Einzelhandelskonzept für Rodgau

Jügesheim soll Stadtzentrum sein

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Als Parkplatz viel zu schade: Der frühere Feuerwehrplatz im Kern von Jügesheim soll zum Einkaufszentrum werden.

Rodgau - Der Jügesheimer Ortskern mit Rodgau-Passage und angrenzender Bebauung eignet sich als Stadt- und Einkaufszentrum für ganz Rodgau. Zu diesem Schluss kommt ein Einzelhandelskonzept, ausgearbeitet vom Dortmunder Gutachterbüro „Stadt + Handel“ im Auftrag der Stadt.

Geograph Andreas Q. Schuder stellte die 35 000 Euro teure Expertise jetzt dem Bau- und Verkehrsaussschuss und den Ortsbeiräten vor. Die Analyse folgt exakt der Linie der städtischen Wirtschaftsförderung. Diese propagiert den Umbau des Jügesheimer Ortskerns zwischen Ostring, Hintergasse, Schwesternstraße und Parkfläche am Bioladen Haller zum lukrativen Einkaufsstandort. Wiederbelebt werden soll der Puiseauxplatz in Nieder-Roden, ausgebaut die bestehende Einzelhandelsfläche an der Hegelstraße und neu erschlossen eine Fläche an Kreisquerverbindung und Gutenbergstraße. In seinen Ausführungen erwähnte Schuder die Stadtteile Weiskirchen und Hainhausen mit keinem Wort.

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Schub für den Einzelhandel in Jügesheim

„Stadt + Handel“ hat Kaufkraftströme in Rodgau und Umgebung untersucht, mit Haushaltsbefragungen, Telefoninterviews und Einzelhändlerbefragungen die Einkaufsqualität ausgelotet und analysiert, wo Angebotslücken klaffen. Die Studie gibt überdies Entwicklungsempfehlungen. Die 160 Seiten belegen, dass im Schnitt nur 54 Prozent der Rodgauer Bürger hier einkaufen. Und nur vier Prozent der Kunden aus Rödermark, Dietzenbach, Seligenstadt, Obertshausen und Babenhausen kommen zum Shoppen nach Rodgau. „Erschreckend niedrig“ ist Schuder zufolge zum Beispiel die Kaufkraftbindung bei Bekleidung. Nur 38 Prozent der Rodgauer besorgen sich Anzug, Mantel & Co. in ihrem Wohnort, 62 Prozent fahren dafür in andere Kommunen. Noch schlechter sieht es bei Unterhaltungselektronik aus: 75 Prozent Kaufkraftabfluss! Ähnlich schlecht schneiden Schuhe/Lederwaren, Möbel, Uhren, Schmuck, Teppiche, Gardinen ab. Bis zum Jahr 2018 sieht „Stadt + Land“ in Rodgau für bis zu 26.200 zusätzliche Quadratmeter Verkaufsfläche gute Chancen.

Im Ortskern von Jügesheim sollten sich nach Schuders Rat „Magnetbetriebe“ (junge Mode, neue Medien, Unterhaltungselektronik) ansiedeln, um Publikumsfrequenz zu schaffen. Ratsam sei die Ansiedlung eines Vollsortimenters für Nahrungs- und Genussmittel. Platz müsse geschaffen werden für Drogerie, Kosmetik, Sportartikel, Zeitungen, Spielwaren, Uhren, Schmuck. Schuder sprach in diesem Zusammenhang von einer möglichen „Verlagerung von Bestandsbetrieben“. Diese sollten vom Neuen profitieren. In der späteren Diskussion griff Frank Berg (CDU) die Verkehrsprobleme auf, die in Jügesheim bei Realisierung dieser Ideen drohen. Schuder sagte, hierfür Lösungen zu suchen sei nicht Aufgabe seines Büros gewesen. Das müsse die Politik leisten.

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Für den Puiseauxplatz in Nieder-Roden riet der Experte hauptsächlich, einen Lebensmittelvollsortimenter als Ankermieter anzusiedeln. Dies werde aber problematisch, da sich in den dafür geeigneten Liegenschaften auch Wohnungen befänden. Der Platz müsse zur Lichtenbergstraße und Frankfurter Straße geöffnet werden. Das Parlament wird über das Einzelhandelskonzept beraten. Es soll eingebettet werden in ein großes Stadtentwicklungskonzept.

(bp)

Quelle: op-online.de

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