Sportlerinnen des Jahres

Einradfahrer: Mit „Carwash“ zur Weltelite

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Dudenhofen - Zwei Einradfahrerinnen sind die Sportlerinnen des Jahres in Rodgau: Inga Kern und Karina Lach zählen zur Weltspitze. Mit ihrer Paarkür wurden sie im vergangenen Jahr Fünfte der Weltmeisterschaft.

Sie sind jung und erfolgreich, vor allem aber sind sie ehrgeizig, fleißig, und mit viel Spaß und vollem Herzen bei der Sache. Die beiden 18-Jährigen haben sich den Titel „Sportlerinnen des Jahres“ mit ihrer Paarkür „Carwash“ im vergangenen Jahr redlich verdient. Diese Auszeichnung vergibt die Stadt Rodgau immer an diejenigen Sportler, die im Jahr zuvor die größten Erfolge erzielt haben. Bei Inga und Karina war das Platz fünf bei der Weltmeisterschaft im Einradfahren, die 2012 im italienischen Brixen stattfand. Ihre Auszeichnung holen sie sich heute, Samstag, bei der Rodgauer Vereinsgala im Bürgerhaus Dudenhofen ab.

Von der Großveranstaltung in Südtirol mit 1850 Sportlern aus 32 Nationen ist den beiden besonders die beeindruckende Eröffnungsfeier in lebhafter Erinnerung geblieben. Zusammen mit allen anderen Athleten zogen sie nach der Show vom Stadion aus zu Fuß oder auf dem Einrad in toller Atmosphäre durch die Straßen zum Marktplatz.

Weg zur Weltmeisterschaft war lang

Natürlich gehört auch eine große Portion Aufregung und Nervosität bei einer Weltmeisterschaft dazu, besonders wenn man zum ersten Mal daran teilnimmt. „Wir hatten fast vergessen, dass wir dran sind, die mussten uns gleich zwei Mal aufrufen“, erinnert sich Inga lachend. „Und wir waren so aufgeregt, dass beim Aufwärmen fast nichts geklappt hat“, fügt ihre Partnerin hinzu. Aber unterm Strich sind beide zufrieden, auch wenn sich der ein oder andere Fehler bei der Kür eingeschlichen hat, der ihnen sonst nicht passiert.

Der Weg zur Weltmeisterschaft war lang und erforderte viel Training und Disziplin. Zusätzlich zum fast täglichen Training absolvierten die beiden vor der WM noch mehrere Trainingswochenenden. Ihr Teilnahmeticket für Brixen lösten Inga und Karina mit einem zweiten Platz bei der Qualifikation im Jahr 2011. Dazu kamen im weitere Erfolge im Einzelfahren und der Gruppenkür im Jahr 2012.

Ausdruck, Anmut, saubere Technik und besonders die genaue Abstimmung mit dem Partner, das sind die hohen Anforderungen an eine Paarkür beim Einrad.

Bis zu sechs Mal die Woche drehen die jungen Frauen ihre Runden in der Sporthalle der Claus-von-Stauffenberg-Schule und der TSV-Halle. Sie sind ihre eigenen Trainerinnen. Vor oder nach ihrem Training nehmen sie sich sogar noch die Zeit, jüngere Einradfahrer zu trainieren.

Idee zu „Carwash“ hatte Inga

Unterstützung erhalten die beiden von ihren Familien und dem TSV, denn besonders Startgelder und Reisekosten belasten den Geldbeutel. Kostüme, Musik und Choreographie entstehen in Eigenregie. Für jede vierminütige Kür müssen sie zudem auch eine mehr oder weniger aufwändige Kulisse bauen.

Das Thema ihrer Show überlegen sich die Einradfahrerinnen immer selbst. Die Idee zu „Carwash“ hatte Inga. „Manchmal kommen die Ideen beim Stöbern in aktuellen Musikclips im Internet“, erklärt sie, auch wenn sie sich nicht mehr genau erinnert, warum sie gerade von diesem Titel so angetan war. Mit der Auswahl von Musik und Motto fängt die Arbeit erst an. Bis die Choreographie steht und einigermaßen eingeübt ist, vergehen Monate.

Mehr als elf Jahre ist es nun her, dass beide ihre Leidenschaft für das Fahren mit nur einem Rad entdeckt haben, denn so lange sind sie schon in der Einradabteilung des TSV Dudenhofen. „Ich habe damals die Einradfahrer beim Fastnachtsumzug gesehen und zu meiner Mutter gesagt: Das will ich auch“, erinnert sich Inga. Auch Karina erblickte die Räder immer bei zwei anderen Mädels in der Grundschule und wollte das auch einfach mal ausprobieren. Es sei vor allem die Vielfalt der Tricks, die die beiden am diesem Sport fasziniert und die Möglichkeit, immer wieder etwas Neues zu erfinden. Ob nun Einzel, Paar oder in der Gruppe fahren, alles habe seinen eigenen Reiz.

Bilder vom Einrad Freestyle

Generalprobe im Einrad Freestyle

„Natürlich sollte man bereits ganz sicher alleine fahren können, bevor man mit einem Partner oder in einer großen Gruppe fährt“, erklären die beiden, die seit acht Jahren Gruppenkür fahren. Besonders dankbar sind sie drei zentralen Persönlichkeiten der TSV-Einradabteilung: Bei Elke Dubberstein, der „guten Seele des Vereins“, haben sie das Fahren gelernt; Cornelia Dubberstein hat sie zum Wettkampffahren gebracht; Thomas Gossmann sorgt seit Jahren für den Feinschliff und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Der sportliche Ehrgeiz ist groß, wenn es zeitlich mit Abitur und anderen Verpflichtungen passt, möchten beide wieder zur Weltmeisterschaft, die 2014 in Kanada ausgetragen wird. Doch trotz der großen Ambitionen sind beide zwei ganz normale junge Frauen geblieben. Inga Kern strebt nach ihrem Abitur ein Medizinstudium an, Karina Lach will zur Polizei.

pep 

Quelle: op-online.de

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