Engpass in der Hintergasse

Jügesheim (bp) - Langsam tastet sich der silberne Golf in der Hintergasse Richtung Schwesternstraße vor. Rechts neben ihm ein Radfahrer, auf der entgegenkommenden Spur ein roter Peugeot. Zwischendrin noch eine Mutter mit Kinderwagen. Das wird knapp.

Nur mit Müh und Not kommen die Pkw aneinander vorbei. Solche Szenen spielen sich in der Hintergasse laufend ab. Ganz eng wird’s, sobald Kleintransporter (oder sogar 7,5-Tonner) Pakete oder Waren zustellen. Der Ortsbeirat Jügesheim hat sich während einer Ortsbegehung jetzt mit diesem Engpass befasst. Wie kann die Verkehrssituation in Hinter-, Vorder- und Kirchgasse verbessert werden? Das war die Frage, die Ortsvorsteher Gert Schmalenbach und seine Kollegen aus dem Ortsbeirat sowie Elfi Ziebold und Simone Lapointe von der Stadtverwaltung auf ihrem Weg durch den Ortskern begleitete.

Dabei prallten gegensätzliche Meinungen aufeinander. Während Gert Schmalenbach (SPD) anregte, die vor etwa zehn Jahren aufgehobene Einbahregelung wieder aufleben zu lassen, ergriffen Heino Reckließ (FDP) und Herbert Massoth (CDU) Partei für die Geschäftsleute und Autofahrer. Schmalenbach plädierte dafür, im Zuge eines Pilotprojekts an Markttagen, die Vordergasse bis zur Rathausgarage in Richtung Süden zur Einbahnstraße zu machen, die Kirchgasse zu sperren, und die Hintergasse Richtung Metzgerei Hiller als Einbahnstraße auszuweisen. Dieser Versuch solle Erkenntnisse darüber bringen, wie Autofahrer die Neuregelung annehmen. Heino Reckließ hingegen appellierte, man solle um der Sicherheit Willen alles beim Alten belassen. „Hier ist noch nie etwas passiert. Wenn man den gegenläufigen Autoverkehr verbietet und stattdessen Einbahnregelungen trifft, werden die Autos viel schneller fahren als bisher. Sobald der Verkehr ungehindert fließen kann, wird es gefährlicher.“

Die Einbahnregelung dreht „Geschäftsleuten den Hahn zu“

Dies zeigten Erfahrungen in anderen Städten. Außerdem drehe die Einbahnregelung „Geschäftsleuten den Hahn zu“. Kunden würden die weiteren Wege nicht annehmen. Das Argument von Gisela Schmalenbach, außerhalb des Ortskerns stünden in einer Entfernung von fünf bis sieben Minuten Fußweg ausreichend Parkplätze bereit, zweifelte Herbert Massoth an: „Man muss die Autofahrer fahren lassen.“

Zu einer Entscheidung kam der Ortsbeirat nicht. Eventuell wird es zu diesem Thema in dessen nächster Sitzung am 26. Januar 2012 einen Antrag geben. Entscheiden kann die Frage „Einbahnstraße oder nicht“ ohnehin nur die örtliche Straßenverkehrsbehörde. Nicht einmal das Stadtparlament muss dazu befragt werden.

Quelle: op-online.de

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