Erste Hilfe für Vögel

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Einfach lecker! Das Amseljunge lässt es sich bei Vogelmama Irmgard Rebhan richtig gut gehen.

Weiskirchen - Kaum nähert sich Irmgard Rebhan dem Vogelkäfig, fängt die Amsel darin wild zu betteln an. Sie sperrt den Schnabel auf, schlägt mit den Flügeln und piepst energisch. Der kleine Zögling macht im wahrsten Wortsinn mächtig Wind. Von Bernhard Pelka

„Sie hat Hunger“, sagt die Weiskircher Vogelmama - und füttert diverse Maden. Pro Saison zieht Irmgard Rebhan etwa 100 Vögel groß.

Ihre Patienten kommen meist aus dem Kreis Offenbach, aber selbst aus Heidelberg und Mannheim erhält sie Pflegefälle. Ohne ihre Hilfe würden die Kleinen umkommen. Aus dem Nest gefallen, Mutter und Vater tot oder einen Angriff von Elstern gerade noch überlebt: Das Schicksal hat den Findel-Vögeln meist übel mitgespielt.

Küken auf dem Außengelände der Kita entdeckt

Eine solch traurige Geschichte hat neulich auch die Kinder der Kita Rollwald mit der Vogelschützerin in Kontakt gebracht. Die Kleinen hatten ein Küken auf dem Außengelände ihrer Kita entdeckt. Verängstigt hockte es zwischen Rindenmulch. Später fanden sie im Baum ein Nest mit vier Geschwistern - und keine Eltern. Dafür hatte morgens ein toter Vogel vor dem Schlafraum der Kita gelegen. Er war gegen das Fenster geflogen. War das der nun so schmerzlich vermisste Muttervogel?

Über Petra Simon von der Wildtierauffangstation Dudenhofen gelangten die Kinder an Irmgard Rebhan. Sie übernahm die Aufzucht der kleinen Mönchsgrasmücken, von denen letztlich nur zwei überlebten.

Mitglied im Verein Wildtierarche Rodgau

Die Tierschützerin ist Mitglied im Verein Wildtierarche Rodgau und kümmert sich zuhause seit zwei Jahren um die Aufzucht des gestrandeten Nachwuchses. Viele Rodgauer kennen sie - und bringen ihr verletzte und elternlose Vögel. Dieser Tage erst musste sie sich um eine Taube mit einer Schussverletzung kümmern - ohne Erfolg. Das Tier starb. „Das Schlimme ist auch, dass sich jetzt der Vater alleine um die Jungen kümmern muss. Das wird eng.“

Die ganz kleinen Pfleglinge der Weiskircher Vogelmutter kommen zunächst in ein Wärmebettchen (Plastik-Box mit durchsichtigem Deckel, die auf einer Wärmematte steht). Später folgen der Wechsel in einen normalen Käfig und schließlich in die Außenvoliere - und dann die Auswilderung.

Jedesmal ein spannender Moment

Das ist jedesmal ein spannender Moment. Schließlich sind die Zöglinge die freie Wildbahn nicht gewöhnt und entsprechend orientierungslos. Diesen Moment nutzen Elstern gern, um sich die verunsicherten Vögelchen zu schnappen und tot zu hacken. „Ich kann an solchen Tagen nicht aus dem Haus gehen, weil ich die Kleinen wie eine Glucke bewache“, schildert die Vogelmutter ihr aufwändiges Ehrenamt. Das Engagement erhöht die Überlebensrate allerdings deutlich.

Selbst wenn es sich bei den ausgewilderten Vögeln um Wildtiere handelt, kommen manche auch noch lange nach ihrem Weg in die Freiheit zu Irmgard Rebhan zurück, um sich bemuttern zulassen. Zum Beispiel ihr erster Pflegefall, eine Taube. „Die heißt Paloma und bringt sogar ihren Partner mit.“ Und das immer pünktlich zum Essen - natürlich.

Quelle: op-online.de

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