Geschicklichkeit statt Tempo gefragt

Enduro-Cup: Offroad-Wettbewerb am Badesee

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Beim Geländefahren kann auch mal nass werden: Bei der Fahrt durch die Wassergrube spritzt die schmutzige Brühe meterweit. - Fotos:

Nieder-Roden - Als perfekte Offroad-Strecke für Motorradfahrer erwies sich der Badesee-Parkplatz am Wochenende. Mehr als 50 Enduro-Fahrer bewiesen an neun Stationen, wie gut sie ihre geländegängigen Maschinen beherrschen. Die Besten erhielten Wanderpokale. Von Ekkehard Wolf 

Rückwärts Einparken ist gar nicht so einfach, wenn man 200 Kilogramm Motorrad auf Sandboden leicht bergauf schieben muss. Die zierliche Fahrerin stemmt sich mit aller Kraft in den Sandboden. Ihre Maschine bewegt sich nur wenige Zentimeter weit, dann steckt sie fest. „Nimm mehr Anlauf“, rät die Wettkampfrichterin. Beim vierten Versuch steht das Fahrzeug schließlich in der Parklücke. Auch die nächste Übung ist schwieriger als sie aussieht: Beim Versuch, einmal um das stehende Motorrad herumzugehen, gerät so manche Maschine in Schieflage. Wer lange Arme hat, ist klar im Vorteil. Mit kurzen Armen schafft man das kaum, denn die Festhaltemöglichkeiten sind begrenzt. Hinzu kommt die Aufregung: „Bei normalem Puls ist das immer total easy“, sagt ein junger Mann, der sich redlich abmüht.

Auf der Wippe müssen Tempo und Balance stimmen.

Die spektakulärste Station des Parcours ist die Wassergrube. Mit einem Kleinbagger haben die Veranstalter eine 30 Zentimeter tiefe Pfütze ausgehoben. Da hilft nur eines: Anlauf nehmen, Lenker festhalten und mit mittlerer Geschwindigkeit geradeaus durch. Die Brühe spritzt und die Enduro-Fahrer lachen: Das ist Offroad-Feeling pur. Die Matschspur nach der Grube wird mit jedem Durchgang ein bisschen tiefer. Bei anderen Aufgaben kommt man mit Tempo nicht weiter. Im Strohballen-Slalom sind Millimeterarbeit und Blickführung gefragt. Wer zu schnell ist, fliegt raus. Das gilt auch für die Sandkurve, die gemeinste Station des ganzen Wettkampfs. Nur wenige schaffen es fehlerfrei, zwischen den roten Hütchen hindurchzufahren. Einsetzender Nieselregen macht diese Übung nur unwesentlich leichter. Aber wenigstens wirbelt nicht mehr jeder Fahrer eine Staubwolke auf.

Wer sein Fahrzeug beherrscht, kann damit auch über eine Wippe oder über eine improvisierte Brücke fahren. Als Herausforderung erweist sich ein zehn Zentimeter schmaler Holzbalken, der der Länge nach überquert werden muss. Wer den Anfangspunkt nicht trifft oder sein Bike nicht exakt geradeaus hält, kassiert unweigerlich Fehlerpunkte. Die Station mit dem Wasserbecher ist auch nicht ganz ohne: Mit einem Becher voll Wasser in der Hand muss man einhändig einen Baum umrunden, ohne etwas zu verschütten. „Es geht nicht um Speed, sondern darum, die Aufgaben anständig zu lösen“, sagt Heike Jochimsen. Die begeisterte Motorradfahrerin organisiert in ihrer Freizeit geführte Touren – und nun schon zum zweiten Mal den Rodgauer Enduro-Cup. Den Geschicklichkeitswettbewerb am Badesee hält sie für ziemlich einmalig: „In dieser Art gibt‘s das nirgends, soviel ich weiß.“ Die Teilnehmer kommen aus einem Gebiet, das sich bis in den Westerwald und nach München erstreckt.

Enduro-Cup 2017 am Badesee Rodgau: Bilder

Im Gelände unterwegs zu sein, bedeutet für Enduro-Biker die große Freiheit auf zwei Rädern. Die Möglichkeiten dafür sind aber begrenzt. „Man kann fast nirgends offroad fahren, wenn man nicht in einem Verein ist“, bedauert Heike Jochimsen. Das Können, das beim Enduro-Cup geprüft wird, ist auch im Alltag auf der Straße wichtig. „Zum Beispiel: Krieg‘ ich meine dicke BMW auch um die Kurve? Kann ich sie auf kleinstem Kreis wenden oder muss ich mir tagelang überlegen, wo ich einparke?“ Zwei Durchgänge absolvieren die Enduro-Fahrer auf der Offroad-Piste am Badesee. Einen ganzen Tag lang genießen sie das Zusammensein mit Gleichgesinnten. Die Gespräche drehen sich um die Maschinen und um alles, was man damit erleben kann. Bei einem Ratespiel müssen die Teilnehmer typische Gerüche erkennen (Altöl, Bremsflüssigkeit) sowie Zündkerzen und andere Teile erfühlen.

Wie viel Arbeit hinter dem Enduro-Cup steckt, bekommen die Fahrer kaum mit. „Es dauert Wochen, bis man sämtliche Genehmigungen zusammen hat“, erzählt Heike Jochimsen. Lobend erwähnt sie die Zusammenarbeit mit der Stadt Rodgau. Die Stadt sei sehr aufgeschlossen und kooperativ. Einzige Bedingung: Die Veranstalter müssen die Parkplätze wieder so herrichten, wie sie vorher waren. Schließlich beginnt in wenigen Tagen die Strandbadsaison.

Quelle: op-online.de

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