Nieder-Roden

Denkmal für Rio Reiser - „Ein Leuchtturm in der Musikwelt“

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Eine Säule aus Ton(ziegeln), Steinen und Scherben soll nach einem Wunsch von Franz Dürsch und Steffen Hartmann an einen „Leuchtturm in der Musikwelt“ erinnern – den Sänger Rio Reiser und dessen Band „Ton, Steine, Scherben“.

Der Sänger Rio Reiser und seine Band „Ton, Steine, Scherben“ sollen in Nieder-Roden mit einem Denkmal geehrt werden, schlagen zwei Politiker vor.

Nieder-Roden – Ein Denkmal für den Sänger Rio Reiser und dessen Rockband „Ton, Steine, Scherben“ regen der Grünen-Stadtverordnete Franz Dürsch und der ehemalige Ortsvorsteher Steffen Hartmann an. Zwei runde Jahrestage bieten den Anlass: Der 1996 gestorbene Sänger, Komponist und Schauspieler wäre jetzt 70 Jahre alt – und der erste Auftritt der „Scherben“ war vor 50 Jahren.

Der Sänger und zwei Bandkollegen hatten als Jugendliche in Nieder-Roden ihre ersten musikalischen Gehversuche unternommen.

In den Jahren 2007 bis 2009 gab es einen ersten Anlauf, mit einem Denkmal an Rio Reiser und die Kultband der Hausbesetzer-Szene zu erinnern. Eine Grünanlage an der Frankfurter Straße war als Standort im Gespräch. Dass sich ausgerechnet CDU-Leute für das Andenken an eine Revoluzzer-Band einsetzten, machte damals Schlagzeilen. Sogar die Süddeutsche Zeitung berichtete darüber.

Neuer Standortvorschlag für ein Rio-Reiser-Denkmal in Nieder-Roden

Die Denkmal-Idee sei ursprünglich von seinem Parteifreund Andreas Jost gekommen, erinnert sich Steffen Hartmann: „Ich habe das im Ortsbeirat damals aufgenommen. Franz Dürsch hat es von Anfang an mitgetragen.“ Dann sei man aber übereingekommen, die weitere städtebauliche Entwicklung abzuwarten. Die Folge: Zum 60. Geburtstag Rio Reisers gab es kein Denkmal, aber immerhin ein Konzert zu seinen Ehren beim Impuls-Kulturverein.

Nun gibt es einen neuen Standort- und sogar einen Gestaltungsvorschlag. In einem Brief an den Magistrat setzt sich das Duo Dürsch/Hartmann erneut für ein Scherben-Denkmal ein. Für ihre Eingabe wählten sie ein symbolträchtiges Datum – nämlich den Tag, an dem Rio Reiser 70 Jahre alt geworden wäre.

Der Entwurf sieht eine quadratische Säule in Sichtweite der S-Bahn-Station vor, 60 Zentimeter breit und mindestens drei Meter hoch. „Eine schlanke Stele, die oben leuchtet“, so Steffen Hartmann. Über einem Sockel aus Ziegelsteinen (aus Ton), soll sich Drahtgitter erheben, das unten mit Lavasteinen und oben mit innenbeleuchteten Glassteinen gefüllt ist – also buchstäblich Ton, Steine, Scherben. „Ein Leuchtturm in der Musikwelt“, wie die Initiatoren schreiben.

Auch der Standort ist bewusst gewählt. Die Grünfläche vor der Werkmann-Baustelle liegt am Schnittpunkt zweier gedachter Linien zum Leipziger Ring (wo Reiser wohnte) und zum ehemaligen Schwesternhaus (seinem ersten Auftrittsort).

Rio-Reiser-Denkmal könnte Anstoß zur Gestaltung geben

Nach dem Wunsch der Initiatoren könnte das Denkmal den Anstoß zu einer Gestaltung des ganzen Areals geben. Zwischen dem gescheiterten Ärztehaus-Projekt „Medicum“ und der S-Bahn-Station befindet sich eine Schotterfläche, die als provisorischer Parkplatz dient.

50 Jahre nach Gründung der „Ton, Steine, Scherben“ wäre nach Ansicht der beiden Initiatoren ein guter Zeitpunkt, um ein Denkmal zu errichten. „Wir wollen aber keinen Druck machen“, sagt Hartmann: „Es ist auch nicht so schlimm, wenn das erst nächstes Jahr passiert.“

Rio Reiser wurde am 9. Januar 1950 als Ralph Christian Möbius geboren. „Rio wuchs in Nieder-Roden auf und traf hier auf Menschen, die sein Leben veränderten“, heißt es in dem Brief an den Magistrat. Einer jener Menschen war Ralph Peter Steitz, der später unter dem Künstlernamen R.P.S. Lanrue bekannt wurde.

Als 16-Jährige spielten Möbius und Steitz gemeinsam in der Band „Beat Kings“, die Beatmusik coverte. Ein Jahr später zogen sie nach Berlin um, wo sie 1970 mit zwei Gleichaltrigen die Rockgruppe „Ton, Steine, Scherben“ gründeten. Etwas später folgte Britta Neander (1956 – 2004) aus Nieder-Roden der Band nach Berlin. Die Schlagzeugerin und Künstlerin spielte ab 1974 bei den „Scherben“ mit und begleitete Rio Reiser auch während seiner Solokarriere.

Auch an Britta Neander soll das Denkmal erinnern. „Viele, die sie kannten, sagen, sie war nicht nur eine außergewöhnlich gute Schlagzeugerin, sondern auch die gute Seele der Band, die alles im Chaos zusammenhielt“, schreiben Steffen Hartmann und Franz Dürsch.

„Ton, Steine, Scherben“ und Rio Reiser: Einflussreich in den 70er- und 80er-Jahren

„Ton, Steine, Scherben“ gelten als eine der einflussreichsten deutschen Rockbands der 70er- und 80er-Jahre. Mit sozialkritischen und rebellischen Songs wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, „Keine Macht für niemand“ oder „Mein Name ist Mensch“ trafen sie das Lebensgefühl des links-alternativen Spektrums.

Vor zehn Jahren wäre Rodgau vielleicht die erste Stadt mit einem Rio-Reiser-Denkmal gewesen. Auch jetzt findet man per Internetsuche erst wenige Stellen des öffentlichen Gedenkens. Seit 2013 hängt eine offizielle Gedenktafel in Berlin. Bereits 2012 hatte die westfälische Stadt Unna einen rund 100 Meter langen Stichweg nach dem Künstler benannt. Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will im September den bisherigen Heinrichplatz in Rio-Reiser-Platz umbenennen. Am 6. September ist es 50 Jahre her, dass die „Ton, Steine, Scherben“ erstmals öffentlich auftraten – damals noch unter dem Namen „Rote Steine“ beim Love-and-Peace-Festival auf der Insel Fehmarn.

VON EKKEHARD WOLF

Quelle: op-online.de

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