Jahresrückblick: Ehrenamt bewegt

Ein Jahr des Ehrenamts geht zu Ende. Gemeinsam haben Menschen in Rodgau viel in Bewegung gebracht - und zwar freiwillig und ohne Bezahlung. Von Ekkehard Wolf

Ekkehard Wolf

Etwas ganz Großes haben die Gründer, Mitarbeiter und Unterstützer von „Tante Emma“ auf die Beine gestellt. Die Lebensmittelverteilstelle im Herzen Jügesheims hat sich einen Platz im Herzen der Bevölkerung erobert. Scharen ehrenamtlicher Helfer sammeln täglich zehn Zentner Lebensmittel ein und geben sie an Mitbürger weiter, die sie wirklich brauchen. Der Laden versorgt rund 250 Familien, die wenig Geld zum Leben haben. Das sind etwa 750 Personen. Wie hieß es doch bei der Einweihung im Juni: „Schön, dass es Tante Emma gibt - schade, dass es solche Einrichtungen geben muss.“ Auch die Suppenküche „5 und 2“ mit ihrem bunt gemischten Publikum leistet einen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft: ein Mikrokosmos menschlicher Wärme in einer Zeit, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet wird.

Wer hätte das gedacht: Die Erbfeindschaft zwischen Dudenhofen und Nieder-Roden fällt lautlos in sich zusammen, als hätte es sie nie gegeben. Wie das geht, kann man von der Feuerwehr Rodgau-Süd lernen. Der Neubau des gemeinsamen Feuerwehrhauses hat eine Bewegung in Gang gesetzt, die viele nicht für möglich gehalten hätten. Beide Einsatzabteilungen sind zu einer starken Einheit von rund 100 Feuerwehrleuten zusammengewachsen. Der Nachwuchs übt gemeinsam und eine Fusion der Feuerwehrvereine ist nur noch eine Frage der Zeit. Im Ernstfall ist es sowieso unwichtig, wer aus welchem Stadtteil stammt.

Fusion der Sportvereine

Aufeinander zu bewegen sich auch TGM SV und TGS Jügesheim. Zielstrebig gehen sie ihrer Fusion entgegen, die sie zum größten Sportverein des Kreises Offenbach machen soll. Einer Podiumsdiskussion unserer Zeitung schloss sich eine Reihe an Informationsveranstaltungen an. In Gesprächen der Vorstände und der Abteilungen hat das neue Gebilde Gestalt angenommen. Jetzt ist externer Sachverstand gefragt. Das nächste Großprojekt wird eine neue Sport- und Kulturhalle mitten im Ort. Das Gelände des alten Feuerwehrhauses eröffnet die Chance, städtebaulich Akzente zu setzen. Noch vor der Fusion eröffnete die TGM SV einen Trainingsplatz für ihre Jugendfußballer, damit die Schweinsteigers, Neuers und Podolskis von morgen ortsnah üben können.

Neuen Platz für König Fußball schafft auch der TSV Dudenhofen. Er stemmt die größte Investition seiner Vereinsgeschichte. Ein Jahrzehnt nach den ersten Gesprächen über einen Kunstrasenplatz kam politisch Bewegung in das Projekt. Nun können die mehr als 250 TSV-Fußballer unabhängig vom Wetter trainieren. Auch wenn die öffentliche Hand zu den Baukosten von 550 000 Euro erhebliche Zuschüsse beisteuert, bleibt ein ordentlicher Batzen am Verein hängen. Da heißt es noch viele Würstchen braten, um die notwendige Anschaffung zu bezahlen. In einer Patenschafts-Aktion kann man sich gegen eine Spende ein kleines Stück Kunstrasen sichern.

Strandbadfestival weckt große Erwartungen

Die Kulturinitiative „Maximal“ bringt die lokale Musikszene in Bewegung. Nach fast 18 Jahren zog der Verein im Januar aus der Stettiner Straße 17 aus - und hinein in eine ungewisse Zukunft. Dieter Stein gründete daraufhin eine neue Initiative namens „Open Stage“, damit in seiner Halle weiter Leben bleibt. Nun gibt es in Rodgau drei Veranstalter mit ähnlichem Profil, die sich an das gleiche Publikum wenden. Auf seiner Raumsuche entdeckte das „Maximal“ im November eine leer stehende Werkstatt an der Karolingerstraße in Nieder-Roden. Nun beginnt der Hürdenlauf durchs Baurecht.

Große Erwartungen weckte die Idee eines Strandbadfestival s mit Livemusik an drei Tagen. Doch das Festival fiel ins Wasser, weil der Vorverkauf zu schlecht lief.

Dass ehrenamtliche Konzertveranstalter ein großes Ding auf die Beine stellen können, bewies der Impuls-Kulturverein im August: Elf Bands lockten Tausende gut gelaunter Besucher zur Jügesheimer Musiknacht - umsonst und draußen.

Anerkennung für Erste-Hilfe-Projekt

Zu den kulturellen Glanzlichtern des Jahres zählten zwei Bühnenereignisse in Nieder-Roden: Die Theatergruppe Großes Welttheater begeisterte mit dem Generationen verbindenden Stück „Momo“ und der Popchor Polyhymnia erntete frenetischen Beifall für seine Version des Musicals „Tanz der Vampire“.

Wenn man gemeinsam ein Ziel verfolgt, bewegt sich was: Diese Erfahrung machten die Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) und der Magistrat beim Haus der Vereine in Hainhausen. Das Ergebnis ist ein Vertrag, der der IGEMO Rechte einräumt, aber auch Pflichten überträgt. Ein Modell auch für andere Stadtteile? Vielleicht sieht man ja eines Tages den Bürgermeister dort ehrenamtlich Schnee schippen - in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des VdK Hainhausen.

Eine verdiente Anerkennung erhielt das Erste-Hilfe-Projekt der Claus-von-Stauffenberg-Schule: Mit dem „Förderpreis Helfende Hand 2010“ zeichnete Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine einzigartige Gemeinschaftsaktion des Oberstufengymnasiums, der Freiwilligen Feuerwehr und des Roten Kreuzes aus. Alle Beteiligten investieren ihre Freizeit, um junge Menschen fürs Ehrenamt zu gewinnen. Die 7500 Euro Preisgeld sind übrigens die ersten öffentlichen Mittel für dieses Projekt. In den vier Jahren zuvor hatten Sponsoren die Materialkosten bezahlt.

Gelungene Zusammenarbeit

Viel Gehirnschmalz, Phantasie und persönliches Engagement hat die Rodgauer Geschichtspfade möglich gemacht. 41 historisch bedeutsame Gebäude und Plätze wurden mit Schildern versehen und in einem kleinen Stadtplan zusammengefasst: Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Mitgliedern der Heimat- und Geschichtsvereine und Profis aus der Stadtverwaltung. Beseelt von dem Wunsch, die schönen Seiten Rodgaus ins Blickfeld zu rücken, ist seit drei Wochen auch ein Memory-Spiel mit Fotomotiven der Geschichtspfade erhältlich.

Quelle: op-online.de

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