Tonnenschweres Präsent aus Marburg

Englische Telefonzelle soll zum Bücherschrank werden

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Profis bei der Arbeit: Mitarbeiter der Stadtwerke bringen die tonnenschwere Telefonzelle vom Lastwagen in die Lagerhalle.

Rodgau - Der nächste Bücherschrank ist nicht blau, sondern rot. Dem Max-Planck-Institut in Marburg hat die Stadt Rodgau eine englische Telefonzelle zu verdanken. Der Transport wurde zum Problem: Das Ding ist aus Gusseisen und wiegt eine Tonne. Von Ekkehard Wolf

Ausrangierte Telefonzellen dienen in Rodgau seit fünf Jahren als öffentliche Bücherschränke. Eine Zelle aus dem Vereinigten Königreich gibt es hier noch nicht. „Bei Abholung kostenlos abzugeben“ – wer wollte da Nein sagen? Das gute Stück lag am Lieferanteneingang des Max-Planck-Instituts (MPI) für terrestrische Mikrobiologie in Marburg. Ein Rodgauer, der dort regelmäßig beruflich zu tun hat, machte die Stadtverwaltung darauf aufmerksam. Das MPI gab die Maße durch (93 x 93 x 255 Zentimeter), aber kein Gewicht. Nur eines war klar: Gusseisen ist schwerer als Kunststoff. „Wir haben sie mal auf 600 bis 700 Kilogramm geschätzt“, sagt Gerrit Kratz vom Fachbereich kommunales Bildungsmanagement im Rathaus. Zum Vergleich: Ein gelbes Telefonhäuschen aus Deutschland, Modell Tel H 78, bringt um die 400 Kilo auf die Waage.

Eine Rodgauer Spedition scheiterte beim Versuch, das gewichtige Geschenk in Marburg abzuholen: Die Hubladebühne des Lasters versagte ihren Dienst. Die „Telephone Box“ mitsamt zwei Hubwagen für den Transport war offensichtlich schwerer als eine Tonne. Der Speditionsfahrer setzte die Ladung wieder ab.

Die Stadtwerke Rodgau wussten Rat: Sie verfügen über einen Lastwagen mit einem besonders starken Kranausleger, der mehr als 1 300 Kilogramm heben kann. Erfahrene Mitarbeiter des städtischen Betriebs fuhren nach Mittelhessen. Mit Schwerlastgurten gelang es ihnen, das Monstrum auf die Pritsche zu hieven. „Es ging schneller als gedacht“, verkündeten Jürgen Kramolowski, Peter Böschow und Frank Grünberg, als die begehrte Fracht vor der Stadtwerke-Halle in Jügesheim abgeladen wurde.

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„Das war schon ein spannendes Projekt“, sagt Gerrit Kratz: „Ich weiß jetzt viele Dinge über englische Telefonzellen, die ich vorher nicht musste.“ Aber noch ist eine entscheidende Frage offen: Wie richtet man eine tonnenschwere englische Telefonzelle so auf, dass sie gerade auf dem Fundament steht? Die alten Telefonhäuschen der Bundespost haben vier Ösen an der Oberseite, mit denen man sie an den Kran hängen kann.

Der genaue Standort für den neuen Bücherschrank steht noch nicht fest. „Wir denken über Dudenhofen nach“, so Kratz. Auch über die Farbe ist noch nicht entschieden: Soll das originale Rot bleiben oder wird Rodgauer Blau darüberlackiert?

Quelle: op-online.de

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