Entsorgung krankt - Apotheker lehnen Altmedikamente ab

Rodgau (eh) ‐ Viele Apotheken nehmen abgelaufene Medikamente ihrer Kunden nicht mehr zurück. Ein bundesweit tätiger Entsorger hat sich nach 15 Jahren aus der Abfuhr der Altmedikamente zurückgezogen. Apothekerverbände verhandeln mit der Pharmaindustrie über eine neue Lösung.

Wir haben die Altmedikamente säckeweise hier stehen, aber sie werden nicht mehr abgeholt“, berichtet Apotheker Rudolf Kern in Rodgau. 20 Säcke stapeln sich im Lager, nun ist der Platz erschöpft.

Auch andere Apotheker nehmen keine Pillen, Säfte und Zäpfchen mehr zurück, weil die Entsorgung krankt. „Es ist eine sinnvolle Dienstleistung gewesen, die die Apotheker gern angeboten haben“, sagt Kirsten Müller-Kuhl vom Hessischen Apothekerverband (Offenbach). Die kostenlose Rücknahme habe viele Kunden dazu gebracht, ihre Arzneibestände zu durchforsten.

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Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände verhandelt mit Pharmaherstellern und Entsorgern, um einen neuen Entsorgungsweg zu finden. Unter dem Namen „Remedica“ hatte die Vfw AG (Köln) seit 1994 Altmedikamente und Verpackungen abgeholt. Papier- und Kunststoffabfälle wurden als Wertstoffe verkauft, die Pillen wurden vernichtet.

Wohin nun mit den abgelaufenen Medikamenten? Auf diese Frage erhalten Bürger ein verwirrendes Spektrum unterschiedlicher Antworten. Die Rhein-Main Abfall GmbH rät auf ihrer Internetseite, Arzneimittel am Schadstoffmobil abzugeben. Der Hessische Apothekerverband hingegen berichtet, das Umweltministerium zähle Altmedikamente zum normalen Hausmüll. Verbandssprecherin Müller-Kuhl rät, Tabletten aus ihren Verpackungen zu drücken und in nasses Zeitungspapier einzuschlagen, damit sie bereits in der Tonne verrotten.

Quelle: op-online.de

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