Wildtiersuche stößt an Grenzen:

Eine Insel in der Wiese für Fasane

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Eine Insel aus hohem Gras hat Landwirt Sebastian Roßkopf beim Mähen stehen gelassen. Mitten im Gras brüten Fasane.

Jügesheim - Die Rehkitz-Retter haben auch ein Herz für Fasane. Auf einer Wiese des Karolingerhofs entdeckten Helfer der „Aktion Rehkitz“ ein Fasanengelege.

Landwirt Sebastian Roßkopf sparte das Wiesenstück beim Mähen großzügig aus: „So können Landwirte und Tierschützer gemeinsam zum Wohl der Wildtiere beitragen. “ Die Aktion zeigt, was im Einzelfall möglich ist – und wo der gute Wille an Grenzen stößt. Fast drei Stunden benötigten die Helfer, um eine 2,5 Hektar große Wiese nach Tieren abzusuchen. Gemäht war sie in 20 Minuten. Im meterhohen Gras wurde ein gut verstecktes Fasanengelege mit 14 Eiern entdeckt. Die Helfer markierten die Stelle mit langen Stangen. Mit der Mähmaschine fuhr der Landwirt einen großen Kreis, sodass eine Insel an Gras stehen blieb. Nun kann die Henne ungestört brüten und ihre Jungen aufziehen.

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Aktion Rehkitz gut aufgestellt

Neue Teilnehmer der Suchaktion erlebten, dass die Wildtiersuche kein Spaziergang ist. „Es war anstrengend, aber das Erfolgserlebnis entschädigt für alles“, sagte Angelika Schulz, die sich seit zwei Jahren regelmäßig an den Einsätzen beteiligt. Auch mit hohem Personaleinsatz konnten die Tierschützer nur einen Bruchteil der zu mähenden Wiesen nach Tieren absuchen. Die 38 Helfer durchkämmten drei Wiesen, insgesamt knapp fünf Hektar. Die Mähmaschinen bearbeiteten aber viel größere Flächen. „Wir haben bis jetzt 80 Hektar gemäht, unser Nachbar 40 Hektar“, berichtet Sebastian Roßkopf.

Insgesamt bewirtschaftet der Karolingerhof 125 Hektar an Wiesen. Das Gras wird als Silage eingelagert und dient als Futter für die Milchkühe und deren Nachzucht, insgesamt etwa 320 Tiere. Bei diesen Dimensionen sei es unmöglich, die komplette Fläche nach Tieren abzusuchen, erklärte der Landwirt in einer Pause. Die ehrenamtlichen Helfer äußerten dafür Verständnis. Sebastian Roßkopf betonte, jedes vermähte Rehkitz schmerze ihn. Das sei aber leider nicht immer zu vermeiden.

Für die Rehkitzretter war es der erste Einsatz auf dem Karolingerhof. Mit seinem Anruf beim Vereinsvorsitzenden Dr. Karl Giebel zog Sebastian Roßkopf eine Konsequenz aus einem Vorfall im vergangenen Jahr. Damals war ein junges Reh ebenfalls im Mai ums Leben gekommen – zu einer Zeit, in der noch nicht mit Kitzen zu rechnen war.

Auch diesmal wurden die Wiesen zeitig gemäht. „Es war das gleiche Wochenende wie vor einem Jahr“, berichtet Roßkopf. Wenn das Wetter mitspiele, seien die Milchviehbetriebe bestrebt, die erste Wiesenmahd vor der Setzzeit der Rehe zu beenden. „Im Normalfall mähen wir nichts tot“, so Roßkopf. Beim zweiten Schnitt Ende Juni oder Anfang Juli seien die Jungtiere in der Regel so weit, dass sie nicht mehr alleine in den Wiesen liegen blieben.

Seit vielen Jahren bemühen sich Bauern und Jäger in Rodgau, den Wildschaden durch Mäharbeiten zu minimieren. Optische und akustische Reize sollen die Ricken von den Wiesen fernhalten. Als zusätzliche Unterstützung bietet die Aktion Rehkitz ihre Dienste an. Die Helfer gehen unterschiedlich vor, wie Sebastian Roßkopf beobachtete: Während eine Gruppe in einer Stunde rund 2 000 Quadratmeter akribisch absuchte, durchkämmte die zweite Gruppe in breiteren Reihen fast die zehnfache Fläche.

Für größere Gebiete will der Verein eine fliegende Wärmebildkamera einsetzen. Aber auch ist kein Kinderspiel. Um eine Fläche systematisch abzusuchen, muss man zunächst die Geodaten einprogrammieren. Dr. Giebel: „Dazu müssen wir frühzeitig informiert werden, am besten schon im Frühjahr.“ (eh)

Quelle: op-online.de

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