Borsigstraße 13 auf Qualität Wert gelegt.

Wieder und wieder schleifen Nik Huber und Marcus Rücker über das Mahagoniholz. Akribisch bearbeiten sie mit immer feinerem Schmiergelpapier den Gitarrenkörper, mit dem sich in wenigen Wochen ein Musiker irgendwo auf der Welt seinem Publikum präsentieren wird. „Nik Huber Guitars“ hat sich längst zu einem Markennamen entwickelt. Über seine 1997 gegründete Firma verkauft der 39-Jährige Instrumente nach Japan, in die USA, Südostasien und natürlich quer über Europa. Mit ausgeprägtem Fachwissen und einem Hang zum Perfektionismus gehört Nik Huber längst zur Weltspitze der Gitarrenbauer.

Ich gehe jeden Tag mit Freude zur Arbeit“, betont der Rodgauer, der als Teenager den Traum hatte, Rockmusiker zu werden. Heute hilft er musikbegeisterten Menschen rund um den Globus, diesen Traum zu realisieren. Für eine Gitarre aus Rodgau müssen diese aber schon einige Tausender auf den Tisch blättern. Auch wenn Nik Huber Guitars mit den Marken „Orca“, „Dolphin“, „Redwood“, „Junior“ und „Bolt on“ fünf standardisierte Modelle herstellt, ist doch jede ein Unikum.

Kombination aus Mahagoni, Palisander und Ahorn muss stimmen

Der Kunde kann Vorgaben für den Klang machen, den er aus seinem Instrument hervorholen möchte. Dazu nimmt Nik Huber einen Gitarrenarm aus Mahagoni in die Hand und klopft ihn mit dem Finger ab. Hat das Holz den richtigen Wuchs, lagert es lange genug und stimmt die Struktur? „Ob es eine gute Gitarre wird, bestimmt zu 70 Prozent das Holz“, weiß er. Die Kombination aus Mahagoni, Palisander und Ahorn muss natürlich auch stimmen. Selbst die Art des Lacks und dessen Stärke trägt ihren Teil dazu bei, welcher Ton später im Konzertsaal aus den Boxen dröhnen wird.

Holz aus Europa, Afrika, Brasilien, Ostindien und Nordamerika lagert in der Schreinerei, die zu der 300 Quadratmeter großen Produktionsfläche gehört. Türen führen in die Werkstatt, den Maschinenraum mit der CNC-Fräsmaschine und den Lackierraum. Vier Schichten Grundierungslack und letztendlich der Hochglanzlack lassen das musikalische Schmuckstück erstrahlen. Im Trockenraum baumeln die Musikerträume bei 32 Grad Celsius unter der Decke, während der Lack aushärtet.

Erfolgsrezept: Anspruch an Qualität in den vielen Komponenten

Hart ist aber nicht nur der Lack, auch das Geschäft ist trotz aller Leidenschaft nicht immer ein Zuckerschlecken. Ab 2005 setzte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in den USA ein zweijähriger Hype ein, jeder wollte eine Gitarre und am besten eine von Nik Huber. Da die Vereinigten Staaten und ihre konsumfreudige Bevölkerung 70 Prozent der Weltmarktnachfrage ausmachen, klingelte oft das Telefon. Von der Messe in Los Angeles kam Nik Huber mit einem ganzen Pack Aufträge zurück, genug für die nächsten sieben Monate.

In der aktuell schwierigen Wirtschaftslage geht die Nachfrage gegen Null. Aber auch diesen Zeiten gewinnt der Optimist noch etwas Positives ab: „Wir können jetzt zeitnah liefern.“ Bisher hätten die Kunden doch sehr lang auf ihre Gitarre warten müssen, merkt er selbstkritisch an. In der aktuellen Situation will er die Arbeitsprozesse hinterfragen, andererseits denkt er aber auch an Expansion und mietet in Kürze weitere 40 Quadratmeter Lagerfläche an.

Nik Hubers Erfolgsrezept ist sein Anspruch an Qualität in den vielen Komponenten. Der Praxistest auf der Bühne steht für den Musiker immer noch über aller Theorie. So lässt er es sich nicht nehmen, gemeinsam mit den Kameraden der Bands „Melibokus“ und „Fight footers“ in die selbst aufgezogenen Saiten zu greifen. Dann hört das Publikum die Qualität „made bei Nik Huber“.

Quelle: op-online.de

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