Anton Fecher hat sein 1936 vom Vater gegründetes Fahrradgeschäft geschlossen

Das Ende einer Tradition

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Gestern fiel der Hammer. Anton Fecher schloss sein gleichnamiges Fahrradhaus an der Weiskircher Straße.

Jügesheim (pul) ‐ In Jügesheim ist an der Weiskircher Straße eine Tradition zu Ende gegangen. Denn heute lässt Anton Fecher (73) aus Altersgründen die Arbeit für immer ruhen. Der Familienbetrieb des Fahrradexperten verfehlt damit das Erreichen des 75-Jahre-Jubiläum ganz knapp. Im Jahr 2011 wäre es so weit gewesen. 1936 begann der Vater des heutigen Firmeninhabers in der Weiskircher Straße 36 mit der Reparatur von Drahteseln. Damals spielte sich das noch in der Waschküche ab, wie Anton Fecher heute über den Firmenstart seines Vaters berichtet.

Kurze Zeit später reparierte der Firmengründer die Räder der Giesemer im Borngässchen. Dann hieß es auch dort in Jügesheims Mitte die sieben Sachen packen und in die Weiskircher Straße 45 umzuziehen. Dort ist bis heute der Firmensitz, inzwischen ergänzt durch eine Werkstatt und Verkaufsräume im Ladengeschäft im Hof.

Die Zeiten, in denen Vater August Fecher zehn bis 15 Räder zum Verkauf in einer Stube des Wohnhauses ausstellte, sind lange vorbei. Trotzdem erinnern sich noch viele Kunden an die Verkaufsgespräche innerhalb der bewohnten vier Wände.

Die Entwicklung ging aber immer weiter. Den Trend zur Motorisierung in Zeiten des Wirtschaftswunders gingen die Fechers mit: Vespa und Moped ab den 60-ern, folgten Kleinkrafträder und schließlich Roller, mit denen Anton und Anni Fecher bis in die 90-er Jahre hinein Jügesheim mobil machten.

Dazwischen lagen diverse Trends, wie die Mountainbike-Ära oder die 70-er Jahre. „Damals wurde man ausgelacht, wenn man Rad gefahren ist“, denkt Anton Fecher zurück. „Nur das Auto und das Moped galt etwas.“ Wie die Zeiten sich ändern.

Der Gesundheitstrend ein Jahrzehnt später sorgte wieder für mehr Radler auf Jügesheims Straßen, und auch Anton Fecher blieb seinem Hobby treu, dem Rennradfahren. Touren von bis zu 150 Kilometern Länge führten ihn in den Odenwald oder in die Rhön.

Ab heute hat der rüstige Senior wieder mehr Zeit für solche Ausritte. Und ganz sicher wird er sie genießen.

Quelle: op-online.de

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