Gründerpreis für Hochschullehrer aus Rodgau

Erfindung für sichereres Telefonieren

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Prof. Michael Massoth.

Rodgau - Vertrauen ist gut, ein Ausweis ist besser: Wer einen neuen Telefondienst namens „Secco“ nutzt, weiß künftig ganz genau, mit wem er telefoniert.

Der aus Rodgau stammende Michael Massoth und ein Team der Hochschule Darmstadt haben für diese Erfindung jetzt einen Preis des Bundeswirtschaftsministeriums erhalten. Die neue Technik ermöglicht nicht nur rechtsverbindliche Geschäfte per Telefon. Massoth: „Vielleicht ist es auch die richtige Antwort auf all diese Abhörskandale. “.

Michael Massoth (47) ist Professor für Telekommunikation in Darmstadt. Er hat ein Diplom in Physik, ist Doktor der Naturwissenschaften und verfügt über Berufserfahrung in der Mobilfunkindustrie. Als junger Mann wollte er Physiklehrer werden.

Schon früher "Jugend-forscht"-Preise abgeräumt

Schon zu seiner Schulzeit an der Claus-von-Stauffenberg-Schule (CvSS) hatte er Lust am Forschen, Tüfteln und Erfinden. Mit zwei Mitschülern wurde er 1987 Bundessieger im Wettbewerb „Jugend forscht“. Dem Trio gelang der Nachweis, dass ein Zucker-Einkristall Protonen leitet. „Das war ein bisschen Grundlagenforschung für die Wasserstofftechnik“, erzählt Massoth. Zuvor hatten sich die Gymnasiasten in der Chaosforschung getummelt und einen nicht-linearen elektrischen Schwingkreis konstruiert: „Wir waren dem damaligen Forschungsstand nur ein halbes Jahr hinterher.“

Jetzt steht das Team um Michael Massoth technologisch ganz an der Spitze. Das „Secco“-System verbindet ein Smartphone mit dem neuen Personalausweis, wie er seit November 2010 ausgegeben wird. Es ermöglicht einen einfachen, sicheren und zuverlässigen Identitätsnachweis per Telefon. „Stimmen kann man imitieren und fremde Anrufer kann man nicht an der Stimme identifizieren“, erklärt Massoth. In Zukunft lässt sich eindeutig klären, wer gerade mit wem telefoniert – aber nur, wenn beide Gesprächspartner das wollen und ihre Ausweise ans Smartphone halten.

Verschlüsselte Sprach- und Datenverbindung

Etwa 13 Millionen neue Personalausweise sind in Umlauf. Sie enthalten eine elektronische Identitätsfunktion. Bisher gibt es dafür aber nur wenige sinnvolle Anwendungen, etwa die Kontoeröffnung bei Onlinebanken. Wer sie nutzen will, muss einen Computer mit Internetzugang besitzen und ein spezielles Lesegerät kaufen.

„Unsere innovative Idee war, dass wir den Sprachkanal dazu genommen haben“, erklärt Michael Massoth. „Wir haben eine verschlüsselte, sichere Sprachverbindung. Zusätzlich haben wir eine verschlüsselte Datenverbindung auf einem sehr hohen Sicherheitsniveau.“ Dabei würden nur diejenigen Ausweisdaten übertragen, die wirklich benötigt würden. Zum Beispiel sei es für den Nachweis der Volljährigkeit nicht nötig, das genaue Geburtsdatum zu kennen.

„Der neue Personalausweis ist bei Weitem sicherer als jede Kreditkarte“, betont Massoth, „er ist das Sicherste, was wir haben.“ Selbst der Chaos-Computer-Club habe es in drei Jahren nicht geschafft, ihn zu knacken.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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Mit dem neuen Telefondienst „Secco“ lässt sich vielleicht viel Geld verdienen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dem Darmstädter Team unter rund 260 Bewerbern einen von vier Hauptpreisen im „IKT Innovativ-Gründerwettbewerb“ zuerkannt. Die Auszeichnung wurde am Mittwoch auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin überreicht. Das Preisgeld von 30 000 Euro ist als Startkapital zur Gründung eines Unternehmens gedacht. Michael Massoth begnügt sich dabei mit der Rolle des Mentors.

Neben Forschung und Lehre lässt der 47-Jährige den Kontakt zu seiner alten Schule nicht abreißen. Von Zeit zu Zeit lässt er sich in der Claus-von-Stauffenberg-Schule sehen, sei es beim Ehemaligentreffen oder als Vortragender zum Thema „Studieren in Darmstadt“.

(eh)

Quelle: op-online.de

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