Emotionale Fusionsdebatte

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So voll war die TGS-Halle bei einer Hauptversammlung noch nie. 292 Mitglieder kamen und stimmten ab.

Jügesheim ‐ In einer emotionalen, aber sachlichen und konstruktiven Debatte hat die Hauptversammlung der TGS Jügesheim den Kurs und groben Zeitplan einer möglichen Fusion mit TGM SV festgelegt. Breiten Raum nahmen in der mit 292 Teilnehmern gefüllten Halle am Ostring auch Diskussionen um die Diskrepanzen zwischen Vorstand und Turnern ein. Sie bilden mit 1118 Mitgliedern die bei weitem stärkste Abteilung des Großvereins. Von Bernhard Pelka

Es war letztlich ein Kompromissvorschlag von Revisor Herbert Rettner, der mit einem klaren Mandat bei nur vier Neinstimmen und fünf Enthaltungen den möglichen Fusionsweg vorzeichnete. Demnach werden Vorstand und Abteilungsleitungen ermächtigt, Gespräche mit TGM SV zu führen. Sie sollen bis 30. Juni 2011 beendet sein. Über den Sachstand wird in Sitzungen des Vereinsrats und alle zwei Monate bei Info-Treffen den Mitgliedern berichtet. Über die Ergebnisse stimmt eine Hauptversammlung ab. Diese kann den Vorstand dann auch beauftragen, einen unterschriftsreifen Fusionsvertrag vorzubereiten. Über diesen Vertrag soll gesondert in einer weiteren Hauptversammlung abgestimmt werden. Applaus fand auch der Einwurf von Karin Eckert (Turnabteilung), lediglich auf eine Kooperation hinzuarbeiten. Sie war der Meinung: „Mit einer Fusion würden wir unsere Freiheit aufgeben.“ Die Versammlung entschied sich trotzdem dafür, auf eine Fusion hinzuarbeiten.

Noch nie zuvor hatten so viele Mitglieder eine Hauptversammlung besucht. Schon das deutete den Zündstoff an, den die Themen des Abends boten. Offenbar hatte es nach dem Rücktritt der beiden Turnabteilungsleiter Frank Eser und Günter Friedrich böse Worte gegeben. Vorsitzender Dr. Jürgen Follmann und der zweite Vorsitzende Peter Döbert entschuldigten sich jedenfalls in aller Form dafür, „Leuten auf die Füße getreten“ zu sein.

Eser und Friedrich hatten sich aus Verärgerung über zu viel Einflussnahme des Vorstands auf die Abteilung zurückgezogen. Der Vereinsrat hatte daraufhin Heide Klabers kommissarisch als Abteilungsleiterin bestimmt und eine für 3. Mai angesetzte Mitgliederversammlung abgesagt. In dieser hätten wohl eigentlich die Nachfolger gewählt werden sollen. Die Turner empfanden dies als eigenmächtigen Schritt. Diese Kritik formulierten insbesondere Corinna Richter und Michael Lindner. Die Abteilungsleitung sei nicht demokratisch gewählt worden. Es könne nicht sein, „dass uns einfach jemand überantwortet wird“. Der Vorstand lasse es an Wertschätzung gegenüber den bisher Verantwortlichen vermissen. Michael Lindner ging noch einen Schritt weiter. Eine große Gruppe Turner treffe sich „unabhängig von der kommissarischen Leitung, zu der wir kein Vertrauen haben“. Die Kandidaten der Abteilung seien nicht zum Zug gekommen.

Jürgen Follmann indes verteidigte die Linie des Vereinsrats. Ein Handlungsvakuum habe verhindert werden müssen. Die Vereinsstatuten würden dies so bestimmen. Es seien aus der Abteilung keine Nachfolger namentlich benannt worden. Der Vorstand habe sich sehr wohl bei strukturellen Fragen eingemischt. Dies sei aber auch seine Aufgabe. Auch der Vorsitzende attestierte einen Vertrauensverlust. Dies habe ihm „persönlich sehr weh getan“. Er suche den Konsens. „Auch wir wollen so schnell wie möglich neu wählen. Gebt uns einfach die Namen der Kandidaten. Sie sind bisher nicht bekannt.“ Bei fünf Neinstimmen und 28 Enthaltungen entschied die Versammlung, der Vorstand solle die im Mai abgesetzte Mitgliederversammlung bis 30. Juni nachholen. Dann werde eine neue Abteilungsleitung gewählt, die der Vorstand als geschäftsführend bis zur Bestätigung durch die nächste Hauptversammlung zu akzeptieren habe.

Schatzmeister Lothar Mark berichtete nicht nur von einem erfolgreichen Geschäftsjahr, sondern appellierte auch an alle Beteiligten, man solle nun „wieder zusammenfinden“. Der Vorstand wurde bei drei Enthaltungen entlastet. Marco Kern rückt als Revisor nach. Christoph Hein ergänzt das Team Öffentlichkeitsarbeit und Boris Jost bereichert den Jugendvorstand. Das ergaben die Nachwahlen.

Quelle: op-online.de

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