Einkaufszentren als Konkurrenz

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Auch ohne große Einkaufsmärkte müssen örtliche Einzelhändler um Kunden kämpfen. Das zeigte eine Podiumsdiskussion des „Fördervereins Rodgau GHD“ am Freitag.

Weiskirchen (eh) ‐ Auch ohne große Einkaufsmärkte müssen örtliche Einzelhändler um Kunden kämpfen. Das zeigte eine Podiumsdiskussion des „Fördervereins Rodgau GHD“ am Freitag.

Vertreter dreier Gewerbevereine und der Industrie- und Handelskammer (IHK) beleuchteten Vor- und Nachteile großer Einkaufszentren. Das Thema hatte in den letzten beiden Jahren für politischen Wirbel gesorgt. Die von Ulrich Jung moderierte Diskussion lockte 24 Zuhörer ins Feuerwehrhaus Weiskirchen. Zum Einkaufen fahren die Rodgauer nicht nur nach Dietzenbach oder Rödermark. Auch Einkaufszentren wie „myzeil“ Frankfurt, „Komm“ in Offenbach und „Loop 5“ in Weiterstadt bieten sich als Einkaufsziele an. „Jeder Euro, der dort ausgegeben wird, steht in Rodgau dem Einzelhandel nicht mehr zur Verfügung“, sagte Frank Achenbach von der IHK Offenbach. Die Nahversorgung werde schwierig, wenn man großflächigen Einzelhandel zulasse.

„Die Bevölkerung wird nicht jünger“, gab Franz Göbel vom Gewerbeverein Jügesheim zu bedenken. Deshalb sei es wichtig, die Waren des täglichen Bedarfs im Ort einkaufen zu können: „Ich bin dafür, die Zentren zu beleben.“ Für diese Aufgabe brauche die Wirtschaftsförderung mehr Geld. Eine „Lachnummer“ nannte GHD-Vorsitzender Gerhard Lederer das Budget der Wirtschaftsförderung in Rodgau - 88 000 Euro im Jahr.

„Service bieten und Kompetenz zeigen“

Als Irrtum bezeichnete Helmut Schrod vom Gewerbeverein Rödermark die Hoffnung, mit großen Einkaufsmärkten könne man Kaufkraft am Ort binden: „Das Geld, das dort eingenommen wird, bleibt ja nicht in der Stadt, sondern es wird abends mit Geldtransportern weggefahren.“ Märktezentren wie in Urberach seien noch aus einem anderen Grund fragwürdig: „Ob sich ein Kaufland, Lidl oder Obi als Fachmarkt bezeichnen darf, ist auch die Frage.“

„Nicht alles laufen lassen“, gab Frank Achenbach (IHK) den Rodgauer Kommunalpolitikern mit auf den Weg. Die Politik müsse dafür sorgen, dass großflächiger Einzelhandel nicht die Existenz der kleinen Geschäfte vernichte. Dazu sei es notwendig, mehrere Gutachter zu fragen und viele Meinungen zu hören. Klarheit und Ehrlichkeit gegenüber allen Beteiligten sei angebracht: „Man muss auch mal einem Investor sagen: Das wollen wir nicht.“ Achenbach warnte davor, auf eine Salamitaktik hereinzufallen: „Man fängt mit einem Projekt an und dann kommen noch ein, zwei Scheiben drauf. Und diese zwei Scheiben Salami sind es dann, die Probleme mit dem örtlichen Einzelhandel machen.“

„Wir können uns von anderen nur dadurch abheben, dass wir Service bieten und Kompetenz zeigen“, betonte Helmut Schrod. Gute Beratung, eine persönliche Beziehung zum Kunden und Qualität seien entscheidend. Beispiel: Ein Konditor müsse eben mehr bieten als die üblichen Plunderstücke, wie es sie auch als Aufbackware gibt. Als Erfolg bezeichnete Schrod den gemeinsamen Gewerbeverein Rödermark, der mit 220 Mitgliedern eine beachtliche Größe darstelle und dennoch in jedem Stadtteil eigene Akzente setze.

Eine Anregung aus Dietzenbach brachte Gewerbevereinsvorsitzende Angelika Landgraf-Krimm mit. Dort gibt es seit 2004 einheitliche Geschenkgutscheine, um die Kaufkraft im Ort zu halten. Das funktioniert so: Wer einen Einkaufsgutschein verschenken will, kauft ihn bei der Bank. Der Beschenkte kann sich aussuchen, wo er den Gutschein einlöst. Mehr als 80 Geschäfte stehen auf der Liste. Ein ähnliches Modell gibt es in Rödermark.

Quelle: op-online.de

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