Der 50. Breitengrad ist im Stadtgebiet praktisch unsichtbar

Eine Linie von Rodgau um die Welt

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Von Waldacker in die Welt: Diese Installation zeigt Städte und Regionen auf dem 50. Breitengrad.

Rodgau - Was verbindet Rodgau mit Aschaffenburg und Mainz, mit Prag, Krakau und Winnipeg? Alle diese Städte liegen auf dem 50. Grad nördlicher Breite. Einen öffentlichen Hinweis darauf sucht man in Rodgau allerdings vergebens. Zwei Rentner wollen das ändern. Von Ekkehard Wolf 

Eine Metallschiene markiert den Verlauf des 50. Breitengrades auf dem Gutenbergplatz in Mainz. In Dreieichenhain leuchtet nachts eine Reihe an blauen Lichtpunkten auf der Fahrgasse. Auch in Rödermark ist der 50. Breitengrad sichtbar: 16 Holzsäulen mit Bildern und Texten weisen auf die gedachte Linie hin, die Waldacker mit der Welt verbindet.

Von der Rodgau-Ringstraße bis zur Gänsbrüh zieht sich der 50. Grad nördlicher Breite durch Nieder-Roden und Dudenhofen.

Die Stadt Rodgau würdigt ihre geografische Lage in aller Bescheidenheit – nämlich gar nicht. Seit ein paar Tagen hängt ein selbst gebasteltes Schild „Brücke zum 50. Breitengrad“ an einem Holzsteg über die Rodau. Der Steg führt vom Wohngebiet Flachsberg auf die Wiesen zur Bundesstraße 45.

„Wir sind eine Mini-Bürgerinitiative“, lächeln Klaus Kölpin und Manfred Papke. Die beiden Gründungsmitglieder des Vereins Rodgauer Segler beweisen, dass auch die Generation 80+ noch etwas bewegen will. In einem Akt bürgerlichen Ungehorsams haben sie ihr Schild am Geländer befestigt.

Hier kreuzt der 50. Breitengrad die Frankfurter Straße: die passende Stelle für eine Informationstafel?

Seit vielen Jahren ist es ein Herzensanliegen der Rodgauer Segler, den 50. Breitengrad im Stadtgebiet sichtbar zu machen. Die Positions- und Kursbestimmung (Nautik) ist ihnen vom Segeln her geläufig. Der technische Fortschritt macht es leichter als je zuvor, einen Ort metergenau zu bestimmen. Mit drei GPS-Geräten misst Manfred Papke den Verlauf des Breitengrades auf dem Rodauweg. Er geht zwei, drei Schritte hin und her. Schließlich zeigen alle Geräte das Gleiche an: 50.0000° N.
Dank GPS-Technik können die Segler-Senioren auch nachweisen, dass die 50-Grad-Linie im früheren Rodgauer Stadtplan rund 200 Meter zu weit südlich gezogen war. Diese Linie führte in Nieder-Roden von der Volksbank-Filiale über die Frankfurter Straße und den Puiseauxplatz. Daran orientierte sich auch eine Aktion unserer Zeitung im Jahr 2000. Kinder der Gartenstadtschule malten damals den Breitengrad in bunten Farben auf den Boden.

Näher am tatsächlichen Verlauf lagen die Rodgauer Segler, als sie im Frühjahr 2011 an der Bachgasse in Dudenhofen ihr „Ansegeln auf dem Trockenen“ feierten. Klaus Kölpin überquerte damals mit dem Paddelboot auf der Rodau den 50. Breitengrad – oder das, was man damals dafür hielt.

Bilder: 50. Breitengrad führt von Rodgau in die Welt

In einer Resolution an die Stadt Rodgau äußerten die Segelfreunde damals den Wunsch, „dass der Verlauf des 50. Breitengrades durch die Stadtteile Nieder-Roden und Dudenhofen sowohl ideell als auch optisch besser gewürdigt und dokumentiert wird als bisher“. Bürgermeister Jürgen Hoffmann nahm das Papier entgegen. Bereits im Jahr zuvor hatte die CDU Nieder-Roden angeregt, den Breitengrad im Ortsbild sichtbar zu machen.

Der Anlass dazu war eine private Initiative. Franz Stockdreher, damals 75 Jahre alt, hatte in seinem Garten „Am Schulwäldchen“ eine fünf Meter hohe Stele aus Keramik-Elementen errichtet. Ein Kupferrohr an der Spitze markiert den 50. Breitengrad. Wenn man genau hinschaut, kann man es von der Rodgau-Ringstraße aus sehen.

Quelle: op-online.de

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