Rodgau

Wer im Eiswasser panisch zappelt, ist schneller tot

+
Wer im Eiswasser panisch zappelt, ist schneller tot. Spektakuläre Rettungsübung von Feuerwehr und DLRG am Wallersee.

Hilferufe gellen über den Wallersee. In der Eisdecke ist ein Loch, an dessen Rand sich ein Mann festhält. Vom Rand des Sees aus robbt ihm ein Feuerwehrmann entgegen. Als er die Eiskante erreicht, kann sich der Eingeschlossene kaum noch bewegen.

Jügesheim/Hainhausen (eh) - Der Feuerwehrmann legt ihm mühsam eine Art Rettungsring um. Auf ein Signal hin ziehen starke Männer beide in Sicherheit.

Was sich am Wochenende am Wallersee abspielte, war nur eine Übung. Bisher musste die Feuerwehr in Rodgau noch nie einen Menschen aus dem eisigen See retten, berichtet Lars Stoß von der Freiwilligen Feuerwehr Jügesheim, „aber das heißt ja nicht, dass wir es nicht üben sollten“.

Als die Einsatzkräfte vor zwei Jahren eine Eisrettung übten, dienten Leitern als improvisierte Rettungsschlitten. Diesmal hatten sie die professionelle Ausrüstung der DLRG Mühlheim dabei: wasserdichte Thermoanzüge, Rettungsschlaufen mit eingebauten Auftriebskörpern, ein Rettungsbrett und einen leichten Rettungsschlitten („Rescue Set“). In der rund dreistündigen Übung testeten zwölf Feuerwehrleute ein Teil nach dem anderen.

Vor allem die roten Schutzanzüge erwiesen sich als sinnvoll. Ursprünglich für die Arbeiter auf Ölbohrinseln gedacht, halten sie den schwimmenden Körper im eiskalten Wasser bis zu zwölf Stunden lang warm. „So etwas wollen wir auch anschaffen“, erklärte Stadtbrandinspektor Andreas Winter. Zusätzlich steht ein so genannter Gurtretter mit Klettverschluss auf der Wunschliste. Die Gesamtkosten liegen bei 5 000 Euro.

Bei der Eisrettung kommt es auf jede Sekunde an. „Man kühlt im Wasser etwa 25 Mal schneller aus als in der Luft“, erklärt Thomas Schmitt von der DLRG Mühlheim: „Wenn man sich richtig verhält, hat man eine theoretische Chance zwischen zehn und zwölf Minuten.“ Wer panisch zappelt, ist schneller tot. „Die allgemeine Regel, dass man sich im Wasser bewegen soll, gilt hier nicht“, so Schmitt: Die Wasserschicht zwischen Kleidung und Haut wirke wie ein Schutzpolster.

Für ihre Übung hatte die Feuerwehr ideale Bedingungen. Das Eis des Wallersees war 18 Zentimeter dick, so dass es mit der Kettensäge aufgeschnitten werden musste. An der stabilen Kante konnte sich das „Opfer“ gut festhalten. Im Ernstfall ist eher damit zu rechnen, dass der Untergrund unter den Rettern wegbröckelt. Deshalb rät auch die Feuerwehr dringend davon ab, zugefrorene Wasserflächen zu betreten.

Nach ihrer Übung am Wallersee hofft die Freiwillige Feuerwehr, dass sie auch eine andere Kuh vom Eis bekommt: den Neubau des Gerätehauses für Jügesheim und Hainhausen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare