Ortsverein des Kinderschutzbunds besteht seit 40 Jahren

Erziehen ist nicht kinderleicht

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Mit den Figuren wird das Erzählen leichter: Heilpädagogin Martina Hubert und die Rodgauer Ortsvereinsvorsitzende Sybille Stallmann-Beseler (rechts) des Deutschen Kinderschutzbunds setzen sich für die Entlastung und Unterstützung von Familien ein.

Weiskirchen - Seit 40 Jahren setzt sich der Ortsverband Rodgau des Deutschen Kinderschutzbunds für Kinder, Jugendliche und Familien ein. Die Familienberatungsstelle ist dabei das Zentrum der Arbeit. Von Simone Weil 

Seit 25 Jahren gibt es die gemeinsame Beratungsstelle der Ortsverbände Rödermark und Rodgau. An zwei Standorten (Am Schellbusch 1 in der Halle Urberach und im ehemaligen Rathaus Weiskirchen in der Schillerstraße 27b) holen sich Eltern, Großeltern, aber auch Fachkräfte Rat. Außerdem gibt es regelmäßig Sprechzeiten in Kindertagsstätten, Schulen und Familienzentren. „Erziehen ist nicht kinderleicht“, sagt Vorstandsfrau Sybille Stallmann-Beseler. Deswegen brauche es Hilfe und Unterstützung. Wer die Angebote annehme, habe keinen Grund, sich zu schämen, argumentiert sie. „Wer sich traut, kann nur profitieren“, ist sich Heilpädagogin Martina Hubert sicher.

Allerdings gibt es in der Beratungsstelle keine fertigen Rezepte aus dem goldenen Buch der Erziehung. Stattdessen gibt es individuelle Tipps und Hausaufgaben wie etwa intensiv miteinander zu reden, Zuhören üben oder sich bestimmte Verhaltensweisen bewusst zu machen. Die Idee dahinter: Vorbeugen, Eltern und Familien entlasten und stärken ist besser, als dass die Situation eskaliert und es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. In insgesamt 234 Fällen halfen die beiden Beraterinnen des Kinderschutzbundes im vergangenen Jahr. In 890 Beratungseinheiten von jeweils 45 Minuten waren die wichtigsten Themen Trennung/Scheidung, Verhaltensauffälligkeiten sowie allgemeine Erziehungsprobleme.

Der Bedarf steigt: Die beiden Pädagoginnen, die jeweils 20 Wochenstunden arbeiten, sind ausgelastet. „Schon im vergangenen Jahr dachten wir, es geht nichts mehr“, berichtet Martina Hubert. Dennoch sei ein erster Beratungstermin innerhalb von vier Wochen zu bekommen, sagt die Kinder- und Jugendtherapeutin. In akuten Fällen gehe es auch schneller. Auffällig war bereits im Jahr 2015, dass mehr vollständige Familien Rat suchten: Möglicherweise nutzen Eltern, die sich trennen wollen, früher das Beratungsangebot, um zu einer guten Regelung im Umgang mit dem Kind zu kommen, nehmen die Mitarbeiterinnen an.

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Mobbing in der Schule, Erziehungsunsicherheiten beim Umgang mit Trotz und Aggressionen oder die Ängste der Kinder davor, dass der Papa nach der Trennung aus ihrem Leben verschwindet: In all diesen Fällen entlasten die Beratungen die Betroffenen. Dabei kann der Blick von außen helfen oder dass Befürchtungen erst einmal ausgesprochen werden. Ein Instrument, dass es insbesondere Kindern bis zum zehnten Lebensjahr erleichtert, sich auszudrücken, können die hölzernen Spielfiguren sein. Damit beschreiben sie zunächst den Ist-Zustand, um später zu zeigen, was sie sich eigentlich wünschen.

Das 40-jährige Bestehen will der Ortsverein Rodgau zum Anlass nehmen, um die Werbetrommel zu rühren und 40 neue Mitglieder zu gewinnen. Insbesondere die Präventionsarbeit wird durch Spenden finanziert, während die Beratung in Rodgau und Rödermark aus Kreismitteln gefördert wird. Zur Präventionsarbeit zählen Vorträge und ein Elternkurs „Starke Eltern, starke Kinder“ sowie das Entlastungsangebot „Wellcome“ für junge Familien mit Babys und eine sozialpädagogische Gruppenarbeit an einer Grundschule, das Inselprojekt.

Information: Tel.: 06106/62186 und www.kinderschutzbund-rodgau-roedermark.de

Quelle: op-online.de

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