Einschulung von Sarah Sofie

Der Moment des Herzklopfens

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Es ist so weit: Schulleiterin Ursula Eller hat Sarah aufgerufen. Nun geht sie zwischen den Sitzreihen hindurch zur Bühne und zu ihrer künftigen Klasse.

Dudenhofen - 400 Mädchen und Jungen in Rodgau hatten gestern ihren ersten Schultag. Wir haben eines dieser Kinder begleitet: Sarah Sofie (7) in Dudenhofen. Von Ekkehard Wolf 

Ein bisschen aufgeregt ist sie schon an diesem Morgen: Sarah hat ihren ersten Schultag. Sie zieht ein Sommerkleid und eine violette Jacke an. Von ihrer Mutter lässt sie sich einen schmalen Zopf flechten. Morgenhektik hin oder her: So viel Zeit muss sein. Dann geht’s mit Mama, Papa und der kleinen Schwester Miriam in die Kirche. Die Morgensonne lacht der Familie ins Gesicht. Gestern Nachmittag hat Sarah noch mit ihrem Freund Moritz gespielt, den sie aus dem Kindergarten „Die kleinen Strolche“ kennt. Beide kommen nun in die gleiche Schulklasse. Zum Abschied hatten die Strolche ihre Schulkinder buchstäblich aus dem Kindergarten hinausgeworfen. Sie fielen weich - auf ein dickes Kissen.

Auf dem Weg zur Kirche lacht der Familie die Sonne ins Gesicht.

Am Tag vor der Einschulung hörte sich Sarah noch ganz cool an: „Jetzt fängt der Ernst des Lebens an.“ Schon seltsam, diesen Erwachsenen-Satz aus dem Mund einer Siebenjährigen zu hören. Doch den Ernst nimmt sie nicht allzu ernst. Die Vorfreude auf das Abenteurer Lernen ist stärker. Vor allem das Lesen ist ihr wichtig, wie Sarah mit einem Seitenblick auf ihre Schwester sagt: „Dann kann ich der kleinen Kröte abends immer vorlesen - und der Mama.“ Für die Mutter ist das eine verlockende Aussicht: „Ich freue mich, wenn ich von meiner Tochter abends ins Bett gebracht werde.“ Manche Kinder können schon ein bisschen schreiben, wenn sie in die Schule kommen. Sarah gehört dazu. Erst vor ein paar Tagen hat sie ihrer Mutter einen Zettel aufs Kopfkissen gelegt: „Hallo Mama, wie geht es dir?“ Moritz hat Sarah sogar einen Brief aus dem Urlaub geschrieben: zwei Sätze und eine Zeichnung dazu.

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In ihrer neuen Schule kennen sich die beiden bereits aus. Sie haben die Ferienbetreuung besucht. Dort haben sie auch schon Freunde gefunden. Nun also der erste Schultag, der „Ernst des Lebens“. Oma wartet vor der Kirche. Später werden noch andere Verwandte dazustoßen. Im Gottesdienst werden fünf ungleiche Blumen herumgereicht. Jede Blume ist einzigartig, so wie jedes Kind etwas Besonderes ist - ein Teil der Schöpfung, gewollt, geliebt, gesegnet. Zwei Gebete, drei Lieder, der Segenszuspruch und ein Händedruck von Dekan Carsten Tag. Draußen klicken die Kameras. Eltern fotografieren wie die Weltmeister. Auch Sarahs Mutter will den Augenblick perfekt einfangen. Die Schultüte wird schwerer und schwerer, doch Sarah lächelt tapfer weiter. Dann platzt es aus ihr heraus: „Mama, wird’s mal endlich?“ Die junge Dame hat ein gesundes Selbstbewusstsein. Die Turnhalle dient als Festsaal zur Einschulungsfeier. Jedes Kind darf nur drei Gäste mitbringen, mehr erlaubt der Brandschutz nicht. Ansprache, Flötenspiel, Theaterstück. Auch hier wieder das Thema: Jedes Kind ist einzigartig. Oder, wie es die Kinder der Theater-AG singen: „Wir sind anders als ihr, ihr seid anders als wir. Na und? Das macht das Leben erst bunt.“ Dann kommt der Moment des Herzklopfens. Schulleiterin Ursula Eller ruft jedes einzelne Kind nach vorne. Auch Sarah macht sich auf den Weg. Auf der Bühne warten die anderen Kinder der Klasse Flex A. „Herzlich willkommen in der Freiherr-vom-Stein-Schule“, sagt die Schulleiterin und gibt ihr die Hand. Dann ein Händedruck von Lehrerin Stefanie Schäfer.

Ein paar Minuten später führt Stefanie Schäfer ihre Schützlinge über den Pausenhof ins Schulhaus. Im Klassenzimmer im zweiten Stock setzen sich alle in einen Kreis auf rote, gelbe und grüne Stühle. Die Lehrerin liest eine Geschichte vom ersten Schultag vor. „Leo Löwe hatte Magengrummeln“ - vom ersten Satz an ist ihr die Aufmerksamkeit sicher. Dann erzählt jedes Kind, was es am besten kann: Tuana kann gut rennen, Eduardo übt Capoeira, Moritz klettert gern und Sarah tanzt Ballett. Die Schultüten werden ausgiebig bewundert und dann fragt ein Mädchen: „Machen wir heute noch was oder sitzen wir nur?“ Das Lied „Alle Kinder lernen Lesen“, der Buchstaben-Rap und ein Gymnastiktanz bringt die ganze Gruppe in Schwung. Die Aufregung ist weg - dafür ist einfach keine Zeit mehr. Die älteren Kinder der Flex-Klasse, die vor einem Jahr eingeschult wurden, haben für die Neuen Schmetterlinge mit Lollis gebastelt. Jeder Schulanfänger hat nun einen Paten, der ihm die ersten Schritte in der neuen Umgebung erleichtern wird.

Nach der ersten Schulstunde stürmen die Kinder durch die Menge der Erwachsenen. „Die Lehrerin ist total nett“, erzählt Sarah ihren Eltern und Verwandten. Dann fragt sie: „Mama, darf ich jetzt meine Schultüte auspacken?“

Quelle: op-online.de

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