Erdbeerdieb lässt nicht locker

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Seit zwei Tagen werden am Sandhof die ersten Erdbeeren der Saison geerntet. Raluca Morar und ihre Kolleginnen pflücken die schmackhaften Früchte. Auch Beeren zum Selbstpflücken werden angeboten - doch immer wieder meinen schwarze Schafe, sie könnten sich kostenlos bedienen.

Rodgau - Früher als im letzten Jahr hat die Erdbeer-Ernte begonnen. Die Freude über die roten Früchte wird von einem unangenehmen Zeitgenossen überschattet. Von Ekkehard Wolf

Ein Erdbeerdieb, der vor zwei Jahren das Angebot „Erdbeeren zum Selberpflücken“ allzu wörtlich genommen hat, traktiert seither die Inhaber des Jügesheimer Sandhofs mit Geldforderungen.  „Mit normalem Menschenverstand ist der Sache nicht mehr beizukommen“, meint Obstbaumeister Dan Fischer. Denn der dreiste Dieb versucht ausgerechnet den Bestohlenen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Aber warum? Dummheit kann man ihm schwerlich unterstellen, immerhin unterschreibt der Mann seine Briefe mit dem Zusatz: „Diplomingenieur“.

Nicht Getier macht sich an den leckeren Früchten zu schaffen, sondern ein Erdbeerdieb klaut die Ernte.

Eines frühen Abends hatte Gesa Fischer den Erdbeerdieb auf frischer Tat ertappt. Ein anderer hätte vielleicht seinen Fehler eingestanden, um Verzeihung gebeten und die gepflückten Beeren bezahlt. Nicht so der Langfinger aus Nieder-Roden. Die Landwirtin nahm ihm daraufhin die Tupperschüssel mit den Erdbeeren weg. Doch der Übeltäter ging zur Polizei. Er bezichtigte Gesa Fischer der Unterschlagung und des Diebstahls, schließlich war er seinen Plastikbehälter los. Gleichzeitig zeigte er sich selbst wegen der Erdbeeren an.

Sein Tupper-Teil hat der Mann längst wieder. Gesa Fischer brachte es zum Polizeiposten, als sie dort zu dem „Fall“ aussagte.

Fast zwei Jahre ist das jetzt her. Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Akten längst geschlossen: „Ein öffentliches Interesse, das die Strafverfolgung gebietet, liegt nicht vor.“ Doch dem Ingenieur ist nichts zu schwör: Er schreibt unfreundliche Briefe an das Ehepaar Fischer, schickt Rechnungen und Mahnungen, droht rechtliche Schritte an.

Den Kernpunkt seiner Forderungen bildet die Tupperschüssel, die der Mann längst wieder in Besitz hat. Dennoch verlangt er dafür 15 Euro - plus Fahrspesen zur Polizei, angeblichen Verdienstausfall, und, und, und. Seine Forderung wächst munter weiter, inzwischen beläuft sie sich auf stolze 33,74 Euro - für nichts!

Dabei geriert sich der Erdbeerdieb als korrekter Bürger, der sogar einen fotokopierten Kontoauszug verschickt, um die stolze Höhe der geforderten Verzugszinsen (13,5 - 13,75 Prozent) zu belegen - als sei Gesa Fischer schuld daran, dass der Mann sein Girokonto bei der Sparkasse überzogen hatte. Dass er den „mir zustehenden Betrag“ in Aktien einer asiatischen Solarfirma investierte, war ebenfalls seine private Entscheidung. Auch an der Börse hatte der Erdbeerdieb Pech: Der Kurs der Aktie hat sich seither halbiert.

Quelle: op-online.de

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