Projektentwickler und Stadt beenden ihre Zusammenarbeit

Einkaufsmeile in Jügesheim: Aus der Traum?

Jügesheim - Die geplante Einkaufsmeile im Stadtzentrum schrumpft möglicherweise auf einen Nahversorger zusammen. Projektentwickler Guido Berndt und die Stadt haben ihre Zusammenarbeit beendet. Nun will Bürgermeister Jürgen Hoffmann erneut die Haus- und Grundeigentümer an einen Tisch bekommen. Von Ekkehard Wolf

Mit großen Hoffnungen hatte das Stadtparlament Ende 2014 den Projektentwickler aus Baden-Württemberg beauftragt. Er sollte die Grundlagen dafür schaffen, dass sich die Ortsmitte zwischen Kirche und Ostring zu einem „multifunktionalen modernen Handels- und Dienstleistungszentrum mit Aufenthaltsqualität“ entwickelt. Ein gutes Jahr später lautete die ernüchternde Erkenntnis, ein Umbau des Ortskerns sei wohl nur mit staatlichen Zuschüssen möglich. Erfolglos beantragte die Stadt Gelder aus dem Programm „Stadtumbau Hessen“. Nun haben die Stadt und der Projektentwickler ihre Zusammenarbeit beendet. „Das Auftragsverhältnis mit Herrn Berndt ist sozusagen abgearbeitet“, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann auf Anfrage unserer Zeitung. Die Konditionen der Trennung: „Keiner ist dem anderen zu etwas verpflichtet. Also fließt auch kein Geld.“

Der Traum von der Einkaufsmeile scheitert in erster Linie an der Finanzierung. Das liegt daran, dass ein großer Teil der Flächen mit vermieteten Geschäftshäusern bebaut ist. Der Grunderwerb würde dadurch für einen Investor viel zu teuer. So soll es jetzt weitergehen: „Wir konzentrieren uns dann auf den Bereich östlich der Ludwigstraße“, kündigt der Bürgermeister an. Den Stand der Dinge will er demnächst mit den Haus- und Grundeigentümern erörtern: „Da sind alle aufgerufen, die in den letzten Runden auch beteiligt waren.“ Die Stadt sei mit den Eigentümern fortlaufend in Kontakt gewesen.

Zwei Hauseigentümer an der Schwesternstraße hatten sich schon früh gegen eine neue Einkaufsmeile ausgesprochen. „Wir verkaufen nicht“, sagten Karlheinz Möbius und Heinrich Heckel senior im Juni 2014. Außer einem Besuch des Projektentwicklers habe es keinen weiteren Kontakt gegeben, sagt Möbius: „Die Stadt hüllt sich in Schweigen.“ Von einer geplanten Gesprächsrunde im Rathaus wisse er nichts.

Die Idee einer neuen Mitte für Einzelhandel und Dienstleistungen bezog sich auf eine Fläche von fast 10.000 Quadratmeter zwischen Kirche und Ostring. Nun bleibt noch knapp die Hälfte übrig. Dazu gehört vor allem das ehemalige Feuerwehrgelände am Schwesternhaus. Dort wäre zum Beispiel Platz für einen Lebensmittelmarkt oder Discounter. Die Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Rodgauer Liste will dort den Schwerpunkt auf die Nahversorgung legen.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Ein Einkaufsmarkt hinter der Alten Schule war schon im Gespräch, als das Feuerwehrhaus 2011 abgerissen wurde. Zwei Jahre später machte der Norma-Markt am alten Friedhof zu. Seither gibt es außer Teilsortimenten (Bäcker, Metzger, Obst/Gemüse) und Bio-Lebensmitteln in der Ortsmitte kein Geschäft für die alltäglichen Einkäufe. Ist ein Nahversorger das Einzige, was den Kunden in Jügesheim fehlt? Auch darum dürfte es in der avisierten Gesprächsrunde mit Hauseigentümern und Geschäftsleuten gehen.

Ein Einkaufsmarkt auf dem Feuerwehrplatz ist für Jügesheim so etwas wie „Zurück auf Los“. War die Arbeit des Projektentwicklers also nur verlorene Zeit? „Der Überzeugung bin ich nicht“, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann: „Es ist durchaus wichtig, die Möglichkeiten eruiert zu haben. Es ist wichtig, die Erkenntnis zu gewinnen, dass etwas nicht geht. Nicht dass wir hinterher gesagt bekommen, es wäre doch auch eine größere Lösung möglich gewesen.“ Auch die Hoffnung auf Geld aus dem Programm „Stadtumbau Hessen“ will der Bürgermeister nicht aufgeben. Die Stadt werde einen erneuten Antrag stellen: nicht nur für Jügesheim, sondern diesmal für die ganze Stadt.

Quelle: op-online.de

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