Nur noch sechs Wochen Feinkost in der Passage

Einstige Mutmacherin gibt Laden auf

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Viel Herzblut und gute Erinnerungen verbindet Ilona Jäger mit ihrem Feinkostgeschäft „Jügesheimer Culinara“ in der Rodgau-Passage. Am 13. Januar schließt sie endgültig die Ladentür zu.

Jügesheim - Ein weiteres Fachgeschäft in der Jügesheimer Ortsmitte gibt auf. „Die Kosten sind höher als der Ertrag“, bedauert Ilona Jäger, die Inhaberin des Feinkostladens „Jügesheimer Culinara“.

Nach Weihnachten beginnt der Ausverkauf. Am 13. Januar ist das Geschäft zum letzten Mal geöffnet. Vor zehn Jahren wurde Ilona Jäger als leuchtendes Vorbild gefeiert. Sie gewann den Mutmacher-Preis des hessischen Wirtschaftsministeriums. Mit 52 Jahren hatte sie sich selbstständig gemacht, nachdem sie ihre Arbeit als Chefsekretärin wegen einer betrieblichen Umstrukturierung verloren hatte.

Am 1. April 2005 eröffnete das Feinkostgeschäft an der Vordergasse, im Juli 2011 zog es in die Rodgau-Passage um. Die hellen Geschäftsräume mit großer Fensterfläche machten es leichter, das vergrößerte Sortiment zu präsentieren. Weinseminare im Wasserturm sowie Essig- und Ölseminare im Laden sorgten ebenso für den guten Ruf wie die Präsentkörbe.

Für zwei Jahre hatte das „Culinara“ sogar eine Filiale in Ober-Roden. „Dann kam die Finanzkrise im Oktober 2008“, erinnert sich Ilona Jägers Lebensgefährte Gerhard Lederer, der im Geschäft mitarbeitet: „Die hat uns beinahe beide Läden gekostet.“ Auch der Versuch mit einem eigenen Internetshop brachte nicht den erhofften Erfolg. Nach zwei Jahren verschwand der Online-Verkauf im Jahr 2015 aus dem Netz.

Für den stationären Einzelhandel in Kleinstädten sind die Zeiten hart geworden. Trotz aller Bemühungen gelang es Ilona Jäger nicht, einen Nachfolger für ihr Geschäft zu gewinnen. „Veränderungen hätten schon vor Jahren stattfinden müssen“, sagt sie. Ihre Hoffnungen auf die Innenstadtentwicklung erfüllten sich nicht: Das Projekt wurde sang- und klanglos beerdigt. Der Plan B, ein Einkaufsmarkt auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände, ist von einer Realisierung noch weit entfernt. „Die Stadt lässt sich zu viel Zeit“, kritisiert die Geschäftsfrau.

Neben der fehlenden Laufkundschaft macht dem „Culinara“ vor allem das veränderte Kaufverhalten zu schaffen. Dazu zählt nicht nur das Internet, sondern auch die Konkurrenz der Billigmärkte. Die Edelserien der Discounter enthielten teilweise „Pseudo-Feinkost“, urteilt Ilona Jäger.

Bilder: Rodgauer Adventsmarkt in Jügesheim

Bei aller Trauer über die bevorstehende Schließung blickt die 64-Jährige auch auf gute Zeiten zurück: „Es hat Freude gemacht, für die Kunden immer wieder etwas Neues zu entdecken und sie zu überraschen.“ Ein Glanzpunkt der Culinara-Geschichte war eine Autovermietung, die einen Weihnachtsauftrag über 7000 Euro buchte. „Da haben wir Tag und Nacht Pakete gepackt“, erzählt Ilona Jäger. Die Firma blieb über Jahre ein treuer Kunde.

Eine andere Firma hat noch schnell die Präsente für das komplette Jahr 2018 geordert, auch wenn dafür nur haltbare Produkte in Frage kommen. „Diesen Auftrag wickeln wir noch ab“, sagt die Feinkosthändlerin.

Mehr Sorgen macht sie sich um die Besitzer der rund 30 Einkaufsgutscheine, die noch im Umlauf sind: Wer einen Gutschein hat, sollte ihn rasch einlösen, denn am 13. Januar ist endgültig Schluss. (eh)

Quelle: op-online.de

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