Elektroautos noch zu teuer

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Beim Blick unter die Motorhaube half fachkundiger Rat erheblich.

Nieder-Roden (chz) - Statt offener Cabrios gab’s unzählige Regenschirme schon bei der Eröffnung der „Auto 2012 Rodgau“, dem großen überregionalen Autoschaufenster, an das sich am Sonntag auch noch ein verkaufsoffener Sonntag anschloss.

Im Mittelpunkt des Interesses - wenn auch nicht des Käuferinteresses - stand eh ein kleiner geschlossener Wagen, der auf keine Annehmlichkeiten wie sechs Airbags, Klimaanlage oder ESP verzichtet, aber ein gänzlich anderes Fahren bietet als mit den üblichen Brennstoffen: der Peugeot ION, das einzige reine Elektroauto mit 100 Kilometer Reichweite (danach bleibt er ohne Steckdose ultimativ stehen). Sechs Stunden Ladezeit an der normalen Steckdose, eine Stunde an Starkstrom und vor allem ganz ohne CO², also null Emission, leises Fahren und angenehmes Fahrgefühl - und 29.393 Euro teuer: das sind die Daten des Elektroflitzers. Alle fragen nach ihm – nur die wenigsten kaufen ihn; er ist zu teuer.

Verkaufsberater Dieter Leist vom Autohaus Murmann kennt den Standardspruch, mit dem viele Betrachter argumentieren: „Für das Geld krieg ich auch ein richtiges Auto.“ Renault und Peugeot haben das einzige reine Elektroauto – alle anderen sind Hybridfahrzeuge wie etwa die Modelle daneben, die mit durchschnittlich 99 Gramm CO²-Ausstoß und rund 4,3 Litern Verbrauch „recht ordentlich“ daherkommen. „Es ist die Zukunft, in zehn Jahren wird das Prinzip ausgereifter sein. Doch es ist gut, dass einer damit anfängt“, argumentiert Leist.

„Drei-Liter-Autos wird es nicht geben“

Auch Philipp Schleicher, der 1973 das Autohaus Schleicher gegründet hat und der altgedienteste Toyota-Händler im Rhein-Main-Gebiet ist, ist stolz: „Wir haben die einzigen echten Hybrid-Autos der Welt. Wenn die Stadt Rodgau sich mal an die Emissionsvorgaben halten würde, könnten wir denen viele Autos verkaufen!“ Seit 15 Jahren schon gibt’s bei Toyota Hybride. Die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor ist der Kompromiss, der mit weniger CO²-Ausstoß das Käufergewissen beruhigt. Nach Prius und Auris kommt bald der dritte im Bunde heraus: „Wenn ein Auto 3,8 Liter verbraucht – was will eine Familie denn mehr haben?

Bilder der Autoschau

Autoschau mit Regenschirm

Und wir scheuen keine Vergleiche, weil wir einfach das beste Auto haben“, schmunzelt Vater Schleicher, und Sohn Stephan ergänzt: „Drei-Liter-Autos wird es nicht geben, dafür muss man ein Auto dünn und wenig ausstatten. Die Zukunft wird sein, möglichst komfortabel mit wenig Energie zu fahren.“ Warum es bei Mazda noch kein Elektroauto gibt, begründet Lothar Scholz vom Hainburger Autohaus Römhild: „Bis 2020 werden noch 90 Prozent aller Fahrzeuge Verbrennungsmotoren haben, deshalb hat sich Mazda ganz darauf konzentriert.“ Dazu kommt das Problem, dass alle japanischen Firmen durch die Katastrophe 2011 ein halbes Jahr verloren haben – „das haben sie im Export gut überspielt, aber im Land selbst fehlt ihnen diese Zeit“.

Ansonsten hadert er mit dem Wetter: „Letzte Woche hatten wir eine Innenausstellung im Autohaus – da war’s zu heiß. Und heute dieser Regen.“

Hoch im Kurs stand auch das Gewinnspiel

Für die Besucher unter ihren Schirmen gab’s trotzdem vieles zu sehen, so etwa Vorführungen vom vollautomatischen Einparken ohne Lenken und mehr. 17 Autohäuser mit rund 120 Autos, Motorrädern, Fahrräder, Design und Zubehör bis hin zur Versicherung AvD etwa, das sind mehr Aussteller als früher – die gesamte Strecke von oberer bis unterer Marktstraße ist als Messemeile belegt. Ein attraktives Programm und die Anbindung der anliegenden Geschäfte ergänzte am Sonntag die Welt der Pferdestärken: Torschuss-Messungen, Kletterwand und Platzkonzerte, Modenschau mit allem, was vom Salon Chaarisma angeboten wurde, Kosmetik und Haarmode ebenso wie flottes Sommer-Outfit.

Hoch im Kurs stand auch das Gewinnspiel mit stündlich gezogenen Gutscheinen der Autohäuser und anliegenden Geschäfte. Schon der erste Gewinner am Samstag, Sven Kollmenter aus Nieder-Roden, freute sich über eine kostenlose TÜV- und ASU-Untersuchung. Gerade am Sonntag mit stundenweise freundlichem Wetter füllte sich der Platz schlagartig, was der Feuerwehr-Übung, der Modenschau und dem Auftritt der Musikvereine ausgesprochen gut tat.

Verantwortlich zeichnete diesmal ein Team um Thilo Emge, Michael Kemmner, Stefan Manus und Walter Stolz als nominelle Veranstalter, da der örtliche Gewerbeverein sich aufgelöst hat. Doch Walter Stolz ist sich sicher: es wird bald einen einen Gewerbeverein geben, nur im neuen Kleid und anders aufgestellt.

Quelle: op-online.de

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