Einfach frei Schnauze gebaut

Helmut Neckermann hat in 25 Jahren 60 Krippen geschaffen

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Bastler Helmut Neckermann mit einer seiner Krippen.

Helmut Neckermann ist ein leidenschaftlicher Bastler und Tüftler. Umso schlimmer ist es für den 79-Jährigen, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so kann, wie er will.

Nieder-Roden – Etwa 60 Weihnachtskrippen in verschiedenen Größen hat er in den vergangenen 25 Jahren geschaffen und es kommt keine mehr hinzu. Denn die Hände des Feintäschnermeisters machen nicht mehr richtig mit.

Auch das große Puppenhaus im Esszimmer hat Neckermann selbst gebaut – für seine Frau. Was sofort ins Auge springt: Es ist bis ins kleinste Detail perfekt eingerichtet. Im Badezimmer etwa stehen winzige Pantöffelchen unterm Bademantel, klitzekleine Glasflakons sowie Mini-Zahnpastatuben und -bürsten vervollständigen die Ausstattung. Das gilt für jedes Zimmer in diesem Haus.

Bis zur Sense alles selbst gemacht.

Bei seinen Krippen ist der Rentner nicht weniger detailgenau. Die Figuren hat er gekauft, die Gebäude bis zur letzten Kleinigkeit komplett selbst geschaffen. Er will, dass alles richtig funktioniert. Türen und Fenster werden nicht nur angedeutet, sondern müssen sich unbedingt öffnen lassen. Dafür verwendet der Krippenbauer übrigens die einzigen Nägelchen, die mit kleinen Lederbändchen die Scharniere bilden, alles Andere wird mit Spezialkleber zusammengefügt.
Der Wassereimer am Brunnen kann per Handkurbel aus der Tiefe geholt werden und die zusammengeschichteten kleinen Holzscheite glühen rot, weil sie für ein Lagerfeuer stehen. Schließlich ist es ja eisekalt im Stall. Vor allem die elektrische Beleuchtung darf nicht fehlen, denn sonst sehen die Betrachter nicht, wie viel Mühe sich der Bastler mit den Gebäuden gegeben hat.

Denn eigentlich wollte Helmut Neckermann Architekt werden. Er sei aber zu faul für die Schule gewesen, erzählt er ganz unverhohlen. Deswegen baute er im Kleinen, schaute sich bei den Urlauben bei den alpenländischen Gebäuden Anregungen ab. Alles „frei Schnauze“, wie der Bastler ganz unprätentiös sagt. Hauchdünn gefräste Schindeln und fein gearbeitete Dachziegel haben ihm dabei Einiges abverlangt. Selbst die für die Region typischen Steine auf dem Dach liegen auch auf Neckermanns Krippen.

Oft wollte er nur für eine Stunde in seinen Werkraum gehen, um auf einmal selbst erstaunt festzustellen, dass vier Stunden verstrichen waren. „Aber das ist manchmal so viel Kleinkram, da sieht man nicht, was man gemacht hat in der Zeit“, erzählt er.

Mal schnell selbst eine Krippe bauen? Mit Fundstücken wie Rinde und Zweigen aus dem Wald? Begeisterung kommt da bei Helmut Neckermann nicht auf. Das Problem: Das feuchte Holz reißt beim Trocknen. Er wollte das immer tunlichst vermeiden.

Viele Ausstellungen mit seinen Arbeiten hat Helmut Neckermann hinter sich. Weil die Präsentationen sehr aufwendig sind, lädt er Besucher nach Hause ein. Terminvereinbarung unter 06106/74371.

Quelle: op-online.de

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