Eltern kämpfen um ihre Klassenlehrerin

Nieder-Roden ‐ Der Start in die Sommerferien steht für die rund 230 Kinder der Schule am Bürgerhaus unter keinem guten Stern. Die Ungewissheit, wie es nach den Ferien weitergeht, löst Sorgen und Ängste aus. Von Ekkehard Wolf

Der Anlass: Die Grundschule verliert die Hälfte ihres Lehrerkollegiums - sechs der zwölf Lehrkräfte werden im neuen Schuljahr nicht mehr da sein.

Eine von ihnen ist die beliebte Konrektorin Gudrun Bickert, die vorerst für ein Jahr nach Dietzenbach abgeordnet wird. Die betroffenen Kinder erfuhren davon erst am Montag dieser Woche - zu kurzfristig, um einen guten Abschied zu gestalten.

Dass die Entscheidung bereits im Frühjahr festgestanden haben soll, wollte Schulleiterin Ingrid Löw gestern nicht bestätigen: „Die Abordnung ist ausgesprochen und Frau Bickert war einverstanden“, sagte die Rektorin auf Anfrage unserer Zeitung.

Der Klasse 3 c steht damit schon wieder ein Lehrerwechsel bevor. „Dies ist dann die dritte Klassenlehrerin in vier Schuljahren, ein Umstand, den niemand von uns Eltern gut heißt oder für pädagogisch sinnvoll hält“, schreiben Eltern der 3 c in einem Brief an das Staatliche Schulamt. Kontinuität und Sicherheit seien für die Kinder gerade an der Schwelle zum 4. Schuljahr wichtig. „Hier ist aus unserer Sicht nicht zum Wohle der Kinder gehandelt worden“, steht im Brief an Amtsleiter Dr.Peter Bieniussa.

Kinder hatten Tränen in den Augen

Auch die Nieder-Röder Pfarrer Dr. Peter Eckstein und Dr. Felipe Blanco Wißmann bitten die Verantwortlichen, ihre Entscheidung zu überdenken. Gudrun Bickert habe im Kontakt zwischen Schule und Kirchen „maßgebliche Impulse gesetzt“. „Das Ansehen der Schule am Bürgerhaus vor Ort hat Frau Bickert durch ihre Präsenz und ihr Engagement nachhaltig gefördert“, schreibt Eckstein an Bieniussa. Umso größer sei die Bestürzung darüber, dass die Konrektorin nun gehe.

Die kurzfristige Information der Kinder und Eltern begründet Dr. Peter Bieniussa damit, dass die Abordnung Bickerts erst jetzt endgültig vereinbart worden sei. Sie werde dort als Konrektorin gebraucht. Die Sorge der Eltern, die drei kleinen 3. Klassen würden im nächsten Schuljahr zu zwei Klassen zusammengelegt, entkräftete der Schulamtsleiter: „Die Klassen sind zwar an der Grenze, aber wir werden sie natürlich nicht im 4. Schuljahr zusammenlegen.“

Tränen in den Augen hatten auch die Kinder der Klasse 3 b. Sie müssen sich ebenfalls von ihrer Lehrerin verabschieden, deren befristeter Vertrag überraschend nicht verlängert wird. Die Grundschule verliert noch vier weitere Lehrerinnen: Eine geht in den Ruhestand, eine zweite wird abgeordnet, eine beendet ihr Referendariat und die Förderschullehrerin muss wechseln, weil es in der Bürgerhausschule ab August keine Vorklasse mehr gibt.

Dass praktisch die Hälfte des Kollegiums ausgetauscht wird, lässt die Gerüchteküche brodeln. Schulleiterin Ingrid Löw spricht von einem zufälligen Zusammentreffen mehrerer Ereignisse: „Das ist nicht schön, es gefällt mir auch nicht, aber auf der anderen Seite bekomme ich drei neue Planstellen. Da bin ich sehr glücklich darüber.“ Löw verspricht den Klassen 3 b und 3 c, die neuen Klassenlehrer/innen mit möglichst vielen Fächern einzusetzen, um einen erfolgreichen Übergang in die weiterführenden Schulen zu erreichen.

Quelle: op-online.de

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