Essensfahrerin Petra May muss gut zu Fuß sein

Zehn Jahre Johanniter-Menüservice: Warme Speisen im Minutentakt

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Die fertig verpackten Mahlzeiten erreichen die Johanniter in tiefgefrorenem Zustand. Morgens um 8.45 Uhr schmeißt Petra May den Heißluftofen an. Dann garen die Portionen bei 85 Grad 70 Minuten.

Rodgau - Wer nicht mehr regelmäßig kochen kann oder möchte, der findet im Menüservice der Johanniter Unfallhilfe eine bequeme und schmackhafte Alternative. Wir haben eine Essensausfahrerin auf einer Morgen-Tour begleitet. Von Bernhard Pelka 

„Was hat die Gute denn heute?“ Ihrer Frage lässt Petra May einen geübten Blick auf die Tourenliste folgen, die auf dem Armaturenbrett des kleinen Ford Ka liegt. „Einmal Menü eins.“ Raus aus dem Wagen, zum Kofferraum, Essensbox greifen, dann zur Haustür, klingeln, ein paar Stufen hoch. Dort oben wartet die Kundin schon an der geöffneten Haustür. Begleitet von einem freundlichen „Hallo, wie geht es Ihnen heute?“, überreicht die Essensausfahrerin der Frau die gut verpackte Mahlzeit – und verabschiedet sich mit den besten Wünschen für den Tag.

Manche Kunden bekommen ihr Essen auf den Küchentisch geliefert, andere bevorzugen es, die Mahlzeit an der Wohnungstür in Empfang zu nehmen.

So geht das im Minutentakt. Die Strecken, die Petra May zwischen den Kunden einer Rodgautour täglich fährt, sind kurz. Nach jedem Halt geht es treppauf, treppab. „Wer meinen Job hat, der braucht keinen Sport.“ Die Arbeit muss schnell erledigt werden, denn das Essen soll die Kunden mit mindestens 65 Grad Hitze erreichen. Und doch bleibt Zeit für ein kurzes Gespräch. Das macht für die gelernte Bürokauffrau den Reiz ihrer Tätigkeit aus. „Ich begegne bei der Arbeit gerne Menschen. Man bekommt auch viel zurück. Wenn sie sich freuen, dass jemand am Tag mal vorbeischaut – das ist schon schön.“

Meist kommt nur Smalltalk zustande. Aber immerhin. Die Ausnahme bleiben nach den täglichen Begegnungen an der Haustür dezente Hinweise von Petra May an den mobilen sozialen Dienst der Johanniter, dass bei einem Kunden vielleicht mehr nötig sein könnte als nur der Menüservice. Etwa Unterstützung beim Einkaufen oder Putzen. Wenn man so will, ist die Johanniter-Frau so etwas wie ein Außenposten der Hilfsorganisation, der durch seine unmittelbaren Kontakte genau mitbekommt, wie es steht und woran es eventuell mangelt. Der Fahrdienst ist also weit mehr als nur die Verteilung von warmen oder tiefgefrorenen Speisen.

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Die Tourenliste ist dabei ein unverzichtbarer Leitfaden. Sie enthält detaillierte und sehr persönliche Hinweise wie: „Gemeinsam Speiseplan ausfüllen. Kein Fisch!“ oder „4. OG gegenüber Aufzug. Essen aus Box nehmen und in Küche abstellen.“ oder „Bitte unbedingt dreimal klingeln!“

Die Speisen werden in Warmhalteboxen ausgeliefert. 40 Kunden bedient Petra May bei einer Tour allein in Rodgau.

Diese Tipps hat die gebürtige Frankfurterin längst verinnerlicht. Schließlich fährt sie schon seit sechs Jahren Essen aus. Früher arbeitete die heutige Wahl-Dudenhöferin als Sekretärin, dann kamen die Kinder und 15 Jahre Hausfrauen-Job, danach eine berufliche Neuorientierung mit Weiterbildung. Im Zuge derer absolvierte Petra May ein Praktikum in der K&S Seniorenresidenz in Nieder-Roden und kam „auf die soziale Schiene“. Bis heute hat sie das nicht bereut, ihre Arbeit macht sie gern.

Die nächste Kundin braucht diesmal nur einen Speiseplan. Nicht alle bestellen für jeden Tag. Für die nächste Wohnung hat Petra May einen Schlüssel. „Ich stelle das Essen leise in der Küche ab, weil die Frau um diese Zeit noch im Bett liegt.“ Der nächste Klient ist Moslem und darf kein Schweinefleisch essen. Was er heute bekommt? „Gemüseragout mit Bandnudeln.“ Weiter in die Kölner Straße. Dort wartet ein Ehepaar schon aufs Essen. Und wieder heißt es herzlich: „Guten Tag. Wie geht es Ihnen heute?“

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Quelle: op-online.de

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