Grundbesitzer wollen nicht verkaufen

Einkaufsmeile nicht jedem willkommen

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„Wir verkaufen nicht“, sagen Karlheinz Möbius (rechts) und Heinrich Heckel.

Jügesheim - Der geplante Bau eines großen Einkaufszentrums zwischen Kirche, Schwesternstraße, Arbeitsamt und Ostring scheitert womöglich mangels Grundstücken. Hausbesitzer in der Schwesternstraße wollen nicht verkaufen. Ihre Grundstücke würden aber für das Einkaufszentrum gebraucht.

„Wir werden nicht verkaufen“, sagen Karlheinz Möbius und Heinrich Heckel Senior entschlossen. Im Besitz der Grundstücksgemeinschaft Möbius/Heckel sind die Häuser Schwesternstraße 2, 4 und 6. Sie gehören zu dem Baufenster, in dem das neue Einkaufszentrum entstehen könnte. Weil die Eigentümer nicht verkaufen wollen, fehlen der Stadt für das ehrgeizige Projekt maßgebliche Schlüssel-Grundstücke.

In den Liegenschaften betreibt Karlheinz Möbius seinen Computerservice. Dort wohnt der Jügesheimer auch. Die Nummer 2 ist Heckels Elternhaus. Zu den Mietern gehören das Café „Latte Macchiato“, der Optiker „Die Brille“, die Post und Hessen-Lotto. In den vergangenen zehn Jahren haben die Besitzer nach eigenen Angaben etwa 200.000 Euro in die Bausubstanz investiert. Solaranlagen wurden aufs Dach gesetzt, deren Bindungsfrist über 20 Jahre läuft. Für weitere Sanierungsmaßnahmen sind die Handwerkeraufträge schon vergeben. Das Haus Schwesternstraße 6 bekommt ein neues Dach. Auch die Fassade und die Bäder werden renoviert. Die Hausnummer 4 erhält eine neue Außenjalousie. „Wir stecken doch nicht erst so viel Geld in unsere Häuser, damit sie dann abgerissen werden“, erläutern Möbius und Heckel ihren Standpunkt. „Ich würde mein Wohnhaus verlieren und vor allem die Mieteinnahmen, die später mal meine Rente sein sollen. Das kann mir keine Stadt und kein Investor zahlen. Außerdem will man seinen Kindern ja was Bleibendes hinterlassen“, ergänzt Karlheinz Möbius.

Debatte über das große Einkaufzentrum

Die knapp zwei Jahre dauernde Debatte über das große Einkaufzentrum hat seine Mieter und deren Kundschaft verunsichert. „Deshalb wollen wir klarstellen, dass wir nicht verkaufen. Das große Zentrum wäre auch das Ende des eingesessenen Einzelhandels.“ Heinrich Heckel ist strikt gegen die Einkaufsmeile im großen Stil. Er plädiert vielmehr dafür, im Ortskern weitere Dienstleister und Nahversorger von überschaubarer Größe anzusiedeln. „Wir müssen doch die Grundversorgung der Leute, gerade der älteren Kundschaft, sicherstellen. Und das am besten in kleinen Einheiten und auf kurzen Wegen. Wir haben doch ein schönes Zentrum. Es fehlen nur ein paar zusätzliche Geschäfte und Lebensmittel.“ Möbius nennt das Märktezentrum in Urberach als Negativ-Beispiel. „Seit sich die großen Ketten niedergelassen haben, sterben in den Ortskernen die kleinen Läden.“

Für Bürgermeister Jürgen Hoffmann stellt sich die Frage, wer verkauft und wer nicht, derzeit noch nicht. Die Debatte über die Stadtentwicklung in Jügesheim betrachte er als „ergebnisoffen“. Dass es Widerstände geben werde, sei klar. Jeder sei eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. Das Stadtparlament hatte Anfang Juni beschlossen, ein unabhängiger Projektentwickler aus Baden-Württemberg solle ein Konzept für das Einkaufszentrum erarbeiten, das möglichst viele Interessen bündelt. Investoren, die bereits fertige Pläne vorgestellt hatten, wurden Absagen erteilt. Für die neue Einkaufsmeile müsste die Ortsmitte teils abgerissen werden: die nördliche Seite der Schwesternstraße, die Rodgau-Passage und weitere Häuser. Dadurch sollen westlich und östlich der Ortsdurchfahrt zwei Baufenster von je rund 5 000 Quadratmetern entstehen.

bp

Quelle: op-online.de

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